Tourismus Hauptsache dicke Portemonnaies


Frankreich, eines der meist besuchten Länder der Welt, gibt sich nicht länger mit Touristen aus Old Europe zufrieden. Chinesen, Inder, Russen und Brasilianer sollen angelockt werden, denn die geben im Urlaub viel mehr Geld aus.

"Die 'Bric' sind unsere Hoffnung", heißt das neue Credo der französischen Tourismusindustrie. Hinter dem Akronym verbergen sich die Anfangsbuchstaben der Länder Brasilien, Russland, Indien und China - Länder, die seit gut zwei Jahren zu den Stars der neuen Wirtschaftsmärkte gehören und nun auch zu den Top Ten der ausländischen Touristen in Frankreich werden sollen. "Diese Touristen sind viel verschwenderischer als die europäischen", sagte Thierry Baudier, der Direktor des französischen Fremdenverkehrsamtes "Maison de la France", das Frankreich im Ausland vermarktet.

Ein Eingang für Chinesen

Noch stammen 85 Prozent der Touristen aus dem alten Kontinent. Doch das soll sich angesichts der Kaufkraft der "Bric" bald ändern. "Die Niederländer haben zwar ein höheres Lebensniveau, doch stürzen sie sich nicht in Luxusgeschäfte wie Vuitton. Die Chinesen hingegen, die zum ersten Mal Europa besuchen, leisten sich eher Luxusprodukte". Laut eines Berichts der französischen Tourismusverwaltung vom Juni dieses Jahres sollen die Chinesen 2005 auf ihren Reisen durch Europa im Durchschnitt 3000 Euro ausgegeben haben, 18 Prozent für Unterkunft und 34 Prozent für Einkäufe.

Und so steht auf den Paris-Programmen der Reiseleiter für chinesische Gruppen im Wesentlichen der Besuch des Louvre, der sich meist auf einen Blick auf das geheimnisvolle Lächeln der "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci beschränkt. Außerdem sind das traditionelle Gruppenbild vor dem Eiffelturm und der Besuch in dem Tempel der Konsumgüter "Galerie Lafayette" Pflicht, wo es einen eigens für chinesische Touristengruppen reservierten Eingang gibt.

Schweiz ist Lieblingsland der Inder

Auch die Konkurrenz "Le Printemps", die sich gleich neben dem nur wenige Meter von der alten Pariser Oper Garnier liegenden Pariser Luxuskaufhaus befindet, buhlt mit der Kreditkarte "China Union Play" um die Finanzkraft der Reisenden aus dem Land der Mitte. Nach Meinung von Caroline Vezolles, verantwortlich für den Bereich internationale Kundschaft, seien die Chinesen fast ebenso verschwenderisch wie die Japaner: "Die Chinesen stellen 25 Prozent der ausländischen Kundschaft und kaufen durchschnittlich für 500 Euro ein."

Noch großzügigere Touristen sollen die Inder sein. Statt 500 Euro sollen sie laut einer vor kurzem veröffentlichten Studie fast 4000 Euro für einen Aufenthalt in Europa ausgeben - davon 700 für Shopping. Weiterer Vorteil: Sie verweilen länger an einem Ort als die Chinesen, die in Paris nur knapp anderthalb Tage auf Einkaufsbummel und Sightseeing-Tour sind. Doch noch ist das europäische Lieblingsland der Inder die Schweiz, die mit eigenen Augen die Alpen sehen wollen, die in vielen Filmen Bollywoods als Kulisse dienen.

Russen an der Côte d'Azur

Während Chinesen und Japaner sich überwiegend in der Hauptstadt aufhalten, zieht es die ständig zunehmende Zahl russischer Reiselustiger oft auch an die Côte d'Azur. 100.000 Russen tanken dort jährlich Sonne.

Frankreich gehört zu den meist besuchten Ländern der Welt. Im Jahr 2005 stieg die Zahl der Touristen im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent auf 76 Millionen Besucher. "Von diesen 76 Millionen sind 500.000 Chinesen, 200.000 Inder und 200.000 bis 300.000 Russen", sagte Thierry Baudier. Vor allem die Zahl der Chinesen stieg um 25 Prozent, die mittlerweile auf 50.000 Hotelübernachtungen im Monat kommen. "Durch die zunehmende Elite, wachsende Mittelklasse und die Entwicklung der Kaufkraft, sind die 'Bric' ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden", sagte der französische Fremdenverkehrsdirektor. Er hofft, bis 2010 eine Million konsumfreudiger Chinesen in Paris empfangen zu können.

Sabine Glaubitz/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker