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Leere Strände: Kenias neuer Kampf

Nach den blutigen Unruhen vom Januar ist in Kenia wieder Ruhe eingekehrt. Doch der Tourismus droht noch lange brachzuliegen. Jetzt kämpfen die ehemaligen Feinde gemeinsam um die Gunst der Reisenden.

Von Ute Müller, Nairobi

Samburus Geschichte klingt wie eine alte afrikanische Sage. Benannt wurde die hübsche Oryx-Antilope nach einem Krieger- und Nomadenvolk im Norden des Landes. Die Mutter verlor Samburu, als sie noch ein Junges war. Eine Löwin nahm sich ihrer an, zog sie groß - und gab ihr wohl eine ganze Menge Kampfgeist mit. Im Duell mit einer Waldantilope zumindest büßte Samburu nur eines ihrer Hörner ein. Seither ist das "Einhorn", so ihr Spitzname im Volksmund, im ganzen Land berühmt und Publikumsmagnet des Nationalparks Nairobi Safari Walk.

Doch dieses Jahr haben sich nur wenige Besucher in den sieben Kilometer vor der Millionenmetropole gelegenen Park verirrt, um Samburu zu bewundern. Die Nachwirkungen der Unruhen vom Januar haben beim Tourismus tiefe Spuren hinterlassen. 1200 Menschen ließen ihr Leben, weitere 350.000 wurden vertrieben, als sich Kenias Opposition um den heutigen Ministerpräsidenten Raila Odinga gegen den Wahlsieg von Präsident Mwai Kibaki stemmte.

90 Prozent weniger Touristen

Seitdem stehen die touristischen Zentren des ostafrikanischen Landes vor dem Kollaps. Nicht nur in den 55 Naturparks bleiben die Gäste aus, auch viele sonst von Pauschaltouristen besuchte Hotels an der Küste kämpfen ums Überleben. "Wir haben einen Einbruch von 90 Prozent erlebt und müssen dringend unser Image aufpolieren, damit wir für die Wintersaison wieder zurück sind", sagt Najib Balala, der neue Tourismusminister.

"Die Probleme, die im Januar ans Tageslicht kamen, waren nicht neu, es ging um Spannungen zwischen Volksgruppen und Landverteilung", sagt Balala. "Da mussten wir wohl durch, aber jetzt ist der Heilungsprozess fast abgeschlossen." Tatsächlich ist in Kenia seit Mitte April eine Koalitionsregierung an der Macht. Das Land wird gemeinsam von Präsident Kibaki von der Gruppe der Kikuyu und Odinga von der Luo-Ethnie geführt.

Die beiden hatten sich nach einer Vermittlung des früheren Uno-Generalsekretärs Kofi Annan auf eine Teilung der Macht verständigt und versuchen nun gemeinsam, das Land aus der Krise zu führen. Vorwürfe, dass die Koalitionsregierung sich mit 40 Ministern und 52 Stellvertretern ein völlig überdimensioniertes Kabinett leistet, hört Balala nicht gern. "Es ging um den Frieden, und das war das die beste Lösung", sagt er.

2007 war das Jahr der Rekorde

Der Rückschlag für die Tourismusindustrie schmerzt. Kenia hatte letztes Jahr noch Rekorde in der Branche gefeiert. Zwei Millionen Besucher kamen, davon eine Million aus dem Ausland, und bescherten Land 550 Mio. Euro Einnahmen, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Tourismus ist neben der Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig und macht 13 Prozent des kenianischen Bruttoinlandsprodukts aus. Auch aufgrund fehlender Urlauber sind nun 15 Prozent der Kenianer arbeitslos.

Nun will Balala die Hilfe in die Hand nehmen und dafür auch die EU gewinnen. Seine Ziele sind ehrgeizig. "Wenn wir in fünf Jahren genügend Mittel zusammenbekommen, dann können wir mit dem Tourismus doppelt so viel erwirtschaften wie bisher", sagt Balala. Hilfe bekommt er vom neuen Regierungschef Odinga. Für dessen Orange Democratic Movement (ODM) sitzt Balala im Kabinett.

"Wenn Dubai jetzt zum Einkaufszentrum der Welt emporgestiegen ist, dann wird Kenia das Land für den Ökotourismus", tönt Odinga. Um an Kenias Erfolgsstory anknüpfen zu könnten, reiste Balala gar persönlich auf Werbetour durch Europa. Schließlich muss das Vertrauen der Reisenden wiedergewonnen werden, sonst hilft jede Touristenattraktion nichts.

FTD
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