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Expo 2010 in Shanghai: Massen stürmen die Stadt der Zukunft

Wer noch im Oktober Shanghai besucht, kann auf dem Expo-Gelände gleich auf Weltreise gehen. Bereits jetzt haben 56 Millionen Menschen die Show der Superlative besichtigt. Eine Bilanz nach fünf Monaten Weltausstellung.

Von Xifan Yang, Shanghai

Die Shanghaier nehmen ihre Weltausstellung mit Humor: "Verpasst du die Expo, wirst du es ein Leben lang bereuen", sagen sie. "Schaust du sie dir an, wirst du es auch ein Leben lang bereuen." Trotz vier neuer U-Bahn-Linien sind die Straßen verstopft wie nie zuvor, unsinnige Sicherheitsverordnungen und steigende Preise machen den Bürgern zudem das Leben schwer. An vollen Tagen drängen sich über 600.000 Menschen auf dem Expo-Gelände, einen Monat vor Ende zählt die Ausstellung mehr als 56 Millionen Besucher. Zum Vergleich: 2000 waren es in Hannover 18 Millionen.

Die Verwaltung versucht, den Ansturm in den Griff zu bekommen. Zwecklos, vor den großen Länderpavillons heißt es nach wie vor: unter vier, fünf Stunden Wartezeit kein Einlass. "Eigentlich wollte ich mir den chinesischen und US-amerikanischen Pavillon anschauen", sagt die Studentin Li Ying, "doch jetzt habe ich mich mit Kasachstan und dem Sudan zufrieden gegeben." Selbst dort stand sie eine dreiviertel Stunde in der Schlange. In der Not werden manche erfinderisch: Nicht selten sollen schon Besucher versucht haben, sich mit geliehenen Rollstühlen durch den Behinderteneingang zu schmuggeln. Andere bringen klappbare Plastikhocker für Verschnaufpausen mit.

Deutschland Pavillon als Hightechshow

Ausländische Touristen sieht man nur vereinzelt auf dem Gelände, über 95 Prozent der Besucher sind Einheimische, viele von ihnen waren nie im Ausland. Deutschland präsentiert sich als Hightechnation. Mit 25.000 Besuchern pro Tag zählt der Pavillon zu den beliebtesten Ländervertretungen. Die größte Attraktion im Inneren ist eine Show, bei der die Zuschauer eine Kugel mit drei Meter Durchmesser durch Zurufe zum Schwingen bringen können. "Die interaktiven Elemente kommen beim chinesischen Publikum besonders gut an", sagt Sprecherin Marion Conrady. Deutsche Besucher zeigen sich davon weniger beeindruckt. Elke und Gert Vogt, zwei Rentner aus Frankfurt, finden, Deutschland vermittle in Shanghai "mehr Innovationsfreude", als zu Hause tatsächlich zu spüren sei.

Was passiert mit dem Pavillon nach dem Ende der Expo? Im November wird das Gebäude abgebaut, einzelne Bestandteile wie das Stahlgerüst oder die Textilfassade werden recycelt. Andere Länder wie Australien oder Taiwan haben ihre Häuser versteigert. Über das Schicksal des fünf Quadratkilometer großen Ausstellungsareals hat die Stadtverwaltung noch nicht entschieden. "Better city, better life", das Motto der Expo, könnte in Shanghai lediglich als nette Utopie in Erinnerung bleiben. Als wahrscheinliche Lösung gilt nämlich, das teure Grundstück mit noch mehr Hochhäusern für die boomende Finanzwirtschaft zuzubauen.

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