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Zypern: Mit Aphrodite auf die Piste

Ans Meer? Oder lieber in die Berge? Auf Zypern geht beides. Bis März ist im Tróodos-Gebirge "Ski und Rodel" gut. Und zum Après-Ski gehts in die Wogen des Mittelmeers.

Von Roland Brockmann

Ob die Aphrodite auch hier hoch kam, zum Olympos? "Keine Ahnung. Für mich jedenfalls ist das hier der schönste Platz auf der Welt", sagt Pavlos Livadiotis und blickt über das Tal bis zum Horizont, unter dem gerade noch ein Streifen Mittelmeer schimmert. Ungefähr da hinten, wo einst die Göttin der Liebe an Land gegangen sein soll: im Schaum der Brandung von Petra Tou Romiou, dem "Fels der Griechen".

Pavlos kann die Strandurlauber, die jetzt in Shorts und T-Shirts in der Sonne dösen, an diesem Küstenabschnitt nicht sehen. Bis zum Meer sind es 50 Kilometer. Pavlos' kleines Paradies liegt in den Bergen, am Fuß des höchsten Gipfels der Insel, im Tróodos-Gebirge. Auf dem 1952 Meter hohen Olympos liegt erster Schnee.

In die Berge oder ans Meer? Beides!

Ab Januar heißt es auf Zypern "Ski und Rodel gut". Auch wenn die Piste "Aphrodite" sicher nichts für echte Alpinisten ist. Die "Zeus-Abfahrt" ist mit einer Länge von 370 Metern immerhin vom internationalen Skiverband (FIS) anerkannt. Vier Schlepplifte bieten die vulkanischen Tróodos-Berge, dazu zwei gespurte Langlauf-Loipen. Doch der Kontrast macht es: Nach ein paar leichten Abfahrten steigen Mutige zum Après-Ski, nur eine knappe Autostunde später, in die 18 Grad warmen Wogen des Mittelmeers. Die klassische Urlauberfrage - in die Berge oder ans Meer? - erübrigt sich auf Zypern.

Pavlos trägt bereits einen dicken Pullover, während er Erde in eine Schubkarre schaufelt. Der Lehrer aus der Hauptstadt Nikosia baut sich hier im Gebirge ein Wochenendhaus. Sehr groß darf es nämlich nicht werden, die Bauvorschriften sind streng im Tróodos-Gebirge.

Dafür wurde das "grüne Herz" Zyperns von der EU als eines der zehn besten ländlichen Reiseziele in Europa ausgezeichnet. Vor allem wegen seiner vielschichtigen Vegetation aus Aleppo-Kiefern und ausladenden Zedern. An den terrassenförmigen Hängen liegen Kirsch- und Mandelbaumplantagen, und etwas tiefer wächst sogar Wein. Ein ideales Gebiet vor allem zum anspruchsvollen Wandern. Mit Glück entdeckt man einige der letzten freilebenden Zypern-Mufflons oder einen über den Baumwipfeln kreisenden Adler. Das Klima ist tagsüber oft neblig und feucht. "Die Nächte dafür sind sternenklar", so Pavlos. Dann kann ich sogar die Lichter der Kräne sehen, die gerade den neuen Hafen von Pafos bauen."

Der Berg Olympos hatte stets auch strategische Bedeutung. "Die Briten haben hier 1974 ein ionosphärisches Radarsystem gebaut", erzählt Pavlos. Die weißen Riesengolfbälle der Royal Airforce schimmern matt im Dunst auf dem Gipfel: Die Antennen zur taktischen Flugüberwachung haben eine Reichweite von 3000 Kilometern. Im Satellitenzeitalter hat die Bedeutung der Anlage nachgelassen, aber sie ist noch immer in Betrieb und streng bewacht; allerdings von einheimischen Soldaten. Die Briten, bis zum 16. August 1960 Kolonialmacht auf der Insel, kommen heute vor allem als Urlauber.

