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Safari: Busch-Geräusche aus der Stille

Einmal allen Lärm und Stress hinter sich lassen, wer wünscht sich das nicht? Entspannen, die Ruhe genießen und dabei noch wilde Tiere beobachten. Ein Traum, der Wirklichkeit werden kann in einem der vielen Wildreservate Südafrikas.

Von Svenja Schierer

Ich habe das Auto noch nicht geparkt, da kreuzt schon eine Horde Warzenschweine meinen Weg, von rechts beäugt mich eine gut fünf Meter hohe Giraffe und undefinierbare Tierschreie künden Wildnis an. Willkommen im "Makalali Private Game Reserve", einem Wildreservat in der südafrikanischen Provinz Limpopo, knapp fünf Autostunden nordöstlich von Johannesburg. Bereits der Name "Makalali" verspricht Entspannung pur. In der Sprache der Shangaan, einer Bevölkerungsgruppe Limpopos, bedeutet Makalali "Ort der Ruhe". Ja, Ruhe werde ich hier haben – weit weg von der Zivilisation auf einem 14.000 Hektar großen Gelände mit den wilden Tieren Afrikas.

Luxus mitten im Busch

Am Parkplatz wird man bereits erwartet und zu einem der vier Camps gefahren. Jedes verfügt über sechs luxuriöse Hütten für jeweils zwei Personen mit privater Veranda, Außendusche und eigenem Pavillon, der auf Stelzen gebaut über einen Holzsteg zu erreichen ist. Die Front der Hütten kann komplett geöffnet werden, sodass sich selbst vom Bett aus ein traumhafter Blick auf das wilde Afrika bietet. Ein Fernseher ist - zum Glück - in den Zimmern nicht vorhanden.

Luxus mitten im Busch

Der Anblick meiner privaten Camp-Lodge verschlägt mir die Sprache: Luxus mitten im Nirgendwo. Die Hütte ist im afrikanischen Stil gebaut, mit Falttüren, die sich öffnen lassen, und einem Himmelbett, von dem aus man den Blick auf den Busch genießen kann. Die Außendusche treibt mich zu weiteren Freudenjuchzern. Bei 35 Grad in der Sonne im Freien zu Duschen – wer hätte das nicht gerne. Aber noch muss ich mich gedulden, da bereits die erste Pirschfahrt ansteht. Im Mittelpunkt meines Aufenthaltes stehen schließlich die wilden Tiere und nicht die Luxus-Lodge. Los geht's zu sechst im offenen Jeep mit Ranger Marnus und Fährtenleser Norman. Im Dickicht der erste Schreck: War das gerade Löwengebrüll? Oder das Trampeln einer Elefantenherde? Noch bin ich mit den besonderen Geräuschen des Busches nicht vertraut, kann sie nicht zuordnen. Doch ich spitze meine Ohren und beobachte den Busch ganz genau. Mein Ehrgeiz ist geweckt, vor Norman das erste Tier zu entdecken.

Per Funk lotsen sich die Ranger zu den Tieren

Die erste Begegnung mit wilden Tieren werde ich wohl nie vergessen. Plötzlich steht rechts von uns eine Herde Elefanten am Wegesrand. Unser Jeep rollt nur noch ein paar Meter, dann haben wir die perfekte Sicht. Da stehen sie nun, die Dickhäuter, zwei Meter vom Auto entfernt, und lassen sich nicht stören. Ganz in Ruhe kauen sie, heben nur ab und zu den Rüssel. Irgendwann fährt unser Jeep weiter, auch wenn ich mich nicht vom Anblick dieser faszinierenden Kolosse trennen möchte. Da alle Jeeps auf Pirschfahrt per Funk verbunden sind können sich die Ranger gegenseitig zu den Tieren lotsen. Rangerin Steffi hat zwei Geparde gesichtet, und wir machen uns schnell auf den Weg. Prompt trotten bereits die beiden Wildkatzen über den ausgefahrenen Pfad, dessen weicher Sand ihre Katzenpfoten schont.

