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Briten zocken Malle ab: Bald keine Engländer mehr am Ballermann?

Verdorbenes Essen, unhygienisches Zimmer, schmutziger Pool: Auffällig viele Briten werden durch ihren Urlaub auf Mallorca angeblich krank und fordern Schadensersatz. Dahinter steckt eine dreiste Masche.

Ein Sangriaeimer steht am Ballermann-Strand.

Viele Mallorca-Urlauber haben am Ballermann mit Übelkeit zu kämpfen. Die Betrugsmasche der Briten hat allerdings nichts mit Alkohol zu tun.

Vor allem in der von Briten überrannten Touristenhochburg Magaluf wissen die Hotelbesitzer nicht mehr weiter. Wie die mallorquinische Zeitung Diaro de Mallorca berichtet, mussten alleine im letzten Jahr 50 Millionen Euro Schadensersatz wegen angeblicher Lebensmittelvergiftungen an britische Touristen gezahlt werden. Diese Lebensmittelvergiftungen hat es aber (zumindest größtenteils) nie gegeben.

Das Problem liegt im britischen Verbraucherrecht: Bis zu drei Jahre nach der Reise können Pauschalurlauber sich bei den Reiseagenturen über Krankheiten durch mangelnde Hygiene oder schlechtes Essen im Hotel beschweren und bekommen meistens ohne große Prüfung der Angaben Recht zugesprochen. Die Agenturen haben Verträge mit den Hotels auf Mallorca, die eine Schadensersatzzahlung in solchen Fällen regelt.

Dreiste Masche

Daraus hat sich ein lukratives Geschäft entwickelt. Britische Touristen werden auf den Straßen Mallorcas von Anwälten angesprochen. Ihnen wird erzählt, dass sie ihren Urlaub durch einen simplen Trick kostenlos genießen können. Alles, was sie dafür tun müssen: Dem Reiseveranstalter melden, dass sie krank geworden sind und in der Apotheke ein rezeptfreies Medikament gegen Magen-Darm-Beschwerden kaufen.

Teilweise gibt es sogar Beschwerdemobile, in denen man sich über die Masche informieren und sofort die Reiseagenturen kontaktieren kann. Die Anwälte kassieren dafür eine Provision und der britische Tourist bekommt seine Ausgaben für den Pauschalurlaub zurückerstattet.


So ist die Zahl der Beschwerden von 2015 auf 2016 um 700 Prozent gestiegen. Mehr als zwei Millionen Briten machen jedes Jahr Urlaub auf Mallorca. Damit ist das vereinigte Königreich hinter Deutschland die zweitwichtigste Urlauber-Nation für die Mittelmeerinsel, aber der Versicherungsbetrug stellt für die Hoteliers ein großes finanzielles Problem dar. Die Urlaubspreise für alle Gäste anzuheben, um die Verluste auszugleichen, würde Mallorca als Urlaubsziel unattraktiver machen. Angeblich überlegen einige Hotels bereits, keine britischen Gäste mehr zu beherbergen. 

Eine weniger radikale Maßnahme könnte sein, keine All-inclusive-Reisen mehr für Urlauber aus dem vereinigten Königreich anzubieten, denn wenn Essen und Trinken nicht komplett im Preis inbegriffen sind, ist es schwieriger nachzuweisen, dass man sich den Magen im Hotel verdorben hat.

Noch ist es also unklar, ob die Deutschen bald die Alleinherrschaft am genießen dürfen, oder ob die mallorquinischen Hoteliers doch noch einen Weg finden, die kranken Briten ein für alle Mal zu heilen.

stern.de

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