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Gratisflüge durch Rabattaktion: Mit Billig-Pudding zum Meilen-Millionär

Wer rechnet, kann auch große Firmen austricksen. David Philipps raffte mit Puddingbechern einen riesigen Schatz an Flugmeilen zusammen. Paradox: Trotz zahlreicher Flüge wächst sein Meilenkonto.

Flugmeilen sind ein Traum: Mit ihnen kann man umsonst fliegen, Hotelzimmer und Mietwagen buchen. Meistens muss man sich die Meilen mühsam mit seinen Flügen zusammenhamstern, erst nach ein paar Jahren hat man sich einen Umsonst-Flug mit dem Partner verdient.

Der König der Umsonstflieger, David Philipps, hat eine Abkürzung zu den begehrten Freiflugmeilen entdeckt. Der Hochschullehrer hat in kurzer Zeit über eine Million Meilen gesammelt. Die meisten Glückspilze verlieren ihren Gewinn schnell wieder. Nicht so David Philipps. Seinen Meilencoup landete er schon vor Jahren, aber seitdem hat sein Meilenstand niemals abgenommen. Im Gegenteil, vor Kurzem verkündete er neue Höchststände. Inzwischen hat er nämlich vier Millionen Freimeilen gehortet.

Und das ging so: David Philipps beobachtet die Details im Leben und hat einen Hang dazu, alle Dinge schnell durchzukalkulieren. Seine große Stunde kam, als die Marke "Healthy Choice" Rabattmeilen für ihre Produkte auslobte. Wer zehn Barcodes einsandte, sollte 500 Flugmeilen erhalten, wer sich beeilte und schnell zuschlug, erhielt einen Bonus von weiteren 500 Meilen. Die meisten Kunden beachten so ein Angebot nicht besonders. Doch Philipps rechnete nach: Ein Pudding - das billigste Produkt von "Healthy Choice" - kostete damals 25 Cent im Angebot einer Supermarktkette, für 2,50 Dollar würde er also 1000 Meilen erhalten. Ein Superinvestment, dachte sich der sparsame Philipps.

Steuergutschrift eingefordert

Sofort kaufte Philipps alle Puddings auf, die er bekommen konnte. 3000 Dollar kostete ihn der Pudding-Hort, der Wert der Flugmeilen betrug in etwa 150.000 Dollar.

Was für ein Pfennigfuchser Philipps wirklich ist, zeigte sich erst nach dem Puddingkauf. Seine Familie hatte nämlich große Schwierigkeiten, all die Barcodes von den Puddinggläsern zu lösen. Frau und Kinder bekamen Blasen an den Fingern und drohten zu meutern. Eine Rebellion konnte sich Philipps jedoch nicht leisten, die Codes mussten schnell abgelöst werden, sonst hätte er den zusätzlichen Bonus von 500 Meilen verloren. Was also tun?

Philipps spendete den Puddingberg an die Heilsarmee, mit der Auflage, ihm die Codes wieder zurückzugeben. Die milde Gabe ließ er sich auch noch als Spende quittieren, damit er die Puddingkosten von der Steuer absetzen konnte. Die Rückzahlung vom Finanzamt: 800 Dollar. Für Kosten von nur 2200 Dollar netto erhielt er am Ende 1.280.000 Flugmeilen. Das wiederum brachte ihm sofort den Status "American Airlines AAdvantage Gold club" ein, der mit lebenslangen Vergünstigungen für ihn und seine Familie verbunden ist.

Das ist bereits ein paar Jahre her. Absurderweise kann Philipps seinen Meilenschatz trotz vieler Flüge gar nicht verringern. Weil er konsequent seine Sonderkonditionen nutzt, vermehren sich die Meilen beim Fliegen sogar noch. Das liegt nicht zuletzt an seinem Status als Superflieger. Hier bewahrheitet sich der Satz: "Wer hat, dem wird gegeben." Inzwischen enthält seine Konto über vier Millionen Meilen und wächst weiter.

Gernot Kramper
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