Angst im Urlaub Wie sicher ist mein Kind im Ferienclub?


Seit der Entführung der 4-jährigen Maddie stellen sich viele Eltern die Frage, ob sie ihre Kinder in den Ferien überhaupt noch aus den Augen lassen können. Dabei ist persönlicher Freiraum auch für Kinder lebensnotwendig.
Von Stefanie Hellge

Am 21. Juni beginnt in Deutschland die Ferienzeit. Doch viele Familien sehen ihrem Jahresurlaub in einer der vielen Ferienanlagen Europas mit gemischten Gefühlen entgegen: Sie haben Angst um das Wohl ihrer Kinder. Der Fall der entführten Madeleine McCann löst in einigen Elternköpfen fiese Angstfantasien aus, manche Mütter vermeiden das Lesen von weiteren Zeitungsberichten über den Fall, weil sie es schlichtweg nicht ertragen. Die eine Frage, die sich sicher auch die Eltern des entführten Mädchens immer wieder gestellt haben, lautet: Wäre die Entführung vermeidbar gewesen?

In Internetforen wird diese Frage sehr kontrovers diskutiert, der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes Volker Hinkel ist jedoch überzeugt, dass Maddys Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt haben. Fakt ist: Eine Entführung aus einem Hotelzimmer in einer bewachten Ferienanlage ist ein absoluter Ausnahmefall. Davor können selbst die strengsten Sicherheitsmaßnahmen nicht schützen. "Eine 100prozentige Sicherheit gibt es nirgendwo auf der Welt. Wir können ja keine Mauern um die Anlagen bauen, schon weil die Gäste nicht das Gefühl haben wollen, Urlaub im Hochsicherheitstrakt zu machen", so Anja Braun von der TUI Unternehmenskommunkation.

Immer ein Auge auf den Nachwuchs

Manche Eltern haben nun vor, ihre Kinder während des kompletten Urlaubs nicht aus den Augen zu lassen. Eine absurde Idee. Sicher, für Kinder unter sechs Jahren ist das wohl angebracht, aber Schulkinder brauchen auch ein gewisses Maß an persönlicher Freiheit, um zu selbstbewussten Menschen zu werden, die ohne Angst durchs Leben gehen. Beim Durchstromern der Ferienanlage oder beim Krebsefangen am Strand sind Eltern nicht immer eine willkommene Begleitung. Die Qualität eines Urlaubs bemisst sich für Kinder auch an den in Eigenregie erlebten Abenteuern.

Also: Lassen Sie Ihre Kinder ruhig auch mal allein etwas unternehmen. Solange Sie informiert sind, wo sich ihre Kinder gerade aufhalten und vor allem: mit wem, können und müssen Sie ihnen diesen persönlichen Freiraum lassen.

Hilfreiche Informationen

Die folgenden Tipps formulierte Professor Adolf Gallwitz, Kriminalpsychologe an der Polizeifachhochschule Villingen-Schwenningen, für die Kinderschutzfibel der Elterninitiative Vermisste-Kinder. Sie sollen Straftaten verhindern und Verbrechen vorbeugen. Die komplette Broschüre steht auf der Seite www.vermisste-kinder.de zum Download bereit.

Für Eltern

Wir machen unseren Kindern die Umgebung vertraut, geben Ihnen Orientierung, zeigen gute und schlechte Plätze.

Wir spielen mit unseren Kindern "Was tun wenn"-Spiele.

Wir legen in der Familie Wert auf Offenheit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

Wir sprechen über Dinge wie sie sind, z.B. über sexualität, Missbrauch, Gefahren, Missverständnisse, Täter, Situationen.

Für Kinder

Halte dich möglichst immer dort auf, wo auch andere Menschen sind.

Du gehst immer die gleichen Wege in die Schule oder zu Freunden.

Du kannst "Hilfe" schreien, Hilfe holen oder weglaufen.

Wenn dich jemand anspricht, wenn dir etwas auffällt, wenn du etwas erlebst, erzählst du es deinen Eltern.

Schäme dich nie dafür, Angst zu haben. Deine Angst kann Dein Leben retten!

Du unterhälst dich nicht mit Fremden und steigst nicht zu ihnen ins Auto!

Fremde sind alle Menschen, die deine Eltern nicht kennen.

Wer deinen Namen oder den Namen deiner Eltern kennt, ist immer noch ein Fremder.

Du bestimmst, wer deinen Körper anfassen darf!

Wenn du dich unwohl fühlst, wenn du Angst hast, hast du das Recht "Nein" zu sagen.


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