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Sicherheitshinweise für Ägypten: Badeurlaubern droht Ausgangssperre

Wegen der Gewaltausbrüche in Ägypten hat das Außenministerium seine Teilreisewarnung verschärft. Man fürchtet, dass sich die Sicherheitslage verschlechtern wird. Was Urlauber jetzt wissen müssen.

Von Till Bartels

Die Lage in Ägypten spitzt sich zu. Übergangspräsident Adli Mansur hat für einen Monat den Ausnahmezustand ausgerufen und ein nächtliches Ausgehverbot in den Großstädten verhängt. Allein am Mittwoch kam es bei der Räumung zweier Protestlager der Moslembrüder zu mehr als 500 Toten. Können Reisende in Ägypten jetzt noch Urlaub machen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Rät das Auswärtige Amt von Reisen nach Ägypten ab?

Die Ferienorte an der Küste des Roten Meeres blieben von den blutigen Unruhen bislang verschont. Aber in der Nacht zum Donnerstag starb ein Anhänger der Muslimbruderschaft bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei im Badeort Hurghada.

Noch rät das Auswärtige Amt nicht von Reisen in die Touristengebiete am Roten Meer ab. Die Berliner haben jedoch eine Teilreisewarnung für das Land am Nil ausgesprochen und benennen wichtige touristische Ziele, die nicht mehr besucht werden sollen: "Von Reisen nach Ägypten, insbesondere nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nilkreuzfahrten) und in das Nildelta wird dringend abgeraten", heißt es auf der Website des Auswärtigen Amtes.

Welche Situationen sollten Urlauber in Ägypten meiden?

Generell rät das Auswärtige Amt wegen der Großdemonstrationen zu besonderer Vorsicht in Kairo, insbesondere rund um die Kairo Universität, Heliopolis und Nasr City. "In den Nachmittags- und Abendstunden sollten Fahrten in den größeren Städten soweit wie möglich vermieden werden." Im ganzen Land muss weiterhin mit Demonstrationen und Einsätzen der Sicherheitskräfte gerechnet werden, die auch einen gewalttätigen Verlauf nehmen können. "Die Lage bleibt im Moment sehr unübersichtlich."

"Mit Blick auf den muslimischen Freitag und weiteren für den 16. August angekündigten Demonstrationen von Anhängern der Muslimbrüder wird nochmals zu erhöhter Vorsicht geraten", heißt es auf der Internetseite des Ministeriums.

Sind Urlauber von der nächtliche Ausgangssperre betroffen?

Wer sich in Städten wie Kairo, Giza, Alexandria, Suez, Ismailia, Assiut, Sohag, Beni Suef, Minya und Beheira aufhält, darf zwischen 19 und 6 Uhr die Unterkunft nicht mehr verlassen. Ebenso sind Feriengäste auf der Sinai-Halbinsel betroffen, nicht jedoch in Urlauberhochburgen auf der Festlandseite Ägyptens am Roten Meer wie in Hurghada oder Marsa Alam. Doch auch hier kann sich die Lage täglich ändern.

Am Donnerstag beschloss die ägyptische Regierung sllerdings eine Ausnahme für die nächtliche Ausgangssperre in der Provinz Süd-Sinai: Nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Kairo entschied das Kabinett, das Verbot solle nicht für den Badeort Sharm-el-Scheich gelten.

Wie reagieren die Reiseveranstalter?

Fast alle Veranstalter bieten derzeit kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen für Reisen nach Kairo, Oberägypten und Nilkreuzfahrten an. Abgesagt sind derzeit auch alle Ausflüge vom Roten Meer nach Kairo. Der Branchenführer Tui berichtet, die Nachfrage für Ägypten sei zuletzt deutlich zurückgegangen. "Wir bieten verunsicherten Urlaubern Umbuchungen an", sagte ein Sprecher von Marktführer Tui.

Kann ich kostenlos umbuchen oder stornieren?

Wenn die Reise massiv beeinträchtigt ist, können Urlauber kostenlos von ihrer Reise zurücktreten. Darauf weist Sabine Fischer-Volk hin, Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg. Anders ist es für Urlauber, die nur einen Badeurlaub am Roten Meer gebucht haben. Ein kostenloses Stornieren wäre nicht möglich, da keine Reisewarnung für die Urlaubszentren am Roten Meer ausgesprochen wurde. Wer dort partout nicht hin möchte, sollte mit dem Veranstalter reden, rät Fischer-Volk. "Wir empfehlen immer, sich um Kulanz zu bemühen."

Laufen Kreuzfahrtschiffe noch Häfen in Ägypten an?

Wegen der Sicherheitslage habe viele Reedereien die Schiffsrouten für die Wintersaison bereits geändert. Aida Cruises und Costa haben ihre Kreuzfahrten im Roten Meer aus dem Programm genommen. Die ägyptischen Häfen Port Said und Safaga werden durch Anläufe von Dubrovnik in Kroatien, Eilat und Ashdod in Israel sowie Akaba in Jordanien ersetzt. Die Reederei MSC hat bereits für die komplette Wintersaison, die am 25. November beginnt, Alexandria aus dem Programm genommen. Stattdessen erwartet die Passagiere der "MSC Fantasia" ein Stopp in Heraklion auf Kreta. Zudem wird der Aufenthalt in Haifa verlängert.

Sind Flüge nach und ab Kairo bedenklich?

Umsteigeverbindungen zu den Freienorten am Roten Meer sind über Kairo unproblematisch. Der Transit über den Internationalen Flughafen Kairo ist möglich. "Der Flughafen funktioniert normal und ist gut gesichert", so das Auswärtige Amt.

Wie schätzt ein Reiserechtler die Lage ein?

Die Gewalt in Kairo und der Ausnahmezustand sind schlechte Nachrichten für Tourismus in Ägypten. Denn wer möchte sich als Feriengast in einem Land am Strand entspannen, das am Rand eines Bürgerkriegs steht. "In so einer Situation kann man niemandem mehr zumuten, dass er noch in Ägypten Urlaub macht", sagte der Reiserechtler Paul Degott. "Ein flächendeckender Notstand heißt: Es kann alles zusammenbrechen, es ist gefährlich."

mit Agenturen

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