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Mobiles Reisen Camping: Die große Lust am Ausstieg auf Zeit

Historisches Gespann: ein Wohnwagen vom Typ Knospe K von Austermann, Baujahr 1962, mit einem VW Käfer Cabrio
Historisches Gespann: ein Wohnwagen vom Typ Knospe K von Austermann, Baujahr 1962, mit einem VW Käfer Cabrio
© Judith Michaelis / Picture Alliance
"Einfach mal raus!" – so lautet das Camping-Motto, das in Zeiten der Pandemie noch mehr an Popularität gewonnen hat. Mobiles Reisen ist nicht nur ein Freizeitvergnügen für Frischluftfans, es verspricht auch ein Stück Freiheit für jedermann.
Von Gerd Blank

Die Lust auf Abenteuer und zeitlich begrenzte Flucht aus dem Alltag lockt immer mehr Neu-Camper an, die ihren Reisetraum ganz individuell erfüllen wollen. Doch was versteht man eigentlich unter Camping? Was gehört dazu? Was nicht? Diese Fragen mögen auf den ersten Blick ein wenig müßig erscheinen, denn wenn der Begriff auftaucht, hat wohl jeder bereits ein Bild im Kopf.

Doch diese Vorstellungen können ganz unterschiedlich aussehen, je nach Vorliebe und Camper-Typ. Für die einen ist Camping ein spartanischer Ausflug mit dem Zelt, für die anderen ein erholsamer Urlaub im gut ausgestatteten Wohnmobil. Die Palette reicht vom Wohnwagen auf einem Dauerstellplatz bis zur Übernachtung im Schlafsack unter freiem Himmel oder im selbst umgebauten Lieferwagen, in dem das ganz persönliche "Vanlife" zelebriert wird.

Viele Camper sind auf der Suche nach Einsamkeit, andere lieben es, auf Reisen Gleichgesinnte zu treffen. Es gibt solche, die am liebsten jeden Tag an einem neuen Ort sind, während sich andere wochenlang an ein und demselben Platz einrichten. Doch ganz gleich, wie individuell die Bedürfnisse auch sind, die Leidenschaft für Outdoor-Abenteuer eint alle Camper. Sie müssen nicht mehr davon überzeugt werden, Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Das versteht sich von selbst! Bei Campern steht daher Nachhaltigkeit ganz selbstverständlich auf der Agenda. Und da man schon beim Packen aufs Gewicht achten muss, geht man sorgsam mit Vorräten um und versucht schon allein aus praktischen Gründen, Müll zu vermeiden.

Minimalistisches Zelten in den Bergen
Minimalistisches Zelten in den Bergen
© Till Bartels

Der Mensch ist ein Nomade

Das Campen liegt der menschlichen Spezies offenbar im Blut, und bei genauerem Hinsehen wird klar, dass das mobile Übernachten von jeher untrennbar mit der Entwicklung der Zivilisation verknüpft war. Ganze Völker zogen in Clans umher, um neue Orte für Siedlungen zu erschließen. So eroberten sie Kontinent um Kontinent, auf längeren Routen wurde in Zelten genächtigt. Die ersten Behelfsbehausungen boten Schutz vor der Witterung und waren leicht zu transportieren. Auch für militärische Zwecke wurden Zelte genutzt. Sie waren schon vor Tausenden Jahren fester Bestandteil der Ausrüstung von Soldaten, die damit in geschützten Lagern kampierten.

Mobiles Reisen: Camping: Die große Lust am Ausstieg auf Zeit

Doch auch wenn Mobilität schon von Beginn an eng mit der menschlichen Existenz verknüpft war, hat sie sich als Urlaubsform und Art der Freizeitgestaltung erst Anfang des 20. Jahrhunderts durchgesetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten vielerorts auch normale Arbeitnehmer endlich gesetzlichen Anspruch auf Urlaub, und so konnte man es sich erstmals leisten, in die Ferien zu fahren – und sei es auch nur für ein paar Tage. Die sogenannte Wanderbewegung erlebte einen Höhepunkt. Reisen musste jedoch meist kostengünstig gestaltet werden, geschlafen wurde daher im Zelt

Vom Zelt in den Wagen

In Großbritannien kamen die ersten Reisewagen bereits Ende des 19. Jahrhunderts auf, anfangs wurden sie noch von Pferden gezogen. Vorbilder für diese Freizeitanhänger waren Planwagen oder Zirkuswagen, die vom fahrenden Volk genutzt wurden, oder luxuriös ausgebaute Kutschen für Aristokraten, wie sie beispielsweise von Napoleon auf seinen Feldzügen genutzt wurden. Der erste deutsche Wohnwagen wurde 1931 von Arist Dethleffs gebaut und bildete den Grundstein für die heute noch erfolgreiche gleichnamige Caravan-Marke. Die Ausstattung der Wagen wurde im Laufe der Jahrzehnte immer besser, Bezeichnungen wie "Stoffvilla" oder "Haus am Haken" setzten sich durch.

