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Autofreie Stadt Tempo 32 für Autos – London drückt auf die Bremse

Autofahren soll langsamer werden, Radfahren sicherer.
Autofahren soll langsamer werden, Radfahren sicherer.
© Artur Widak / Picture Alliance
20 Meilen sind genug, sagt Londons Bürgermeister Sadiq Khan, und verhängt ein Tempolimit auf Durchgangsstraßen. Erklärtes Ziel ist es, Autos aus der City zu drängen.

Wer im Zentrum von London mit dem Auto fahren will, muss schon jetzt eine Maut von 11,50 Pfund entrichten. Nun macht der Bürgermeister Sadiq Khan den Kfz-Verkehr noch unattraktiver und reduziert das Tempo auf 20 Meilen die Stunde, das sind etwa 32 km/h. Die neue Regelung gilt zunächst nur für die Hauptstraßen in der Mautzone, die von der "Transport for London"-Behörde verwaltet werden. Es ist aber anzunehmen, dass sich auch die Londoner Bezirke der Initiative anschließen werden und weitere Durchgangsstraßen, die in ihrer Hoheit liegen mit dem Tempolimit versehen. Transport of London (TFL) will das neue Limit außerdem auf weiteren 100 Kilometern außerhalb der Mautzone einführen.

Sadiq Khan sagte zu der Maßnahme: "Ich bin entschlossen, alles zu tun, um die Zeit der Todesopfer und auch der Schwerverletzten auf Londons Straßen zu beenden, und diese neuen Schritte sind eine wesentliche Maßnahme."

Gleichzeitig soll es die Geschwindigkeitsreduktion attraktiver machen, zu Fuß zu gehen oder ein Fahrrad zu benutzen. Bei etwa 37 Prozent der Schwerverletzten und Toten im Londoner Verkehr spielte die Geschwindigkeit eine maßgebliche Rolle. In den Jahren 2016, 2017 und 2018 wurden 131 Personen bei Unfällen, die auf hohe Geschwindigkeit zurückzuführen sei, in der Hauptstadt getötet und 2256 wurden schwer verletzt.

Ziel ist es, das Auto zurückzudrängen

Es bleibt aber nicht nur bei Schildern mit dem neuen Tempolimit. Die Straßenführungen werden angepasst und Fußgängerüberwege werden leicht erhöht, sodass die Fahrzeuge abbremsen müssen, wenn sie den Überweg passieren. Eine spezielle "Speed Enforcement Group" soll das Limit rigoros durchsetzen. Andy Cox, von der Metropolitan Police, sagte: "Sicheres Verhalten im Verkehr ist entscheidend für die Verwirklichung der Vision Zero, und es ist wichtig, dass alle, die auf unseren Straßen fahren, die Verordnung über Geschwindigkeitsbeschränkungen einhalten. Wir werden proaktiv gegen schnelle und rücksichtlose Fahrzeugführer vorgehen.

Welche Auswirkungen das neue Limit haben wird, ist schwer abzuschätzen. Tagsüber liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit von Kraftfahrzeugen in der Innenstadt von London schon jetzt bei nur 10 km/h pro Stunde.

Das Londoner Programm von Sadiq Khan reiht sich in eine ganze Reihe von Maßnahmen in Europas Städten ein. Die Großstädte in Skandinavien haben zuerst begonnen, den Verkehr für Nicht-Autofahrer sicherer zu machen. Städte wie Oslo und Helsinki haben daher heute schon die Vision von Null Verkehrstoten beinahe realisiert. Ihr Beispiel setzt andere Kommunen unter Druck. In Barcelona sollen die Autos ganz aus der Innenstadt verschwinden, in Paris dreht sich der Wahlkampf um die Frage, wie sehr das Kraftfahrzeug zurückgedrängt werden soll.

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