In Addis Abeba Zwischen Busch und Luxus


Die Kontraste könnten nicht größer sein: bittere Armut im Südwesten Äthiopiens und Luxus in unserem Hotel in Addis Abeba. Die Gefühle fahren Achterbahn.

Wir sind im Südwesten Äthiopiens. Auch die letzten drei Tage waren intensiv und erlebnisreich. Äthiopien ist mit seinen spektakulären Bergen, Seen und Nationalparks ein wunderbares Land mit unglaublicher Vielfalt und unberührter Schönheit. Ich weiß schon jetzt, dass ich im nächsten Jahr mehr Zeit hier verbringen möchte.

Der Südwesten ist der "wildeste" Teil Äthiopiens. Hier ist noch vieles so wie es vor tausenden von Jahren war. Eine Vielzahl von kleinen Kulturstämmen, Hamer, Murzi, Karo etc., leben hier verteilt in ihren Tälern. Stammeskriege sind immer noch an der Tagesordnung. Zwischen den sehr zahlreichen ethnischen Gruppen Äthiopiens kommt es immer wieder zu bewaffneten Konflikten um Landnutzungsrechte und Rechtsstreitigkeiten. Fördernd wirkt sich hier vor allem die weite Verbreitung von Schusswaffen im ganzen Land aus, die ihre Ursprünge im Bürgerkrieg hat. Gerade vor zwei Wochen hat es wieder eine heftige Auseinandersetzung mit Kalaschnikows und Speeren gegeben. Meistens geht es um Frauen oder um Kühe und Ziegen. Fünf bis zehn Tote sind da nicht ungewöhnlich.

Auch wir sehen täglich Kalaschnikows. Aber bis jetzt haben wir bis auf kleine Drohgebärden, wenn es um Fotohonorare geht, die hier sehr konsequent einkassiert werden, keine Berührung mit gegen uns gerichteter Gewalt gehabt.

Luxus zwischen nasser Wäsche

Vielleicht liegt das aber auch daran, dass wir uns ins Ausländer-Viertel von Addis Adeba geflüchtet haben. Wir sind im Sheraton-Hotel abgestiegen und schwelgen im Luxus. Endlich Zeit zum Wäsche waschen, Batterien aufladen und zur Übertragung der Bilder via Internet. Ansonsten nutzen wir jetzt unser Satelliten-Terminal. Eine kleine Antenne von der Größe eines Notebooks, die sich an die Satelliten einlogt und auf die ich dann aufs Internet zugreifen kann. Morgen geht's nach Kenia. Dann beginnt die Zeit der großen Nationalparks und der Tierbegegnungen.

Michael Poliza

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