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Digitale Dolmetscher: Ich sag's mal anders

Urlaub in fremden Ländern ist aufregend, bis man etwas in unbekannten Sprachen sagen muss. Dann helfen nur Wörterbücher - oder digitale Übersetzungshilfen.

Von Mauritius Much

Immer wenn ein langmähniger Klingone spricht, versteht Captain Kirk nur Kauderwelsch.

Deshalb hat er ein praktisches Hilfsmittel an Bord des Raumschiffs "Enterprise": den Universalübersetzer, ein stabähnliches Gerät, das in Sekundenschnelle die Originalstimme des Klingonen erfasst und in eine für Kirk verständliche Sprache umwandelt.

Man muss nicht "Star Trek"-Fan sein, um neidisch auf den Universalübersetzer zu sein. Es reicht vollkommen aus, sich in einem fremden Land zu verlaufen, ohne jemanden zu finden, der Englisch oder gar Deutsch spricht.

Ein Übersetzer für alle Sprachen des Universums ist noch nicht im Handel, aber es gibt eine Reihe von Geräten, die Urlaubern in sprachlichen Notsituationen zur Seite stehen.

Traveller SC

In der Altstadt von Konya, 200 Kilometer südlich von Ankara tummeln sich viele Studenten, aber wenig Touristen. Mit Englisch kommt man hier nicht weit. Wer auf dem Basar einen stadttypischen pastellfarbenen Teppich mit Blumenmustern kaufen will, könnte einen Traveller SC gut gebrauchen. Man tippt schnell "Ist der auch aus Wolle?" ein, das Gerät übersetzt die Frage und zeigt sie im Display auf Türkisch an.

Der Teppichhändler liest sie und tippt entrüstet die Bestätigung ein, und man kann die Preisverhandlungen beginnen, bei denen der Traveller türkische Lira in Euro umrechnet. Je nach Geräteversion übersetzt er auch ins Griechische, Finnische oder Norwegische.

Franklin TGA-490

Höflicher als der Traveller ist ein Gerät, das die Frage nicht schriftlich, sondern gesprochen an den Muttersprachler richtet. Solch ein sprechender Sprachcomputer ist der Franklin TGA-490. Er übersetzt in die meisten europäischen Sprachen, außerdem in Mandarin-Chinesisch, Russisch und Koreanisch. Das Gerät passt gut ins Handschuhfach des Mietwagens, wenn man zum Beispiel durch die argentinische Pampa in Richtung Patagonien fährt.

Droht dabei der Sprit auszugehen, tippt man die Frage nach der nächsten Tankstelle ein und hält das Gerät dem nächsten Passanten vor, der die Frage auf Spanisch vorgesprochen bekommt. Aber die Argentinier müssen sich konzentrieren, um alles zu verstehen. Die spanische Computerstimme klingt etwa so blechern wie die Dame, die einem eine SMS vorliest, wenn man sie auf sein Festnetztelefon bekommen hat.

Travel Speechguard 7 B3

Nach vier Tagen in einer fremden Stadt wird es jedem peinlich, noch kein Wort in der Landessprache zu sprechen. Im Restaurant auf der Moskauer Flaniermeile Kusnezki Most etwa würde man hilflos auf das gewählte Gericht deuten, dem Ober unsicher in die Augen blicken und ihm mit der Anzahl erhobener Finger signalisieren, wie oft er dieses Gericht bringen soll.

Dann doch lieber den Travel Speechguard 7 B3 mitnehmen. Das Gerät erkennt handschriftliche Eingaben und übersetzt sie in ähnlich viele Sprachen wie der Franklin und spricht die Übersetzung auch mit gleichsam ungelenker Computerstimme aus. Dann erfährt der Ober direkt auf Russisch, was man bestellen möchte. Allerdings sollten Beilagen, Getränke und Extras sofort mitgeordert werden. Bei Nachfragen wird's schwierig - der Speechguard versteht kein Russisch.

iTravl NTL-9C

Mit der Antwort der Einheimischen hat der große Bruder des Speechguards, der iTravl NTL-9C, kein Problem. Das ist vorteilhaft, wenn sich beispielsweise der Reisepartner ständig übergibt, weil er die gebratenen Nudeln eines Straßenhändlers in der alten chinesischen Hauptstadt Nanjing nicht verträgt. Einfach den iTravl in die Hand nehmen, sich vor einen Pulk Chinesen stellen und auf Englisch nach einem Arzt rufen. Nach ein paar Sekunden kommt der Hilferuf in bestem Mandarin aus dem Lautsprecher.

Muttersprachler haben die wichtigsten Wörter und Sätze für verschiedene Reisesituationen eingesprochen. Sogar der Rückkanal funktioniert: Wenn ein Einheimischer hilfsbereit in das Gerät hineinspricht, wird Augenblicke später eine Englisch sprechende Stimme aus dem iTravl verkünden, dass der Chinese beide mit seiner Rikscha ins Krankenhaus fahren wird.

Phraselator P2

Der iTravl kommt dem Universalübersetzer aus "Star Trek" am nächsten, weil er dem Einheimischen erlaubt, in seiner Sprache zu antworten. Allerdings funktioniert er außer in China nur in den gängigsten europäischen Sprachen.

Wer aber plant, sich mehrere Monate von Marokko über Nordafrika, den Nahen und Mittleren Osten bis nach Indien, Indonesien und auf die Philippinen durchzuschlagen, sollte sich einen Phraselator P2 leisten. Das US-Militär setzt das Gerät bis heute in Afghanistan und dem Irak ein, wenn es sich mit der Bevölkerung auf Paschtu oder Arabisch verständigen will. Muttersprachler haben Wörter und Phrasen aus weiteren 36 Sprachen eingesprochen.

Sucht man etwa seit zwei Stunden vergeblich die Strandpromenade von Sri Lankas Hauptstadt Colombo, dann sollte man die Frage nach dem richtigen Weg so auf Englisch formulieren, dass der Einheimische für die Antwort nur mit dem Kopf nicken oder in eine andere Richtung deuten muss. Denn der Muttersprachler hört die Frage auf Sinhala, kann aber nicht in den Phraselator antworten. Dafür kann man dem Gerät selbst so viele Wörter beibringen, wie man möchte.

Ein Muttersprachler muss ein Wort auf Sinhala hineinsprechen und danach auf Englisch erklären, was es bedeutet. Alles was man dazu braucht, ist ein Singhalese, der gerade viel Zeit hat.

FTD
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