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"Freedom Of The Seas": Voll auf der Welle

Bevor die "Freedom Of The Seas" in der Karibik kreuzt, durften geladene Gäste das größte Kreuzfahrtschiff der Welt in Hamburg besichtigen. stern.de-Redakteure Claudia Pientka und Jens Maier waren eine Nacht "probewohnen" und erlebten ein spritziges Vergnügen.

Surfer hatten am Montag im Hamburger Kreuzfahrtterminal fast perfekte Bedingungen: Bei 20 Grad, strahlendem Sonnenschein, leichter Brise aus Südwest und stabilem Wellengang stürzten sie sich in die Fluten. Dass sie dabei sogar die Aussicht auf Michel und Rathaus genießen können, verdanken sie den Erbauern der "Freedom Of The Seas". Das Schiff, das am Dienstagmorgen von Hamburg aus zu seiner Jungfernfahrt aufgebrochen ist, beherbergt auf Deck 13 einen Surf-Imitator. Der "FlowRider", ein knapp zehn Mal zwölf Meter großer Pool im hinteren Bereich des Schiffs, erzeugt mit über 113 Kubikmetern Wasser pro Minute eine Welle, die sich von Deck 13 hinunter auf Deck 12 erstreckt und auf der die Wellenreiter surfen können. Wie ein dünner Teppich fließt das Wasser über einen speziellen Untergrund, der ähnlich wie ein Trampolin Stöße und Stürze sanft abfängt. Ob aufrecht stehend (Flowboarding) oder liegend (Body Boarding) - selbst zum Wellenreiter müssen die Passagiere das Schiff nicht mehr verlassen.

Die "Freedom Of The Seas" ist der neue Superlativ unter den Kreuzfahrtschiffen: 1817 Gästekabinen, Platz für 4375 Gäste, 1400 Crew-Mitglieder, zehn Restaurants, ein Theater, eine Eislaufbahn, Kletterwand, Boxring und eine eigene Kapelle für romantische Hochzeiten. Alles ist größer als auf anderen Schiffen und hätten die Konstrukteure die "Freedom" nur sechs Meter länger gebaut, hätte sie sogar die "Queen Mary 2" als längstes Passagierschiff übertroffen. "Wir haben die 'QM2' in so vielen Bereichen geschlagen", sagt Richard Fain, CEO der Reederei Caribbean Cruises, "da wollten wir ihr zumindest diesen Rekord lassen." Trotz der fehlenden Meter kann sich die "Freedom" mit 160.000 Bruttoregistertonnen rühmen, das größte Passagierschiff der Welt zu sein.

Schwimmender Vergnügungspark samt Shopping-Mall

Wer das Schiff zum ersten Mal betritt, wird überwältigt sein. Die "Freedom" ist ein schwimmender Vergnügungspark. Herzstück des Schiffes ist die Promenade auf Deck 5, die einer riesigen amerikanischen Einkaufsmall gleicht. Über vier Decks verteilen sich Bars, Cafes, Restaurants und Geschäfte, die selbst bei Windstärke 8 zum Verweilen und Geld ausgeben einladen. Ein Deck tiefer blinken hunderte einarmige Banditen und lächelnde Croupiers locken an einen der 19 Spieltische. Nebenan im Arcadia Theater können bis zu 1350 Zuschauer die allabendliche Vorstellung verfolgen. Der "On Air Club" verspricht den Passagieren 15 Minuten Ruhm, zumindest denen, die sich auf die Karaoke-Bühne trauen.

Wer noch mutiger ist, kann auf Deck 11 in einem frei schwebenden Whirlpool planschen - 34 Meter über dem Meeresspiegel. Eine einmalige Konstruktion der Schwimmbecken, die 3,44 Meter über die Schiffswand hinaus ragen, macht es möglich. Über den Rest des Decks erstreckt sich eine weitläufige Poollandschaft mit Springbrunnen, Wasserkanonen, Gegenstromanlagen und Kinderplanschbecken. Während die Kleinen sich im Wasser vergnügen, kann Mutti sich im Spa-Bereich verschönern lassen. Dort wartet ein Wellness- und Beautyangebot mit Gesichtsanwendungen, Massagen oder Heißsteinbehandlungen auf müde Muskeln.