Der Klassiker: ein VW Bulli  vom Typ T1 mit kurzem Hubdach
Der Klassiker: ein VW Bulli  vom Typ T1 mit kurzem Hubdach
© Hauke-Christian Dittrich / Picture Alliance

Das mobile Freizeitvergnügen wurde schnell beliebter – so sehr, dass sich eine ganze Campingindustrie herausbildete. Der ständig steigende Bedarf an Ausrüstung musste schließlich gedeckt werden. Das Jahr 1950 sorgte für eine der wichtigsten Entwicklungen in der modernen Campinggeschichte: Die Autobauer von Volkswagen brachten den Transporter "T1" auf die Straße, die Blaupause für den heutigen Campervan – und die Firma Westfalia verkaufte eigens für diesen Wagen eine Camping-Box mit allem, was für einen kurzen Ausflug in die Natur benötigt wurde. In den folgenden Jahren entwickelten die beiden Unternehmen in enger Zusammenarbeit Sondermodelle mit Schlafplätzen.

Der "Bulli" – wohl eine Wortschöpfung aus den Begriffen Bus und Lieferwagen – wurde zum Inbegriff des Campings im Auto. Der Prototyp für das "Vanlife" war geboren, Jahrzehnte, bevor dieser Begriff zum ersten Mal die Runde machte. Als einer der ersten Hersteller baute Hymer 1961 – noch komplett in Handarbeit – ein Wohnmobil, den "Caravano". Andere Unternehmen folgten dem Trend, die Reisemobile eroberten die Straßen.

Camping für alle – eine Bewegung wird zum Trend

Aber ob nun Zelten im Grünen oder Caravaning im Hightech-Mobil – über allen Konzepten prangt heute der Begriff "Camping". So unterschiedlich die individuellen Vorlieben und persönlichen Outdoor-Wünsche auch sein mögen – alle Camper suchen das naturnahe Erlebnis und die Freiheit, die sie im Alltag vermissen. Und von Jahr zu Jahr werden es mehr! Das statistische Bundesamt hat ermittelt, dass aktuell mehr als 10 Millionen Deutsche ab und zu campen, 2 Millionen sogar häufiger. Besonders oft verbringen sie den Urlaub in Deutschland. Entsprechend groß ist hier das Angebot an Plätzen: Rund 3000 Campingplätze mit mehr als 225.000 Stellplätzen gibt es im ganzen Land.

Und auch wenn man nach wie vor sehr günstig mit Zelt und Isomatte unterwegs sein kann, wird das mobile Reisen häufig zum teuren Vergnügen – besonders, wenn man mit einem eigenen Wagen oder Anhänger unterwegs ist. Auf Reisen geben Camper aus Deutschland pro Kopf und Tag durchschnittlich rund 50 Euro aus. Allein 2019 gaben sie 5,3 Mrd. Euro für Übernachtungen, Gastronomie oder Ähnliches aus, für Ausrüstung und Fahrzeuge kamen 3,6 Mrd. dazu, und die Fahrtkosten schlugen noch einmal mit 4,3 Mrd. Euro zu Buche. Für einen neuen Wohnwagen oder ein Wohnmobil werden gerne fünfstellige Beträge bezahlt. Und nach oben gibt es – je nach Ausstattung, Qualität und Leistung – kaum Grenzen. Manchmal ist es daher günstiger, sich sein Traumgefährt selbst auszubauen – oder erst mal mit Zelt, Isomatte und Schlafsack loszulegen.

Der Einstieg zum Ausstieg auf Zeit leicht gemacht

Camping ist mehr als nur ein Trend, es ist ein Lebenskonzept – und das Schöne daran ist, dass sich jeder seine individuelle Variante selbst zusammenstellen kann. Bei der Ausgestaltung der eigenen Campingliebe gibt es keinen Königsweg. Dennoch tauchen in jedem Camper-Leben immer wieder ähnliche Fragen auf, und beratende Unterstützung kann bekanntlich Wege verkürzen.

"Die Camping" Bibel" will den Einstieg ins Campingabenteuer so bequem wie möglich machen. Anfänger erhalten in diesem Buch eine Vorstellung davon, was überhaupt möglich ist und worauf man bei den ersten Schritten achten sollte. Erfahrene Profis bekommen wiederum Anregungen für ihren nächsten Urlaub oder Kauf.

Auf den mehr als 350 Seiten geht es um die unterschiedlichen Campingkonzepte und Fahrzeugtypen. Hinzu kommen Tipps und Ideen für die Routenplanung, Regeln, Rechte und Pflichten: Es wird gepackt, erklärt, beraten und gekocht, und auch für den Spaß während der Fahrt wird gesorgt. Ob Einsteiger oder Umsteiger: "Die Camping-Bibel" hilft beim Ausstieg auf Zeit, sie dient sowohl als Anleitung als auch zur Inspiration. Aber vor allem will sie angesichts einer ungeheuren Vielfalt an Möglichkeiten eine Einladung zum mobilen Reisen sein.

Aus: "Die Camping Bibel - Antworten auf alle Fragen rund ums Camping" von Gerd Blank. Erschienen bei Gräfe und Unzer, 352 Seiten, Preis 25 Euro

Dieser Artikel enthält sogenannte Affiliate-Links. Mehr Informationen dazu gibt es hier.


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