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"Gesundheitsurlaub" Impfdosis inklusive: Reiseveranstalter wirbt mit Impfreisen ins Ausland

Reiseveranstalter will ab Ende März Impfreisen anbieten.
Reiseveranstalter will ab Ende März Impfreisen anbieten (Symbolbild)
© IPA/ABACA / Picture Alliance
Viele sehnen sich gerade nach Sommer, Sonne und Sandstrände. Ein Reiseveranstalter aus Hamburg möchte das den Urlaubern ermöglichen und die Reise mit einer Corona-Impfung verbinden. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat für die Idee nicht viel übrig. 

Dieser Beitrag erschien zuerst an dieser Stelle auf RTL.de

Eine Reise nach Israel oder auf die Seychellen – das klingt in Corona-Zeiten für viele Touristen ebenso verlockend wie unrealistisch. Ein Reiseanbieter aus Hamburg will ab Ende März nicht nur den Urlaub ermöglichen, sondern will ihn direkt mit einer Corona-Impfung verbinden.

"Als Europas führender Anbieter von Gesundheits- und Wellnessreisen erarbeiten wir mit unseren Hotelpartnern aktuell Konzepte, wie Sie, während einer Reise mit uns, eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten können. Diese findet im Rahmen eines Gesundheitsurlaubs bei einem fachkundigen Arzt statt." So beschreibt der Reiseveranstalter die Idee auf seiner Webseite. Ziel sei es, dass möglichst bald möglichst viele Menschen geschützt seien. Für die ersten Impftouristen könne es schon in Ende März losgehen.

Der Anbieter nennt die Reisen "Erholungs- und Gesundheitsurlaube", in der Regel sollen sie drei bis vier Wochen dauern. In dieser Zeit würden die Touristen dann seiner Idee nach in Ländern wie Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder auf den Seychellen bei Ärzten geimpft.

Veranstalter: Reisende nehmen der örtlichen Bevölkerungen nicht die Impfungen weg

Der Bevölkerung in den Zielländern nehme man damit nicht die Impfung weg, so der Anbieter. Die Möglichkeit einer Impfung bestehe erst, wenn die Menschen vor Ort weitestgehend geimpft seien. Man sei mit verschiedenen Ländern in Kontakt, die mit den Impfungen bereits sehr weit seien. "Es ist uns sehr wichtig, dass niemand einen Nachteil erleidet, der von den lokalen Regelungen bevorzugt werden würde."

Einen genauen Preis nennt der Reiseveranstalter auf seiner Webseite noch nicht – man gehe von 2.000 bis 3.000 Euro aus, die Kosten für die Impfung kämen noch hinzu.

Lauterbach kritisiert die Idee von Impfreisen: "unethisches Geschäftsmodell"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnet gegenüber dem WDR die Idee von Impfreisen als "unethisches Geschäftsmodell" und führt hypothetisch an: "Selbst wenn beispielsweise in Israel alle Einheimischen geimpft wären, dann müsste das zur Verfügung stehende Restmaterial an Impfstoff dort ausgegeben werden, wo es am nötigsten gebraucht wird und nicht bei denjenigen, die sich eine solche Reise leisten können." Die übrigen Impfstoffe sollten stattdessen bedürftigen, ärmeren Ländern zur Verfügung gestellt werden. Die Israelische Botschaft wies diese Kritik jedoch von sich, da das Land bei den Plänen so gar nicht mitmachen will.

Idee der Impfreisen sorgt offenbar für Konflikte

Laut Veranstalter sei man mit verschiedenen Ländern in Gesprächen. Aus der Botschaft Israels in Berlin beispielsweise konnte RTL hingegen die Information erhalten, dass dieses Gedankenmodell so in Israel nicht der Realität entsprechen werde.

Noch ist also nicht überall geklärt, wie und ob es zu Auslandsreisen mit dem Gimmick einer Corona-Impfung kommen wird.

RTL.de

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