In den Bergen ruft früh das Bett

Die Tróodos-Berge gehörten schon immer zum Ausflugsgebiet der Engländer. Das kleine Bergdorf Pano Platres, 1128 Meter über Meeresspiegel, war eine Sommerresidenz der ehemaligen Kolonialherren. In einigen Hotels des Ortes kann man noch den Charme der fünfziger Jahre atmen. Überhaupt ist hier alles eher gediegen und wie aus einer anderen Zeit. Nachts, nach dem letzten Glas in einem der Kafenions, wird es still in den Bergen - auch wenn der griechische Dichter und Nobelpreisträgers Giorgos Seferis über Platres so poetisch schrieb: "Die Nachtigallen lassen einen nicht schlafen." Nachtleben tobt an der Küste, in den Bergen ruft früh das Bett. Gut für den Wanderer, um am nächsten Morgen wieder frisch auszuschreiten - etwa um einige der Scheunendachkirchen zu besichtigen, deren Fresken von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurden.

Je nach Mentalität hält man so nur zwei Tage bis eine ganze Woche durch. Wanderpfade gibt es viele, und wem der Weg das Ziel ist, kann auf den Pfaden mit so schönen Namen wie „Aphrodite“ oder „Artemis“ zu innerer Ruhe finden. Am Wegesrand warten immer wieder kleine Überraschungen wie das private Naturkundemuseum im Töpferdorf Phini oder plötzliche Ausblicke aufs Meer. Und wem es dann doch zu einsam wird, der steigt ins Auto und kurvt die Serpentinen hinab ins Tal. Vorbei an Klöstern, kleinen Privatvillen und Weinbergen, die rot-braun vor dem Türkis des Meeres aufleuchten. Die Insel ist ideales Terrain für Automobilisten, alle Strecken sind bestens ausgeschildert. Nur an den Linksverkehr muss man sich erst gewöhnen.

Vom Olympos aus hat man die Wahl: zurück an die Küste oder nach Nikosia, der letzten geteilten Hauptstadt Europas. Nach Meer und Bergen gerät man dort plötzlich in die politische Gegenwart der Insel mit nur 800.000 Einwohnern: Noch immer streiten Griechen und Türken um die Inselhoheit. Vor einem Jahr wurde auf Zypern der Euro eingeführt, aber eben nur auf dem südlichen, griechischen Teil, der auch Mitglied der EU ist. Die "Grüne Linie" zwischen Nord und Süd wird seit 1974 von UN-Soldaten bewacht. In der Hauptstadt trennt Stacheldraht die "Republik Zypern" vom "türkisch besetzten" Teil. Vor zwei Jahren baute die türkische Seite die Lokmaci-Barrikade ab - als Zeichen des guten Willens zur Versöhnung. Daraufhin rissen auch die Griechen ihre Barrikaden ab. Inzwischen pendeln viele Bewohner aus dem türkischen Teil in den Süden, weil es dort bessere Jobs gibt. Und Urlauber passieren die Checkpoints mit einem Personalausweis ohnehin problemlos.

Pavlos Livadiotis war lange nicht mehr im Nordteil der Insel. "Eigentlich schade", sagt er. "Aber wenn ich ehrlich bin, zieht mich da auch wenig hin. Zu lange leben wir nun schon getrennt. Und so einen Ort wie in den Tróodos-Bergen gibt's da ohnehin nicht."

Weitere Infos
Flüge: Cyprus Airways oder Lufthansa fliegen von Frankfurt nach Larnaca
Übernachtung: Forest Park Hotel, Spyrou Kyprianou Street 62, P. Platres, Tel. +357 25 421 751, ein privat geführtes Vier-Sterne-Hotel im Troodós-Gebirge. DZ von November bis März ca. 50 Euro, im Sommer ca 70 Euro, www.forestparkhotel.com.cy
Fremdenverkehrszentrale Zypern: Zeil 127, 60313 Frankfurt, Tel. 069 - 251919, www.visitcyprus.com
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