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Fußball-WM: Ab unter den Zapfhahn

Fußball-Fans können aufatmen: In allen zwölf WM-Stadien wird nun doch alkoholhaltiges Bier ausgeschenkt. Wenn Zuschauer dann aber im Rausch über den Platz flitzen, müssen sie mit saftigen Strafen rechnen.

31 Tage vor dem Startschuss zum rauschenden Fest erklärte das Organisationskomitee der Weltmeisterschaft: "Es gibt bei jedem Spiel alkoholhaltiges Bier. Das ist der Stand heute." Allerdings wird der Gerstensaft in begrenzten Mengen fließen. Pro Person und Bestellung soll maximal ein Liter ausgeschenkt werden.

Flexible Handhabung bei Risiko-Spielen möglich

Nach derzeitigem Stand wird auch bei Partien, die als Risiko-Spiele eingestuft werden, Alkohol ausgeschenkt. "Sollten neue Erkenntnisse vorliegen, wird aber darüber neu nachgedacht", sagte der im OK für die Sicherheit verantwortliche Helmut Spahn. Dies gilt auch und vor allem im Hinblick auf die K.o.-Spiele nach der Gruppenphase.

In einem solchen Fall wird die Zentrale Informationsstelle für Sporteinsätze (ZIS) eine Lagebeurteilung abgeben. Die ZIS, die jeweilige Spielort-Behörde und das OK würden dann neu befinden - letztlich liege die Entscheidung bei der jeweiligen Polizei. "Die Verantwortlichen in den Stadien sind in der Lage, in kürzester Zeit zu reagieren", sagte Spahn.

Flitzern droht hohes Bußgeld

Bleibt es wie derzeit vorgesehen beim Bier-Ausschank, sollten dies potenzielle Stadion-Flitzer nicht dazu nutzen, um sich Mut anzutrinken. Denn unbelehrbare Störenfriede, wie sie bereits vor einem Jahr beim Confederations Cup für große Unruhe und heftige Sicherheitsdiskussionen gesorgt hatten, müssen nach den jüngsten Urteilen in Deutschland nicht nur mit Gefängnisstrafen rechnen, sondern auch tief in die Tasche greifen.

"Wir haben uns mit der FIFA verständigt, welche Summe auf einen Flitzer durch einen möglichen Ausfall von Werbeminuten und andere Dinge zukommen könnte. Hochgerechnet sind wir auf eine sechsstellige Summe gekommen", meinte Spahn.

Vertrauen in die Zuschauer

Er wertete das Urteil des Rostocker Oberlandesgericht von Ende April als "größte Abschreckung". Die Richter hatten entschieden, dass Hansa Rostock die 20.000-Euro-Geldstrafe von drei Stadionflitzern voll zurückfordern darf. Begründung: Die Beklagten haben den Schaden verursacht. In Dortmund war ein allerdings mehrfach vorbestrafter Flitzer zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Das Gericht wertete seine Aktion als Hausfriedensbruch.

Aus Sicht des OK geht es um ein klassisches Problem: Auf der einen Seite sollen die Zuschauer so nah am Spielfeldrand sitzen wie möglich und nicht durch Zäune von den Hauptdarstellern getrennt sein. Andererseits können Flitzer-Attacken so nicht ausgeschlossen werden. "Mehr Ordnungspersonal im Innenraum würde das Gesamtbild trüben", meinte Spahn. "Es ist ein Vertrauensvorschuss an die Zuschauer. Einzelne könne die gesamte Konzeption aber ins Wanken bringen."

Jens Marx/DPA / DPA
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