Whale-Watching Alles im Blick


In Südafrikas Walker Bay tummeln sich jedes Jahr Tausende von Walen. Man kann die Meeressäuger vom Ufer und von Booten aus beobachten. Höhepunkt aber ist eine Whale-Watching-Tour mit dem Flugzeug.
Von Helge Bendl

Das weiße Hemd hat er wahrscheinlich speziell für den Besucher aus Deutschland angezogen, denn es passt so gar nicht zu ihm. Dave ist ein Buschpilot, und glücklicherweise erzählt er erst nach dem Flug, auf welch wirklich abenteuerlichen Pisten er schon im afrikanischen Outback gelandet ist. Heute aber steht eine ganz ungefährliche Exkursion auf Wolke Sieben auf dem Flugplan: Dave startet mit seiner Cessna zu einer Whale-Watching-Tour der besonderen Art.

Unter einem liegen die kilometerlangen weißen Sandstrände der Walker Bay, zwei Stunden Autofahrt entfernt von Kapstadt. Dann kommen die Klippen, an die sich die wogende See wirft, so dass der Wind die Gischt bis zu den Häusern trägt. Das Meer ist hier nicht unbedingt ruhig, was man bald merkt, wenn man mit einem Boot auf Walbeobachtung fährt. 300 Meter Abstand müssen die Schiffchen halten, wenn sie auf einen Wal treffen - nur neun Firmen haben die Lizenz, näher heranzufahren. Doch dafür muss man die Tiere erst einmal finden.

Nach dem Harpunieren treiben die Wale auf dem Wasser

Dieses Problem hat Dave nicht. Mit seiner Cessna schwebt er ruhig über dem aufgewühlten Meer und hält Ausschau. Eine Schule von Delfinen springt über die Wellen, weiter hinten sieht man Dyer Island, wo 60000 Robben übereinander liegen wie Mikado-Stäbchen - nur dass sie ein klein wenig dicker sind.

Mit dem Fernglas kann man sogar die Pinguine erkennen, die hier brüten, und riesige Schwärme von Kormoranen, die in der Sonne ihre Flügel trocknen. Dann ruft Dave plötzlich aufgeregt: "Vorne rechts ist eine ganze Walfamilie!" Er reduziert die Geschwindigkeit, lässt die Maschine ein wenig tiefer sinken, und zieht langsam an den riesigen Tieren vorbei, die es sich im Wasser gut gehen lassen: Ein wuchtiges Männchen, seine Partnerin und ein offenbar noch recht junges Kalb.

In "Moby Dick" hat Herman Melville Walfänger plastisch beschrieben wie kaum ein anderer Schriftsteller vor ihm: "Drum lustig drauf los, Jungs, die Herzen wie Stahl, und kühn, Harpunier, triff den grimmigen Wal." Sie waren auch hier vor der Küste Südafrikas zugange, die amerikanischen Walfänger von der Insel Nantucket, weil hier viele Monate lang so viele der "richtigen" Wale Station machten. "Southern Right Wales" nannten die Seeleute die bis zu 40 Tonnen schweren Meeressäuger - weil die Tiere nämlich nach dem Harpunieren auf dem Wasser schwammen und nicht untergingen.

Diese Tatsache brachte so viele der Riesen um ihr Leben, dass sie fast ausgerottet wurden. Doch der Bestand erholt sich langsam: In der vergangenen Walsaison, die meist von Juli bis Dezember andauert, wurden 2000 Tiere in der Walker Bay gesichtet - so viele wie seit 150 Jahren nicht mehr.

Zwei Dutzend Tiere sichtet Pilot Dave bei seinem Rundflug - die einen schwimmen vor dem kleinen Örtchen Hermanus, der selbst ernannten Wal-Hauptstadt der Welt, andere springen in der Bucht vor Gansbaai aus dem Wasser. "Man hat wirklich das Gefühl, dass ihnen das Spaß macht", schmunzelt der Pilot, bevor er abdreht, über eine Bergkuppe hüpft und seinen Flieger schließlich sicher auf der Landepiste zum Stehen bringt.

Er muss gleich weiter, und auch die Passagiere haben es eilig: Vom Flugzeug aus haben sie gesehen, dass ein Wal-Pärchen ganz nahe an der Küste entlang schwimmt. Und wirklich: Eine halbe Stunde später ziehen die Tiere in Rufweite an den Klippen vorbei.


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