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Kreuzfahrt: Rush Hour auf dem Nil

Einsam ist es auf Afrikas größtem Strom nie. Feluken transportieren Ware, Fähren bringen Passagiere von Ort zu Ort. Dazwischen ziehen Kreuzfahrtschiffe ihre Bahnen. Autorin Gesine Unverzagt war für stern.de auf dem Nil unterwegs.

Vom Sonnendeck genieße ich den Blick auf das Ufer des Nils. Dicht gewachsene Dattelpalmen säumen das Ufer. Frauen waschen Wäsche im Fluss. Spielende Kinder winken. Fellachen, die Bauern Ägyptens, arbeiten in den Bananen- und Zuckerrohrplantagen. In ihren langen Gewändern, den Gallabiyyas, wirken sie wie Erscheinungen aus biblischer Zeit. Unmittelbar hinter der fruchtbaren Landschaft beginnt die Wüste mit dem goldgelben Sand. Auf dem Fluss kreuzen malerisch die Feluken mit ihren weißen Segeln. Und mittendrin mein Kreuzfahrtschiff - die "MS Magic".

Sieben Tage werde ich auf dem kleinen Nildampfer verbringen und dabei von Luxor nach Assuan schippern. Die Zeit auf dem Schiff ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Auch Agatha Christie wurde von dieser einzigartigen Atmosphäre inspiriert. Hier entstand ihr Krimi "Tod auf dem Nil". Auf dem Sonnendeck kann man sich herrlich von den zahlreichen Besichtigungen erholen.

Wo sind die Pyramiden?

Und das habe ich bitter nötig. Unser Abfahrtsort Luxor hatte mich am Tag zuvor in seinen Bann gezogen. Die Stadt war zwischen 2040 und 1610 vor Christus eine der schönsten und größten Städte der Welt. Aus dieser Zeit stammt der Luxor-Tempel, direkt an der Uferstraße gelegen. Riesige Ramsesfiguren säumen das Heiligtum. Drei Kilometer vom Luxor-Tempel entfernt befindet sich die weit verzweigte Tempelstadt von Karnak. Das Herzstück des Komplexes ist der Amun-Tempel, der vor allem wegen des gewaltigen Säulenwaldes zu Ruhm kam. Am berühmtesten ist allerdings das Tal der König.

Das Gräberfeld besteht nicht aus Pyramiden, wie viele vermuten, sondern aus unterirdischen Grabanlagen. Insgesamt 64 Gräber wurden hier gefunden, die je nach Bedeutung des Verstorbenen mit Schmuck, Gold und anderen Kostbarkeiten gefüllt waren. Trotz jahrtausendelanger Aktivität von Grabräubern und Plünderern lieferte das Tal der Könige den Ägyptologen der Neuzeit noch zahlreiche höchst wertvolle Grabungsfunde - unter anderem wurde das weitgehend unversehrte Grab des Tutanchamun dort im Jahr 1922 von Howard Carter entdeckt. Seine Mumie befindet sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo. Im Grab ist eine Replika des Sarges zu besichtigen.

Heute kaufen, morgen bezahlen

Überwältigt von so viel Kulturgeschichte fahre ich nun in den Basar, der mehr als ein Umschlagplatz für Waren aller Art ist. Er ist sozialer Mittelpunkt, Treffpunkt und Nachrichtenbörse zugleich. Seit Generationen lebt man in Luxor vom Tourismus. So verwundert es nicht, dass die Händler die üblichen Redewendungen und das Feilschen in mehreren Sprachen beherrschen. "Heute kaufen, morgen bezahlen", ruft ein junger Mann. Hier gibt es alles. Ein beliebtes Mitbringsel sind Gewürze, die in großer Vielfalt angeboten werden.

Mit dem Agatha-Christie-Roman "Tod auf dem Nil" auf dem Schoß liege ich am anderen Tag an Deck meines Erholungsdampfers. In der Ferne ist schon unser erster Stopp der Reise zu erahnen: Esna. In dieser kleinen Stadt wird der 2000 Jahre vor Christus gebaute Tempel, der dem Schöpfergott Chnum mit dem Widderkopf geweiht ist, bewundert. Es geht weiter in Richtung Süden. Die am westlichen Nilufer gelegene Stadt Edfu ist berühmt für den im dritten Jahrhundert vor Christus erbauten Horus-Tempel.

Ein unvergessliches Naturschauspiel

Zwischen Sandsteinfelsen eingebettet liegt malerisch die Stadt Assuan. Hier findet man den schönsten Ausblick des ganzen Niltals. Traumhaft ist die Terrasse des Luxushotels "Old Cataract" mit einem einmalig schönen Blick auf den Nil, die Feluken und das Aga-Khan-Mausoleum am gegenüberliegenden Uferhang. Dort einen Sonnenuntergang zu erleben, ist ein unvergessliches Naturschauspiel.

Assuan war ein wichtiger Knotenpunkt der Karawanenstraße von Nubien und dem Sudan. So ist der Basar geprägt von der nubischen Kultur, eine Mischung aus dem Äthiopischen und Sudanesischen. Hinter Assuan beginnt die Nubische Wüste, die auf der 280 Kilometer langen Fahrt nach Abu Simbel durchquert werden muss. Wer die über 3000 Jahre alte Tempelanlage besuchen möchte, muss schon in der Nacht aufstehen, damit die Sehenswürdigkeit noch bei gemäßigten Temperaturen besichtigt werden kann, denn nachmittags ist die Hitze oft unerträglich.

Erfrischender ist da eine Segeltour mit einer Feluke, die sich in Assuan besonders anbietet. Auf einem der Boote für ein paar Stunden im Wind gemächlich daherzudümpeln, gehört zu den schönsten Erlebnissen einer Ägyptenreise.

Service

Informationen

Ägyptisches Fremdenverkehrsamt
Kaiserstr. 64a
60329 Frankfurt
Tel..069-252153
Fax.069-239876

Klima

Die klassische Reisezeit für Ägypten sind die Monate Oktober bis April. Der Sommer kann sehr heiß werden.

Kleidung

Sie sind Gast in einem islamischen Land. Miniröcke, kurze Hosen, enge Tops sind verpönt. Männer sollten auf Shorts verzichten.

Preise

Pauschalreise: Eine Woche All Inclusive Light auf dem 4,5-Sterne-Schiff MS Rêve du Nile plus eine Woche All Inclusive im Vier-Sterne-Hotel PrimaSol Beach Albatros in Hurghada inklusive Flug und Transfers ab 737 Euro in Doppelkabine/-zimmer (FTI).
Luxor, Sofitel Winter Palace: Sieben Übernachtungen in der Fünf-Sterne-Anlage sind inklusive Flug ab 779 Euro pro Person im Doppelzimmer mit Frühstück erhältlich. Eine Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer kostet ab 52 Euro.
Assuan, Sofitel Old Cataract: Sieben Übernachtungen in der Fünf-Sterne-Anlage sind inklusive Flug ab 815 Euro pro Person im Doppelzimmer mit Frühstück erhältlich. Eine Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer kostet ab 52 Euro.

Einreisebestimmungen

Einen noch sechs Monate gültigen Pass. Das Visum erhalten Sie bei der Einreise.
Gesine Unverzagt
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