Nächtliche Begegnung mit einem Dickhäuter

Zum Abschluss der ersten Pirschfahrt treffen wir einige andere Camp-Bewohner auf der kleinen rotsandigen Flugpiste des Parks und tauschen aufgeregt unsere Erlebnisse aus. Bei südafrikanischem Wein und Bier taucht die Sonne langsam hinter die Drakensberge und wir werden verschlungen von der Ruhe und Dunkelheit des Buschs. Auf einmal hört Ranger Marnus ein Geräusch – mit dem Suchscheinwerfer des Jeeps leuchtet er die Umgebung ab. Wir stehen ganz dicht an unseren Jeeps, als nur zehn Meter von uns entfernt ein ausgewachsener Elefantenbulle im Lichtkegel auftaucht. Ungerührt entschwindet er wieder in die Finsternis. Zurück im Camp wartet unter dem Kreuz des Südens eine liebevoll gedeckte Tafel. Zum Kerzenschein wird gebratenes Straußensteak an zartem Gemüse mit Zitronen-Couscous serviert. Und für den Rückweg zur Hütte erhalte ich sogar Begleitschutz von Nachtwächter Cedric. Schließlich verirren sich vereinzelte Tiere ins Camp, und wer hat schon Lust einem Löwen vor der Lodge zu begegnen?

Glück muss der Mensch haben

Am nächsten Morgen werde ich pünktlich um fünf Uhr dreißig geweckt. Schließlich geht um sechs Uhr die Sonne auf, der ideale Zeitpunkt, um Tiere zu beobachten.Von den berühmten "Big Five" - Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard - ist der Leopard besonders schwer zu finden. Doch es scheint unser Glückstag zu sein. Kurz nach dem Sonnenaufgang sichtet eine andere Gruppe ein Leoparden-Weibchen mit ihren drei Jungen in einem ausgetrockneten Flussbett. Unsere Jeeps folgen der Leoparden-Mama über Stock und Stein in das Flussbett. Offensichtlich ist die Leopardin an den Anblick der Fahrzeuge gewöhnt und lässt ihre Jungen sehr nah an die Autos heran. Während die Kleinen herumtollen, bereitet die Mutter vor unseren Augen das Frühstück: Reste eines gerissenen Warzenschweins hängen aus ihrem Maul. Sie ruft ein Kind nach dem anderen auf den Baum, wo sie die Fleischstücke auf zwei Ästen ausbreitet hat, so dass die Kleinen ungestört fressen können. Gebannt verfolgen wir die Szene 45 Minuten lang. Ich kann nicht glauben, dass dieser Moment Wirklichkeit ist, aber als die Leoparden-Mama in die Stille hinein faucht, wird mir sehr schnell bewusst, dass alles wirklich geschieht.

Trampelnde Rhinos

Unsere Fahrt geht weiter durch den erwachenden Busch. Bis auf Büffel, die auf dem Areal des Makalali nicht beheimatet sind, entdecken wir auch die anderen Tierarten der Big Five. Löwen durchstreifen in einer Vierer-Gruppe vor unserem Jeep den Busch. Eine Gruppe Nashörner versteckt sich im Dickicht. Über Zweige und kleine Hügel kommen wir noch sehr nah an die grauen Riesen heran. Wir können sie kurz beobachten, aber dann setzen sich die Rhinos wieder in Bewegung und bringen den Boden zum Vibrieren. Auch Zebras, Impala, Giraffen, Gnus, Nilpferde und Hyänen kreuzen unseren Weg bei den insgesamt sechs Pirschfahrten. Zwischen den beiden täglichen Safaris am frühen Morgen und am Nachmittag lassen wir uns von der Köchin des Camps mit afrikanischen Leckereien verwöhnen. Zum Relaxen lege ich mich in der Mittagshitze in den Pool und genieße die Stille um mich herum. Ein kleines Impala schaut vorbei und beobachtet mich beim Schwimmen.Die unglaublichen Momente mit den wilden Tieren habe ich auf Fotos und im Gedächtnis festgehalten. Zurück in der Zivilisation bleiben mir die Erinnerungen an das wilde Afrika und die Gewissheit, dass ich eines Tages zurückkehren werde – in die Stille Afrikas.

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