Suite mit Flügel und Whirlpool auf dem Balkon

Noch luxuriöser geht es in der "Royal Suite" zu. Hier warten auf zahlungskräftige Gäste ein großzügiger Balkon samt Whirlpool, ein begehbarer Kleiderschrank und ein Flügel - für 15.000 Euro pro Nacht. Mit 113 Quadratmetern bietet die "Presidential Family Suite" gleich Platz für 14 Personen. Die überdimensionale Suite besitzt zwei Eingänge und zwei Elternschlafzimmer, in denen jeweils zwei Personen nächtigen können. In zwei weiteren Schlafzimmern können weitere acht Personen unterkommen. Die Suitengäste geraten leicht in Versuchung, den ganzen Tag im Freien auf ihrem geräumigen Balkon zu verbringen, der mit Whirlpool, Wetbar, acht Liegestühlen und einem Tisch ausgestattet ist, an dem 14 Personen unter freiem Himmel speisen können.

Weniger pompös zeigen sich die 561 Innenkabinen, die ohne Fenster, dafür mit kleinem Fernseher und Einzelbetten für Kuschelstimmung sorgen, dafür aber ab 730 Euro pro Cruise zu buchen sind. Aus 1084 Zimmern dürfen die Gäste aufs Meer blicken, zum größten Teil sogar vom eigenen Balkon. Und für ein Kreuzfahrtschiff hat der Gast in seiner Kajüte richtig Platz: Zwischen 14 und 19 Quadratmetern sind die kleinsten Kabinen groß.

Kletterwand als Markenzeichen

Die generöse Ausstattung ist für die Reederei „Royal Carribean Cruise“ ein Muss. Das Kreuzfahrtgeschäft boomt und war Amerika jahrzehntelang das Cruising-Land Nummer Eins holen die Deutschen nun mit großen Schritten auf. "Der Markt ist um 40 Prozent gewachsen", sagt Fain, "und auch wir wollen mehr davon abkriegen." Die Konkurrenz unter den Reedereien ist groß: Die "Queen Mary 2" lockt mit exquisitem Luxus, die "Aida" mit Familienfreundlichkeit und deutscher Besatzung, "Easy-Cruise" mit Dumping Preisen. Die "Carrribeans" haben sich auf Spiel, Sport und Spaß spezialisiert haben. "Ein Markenzeichen unserer Flotte ist die Kletterwand", sagt Fain, "mit dem Flowrider erweitern wir nur unser Repertoire an Sportfacilities an Bord." Und sollen jede Nationalität ansprechen - vor allem die Deutschen. Denn mit den besonders von Amerikanern geschätzten Vorzügen - klimpernden Spielautomaten, dampfenden Essensbergen und glitzernden Shopingmalls - konnten die Germanen bisher nicht überzeugt werden.

So erklärt sich auch die exklusive Weltpremiere des Schiffes am Standort Hamburg. "Es ist ein Kompliment an diese Stadt und ihren Hafen" erklärt Fain. Schließlich sei es 92 Jahre her, dass sich das letzte Mal ein "größtes" Passagierschiff in der Hansestadt präsentierte. Das war damals die "Bismarck", die 1914 aus der Hamburger Werft "Blohm + Voss" vom Stapel gelassen wurde. Diesmal übernahm das Traditionsunternehmen nur die Innenausstattung des Ozeanriesen; gebaut wurde die "Freedom" in Finnland. Die schiffsverliebten Hamburger dankten die Premiere mit einer riesigen Party. Bis in den späten Abend harten Hunderte aus am Kreuzfahrtterminal in der Hafencity und versuchten den Koloss aufs Bild zu bannen.

Endlosschleife in der Karibik

Künftig wird die "Freedom Of The Seas" nach der Atlantiküberquerung von Southampton nach New York ihre Endlosschleife ab Miami drehen. Ab Juni 2006 werden die Passagiere auf einwöchigen Routen durch die westliche Karibik geschippert. Auf Sieben-Nächte-Kreuzfahrten geht es von Miami nach Cozumel (Mexiko), George Town (Grand Cayman), Montego Bay (Jamaika) und Labadee (Haiti), dem Privatstrand der Kreuzfahrtgesellschaft. Dann müssen die Reiseleiter ihre Gäste nur noch davon überzeugen, dass es sich für einen Landgang durchaus lohnt, den schwimmenden Vergnügungspalast auch einmal zu verlassen.

Claudia Pientka und Jens Maier
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