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Noro-Virus: Eine Königin hat das große Kotzen

Jetzt hat es auch die "Queen Elizabeth 2" erwischt: Auf dem alt-ehrwürdigen Kreuzfahrtschiff ist das Noro-Virus ausgebrochen. Die Magen-Darm-Erkrankung, die Durchfall und Erbrechen verursacht, wütet besonders gerne an Bord.

Mehr als 300 Menschen an Bord der "Queen Elizabeth 2" sind in den vergangenen Tagen vermutlich am auf Kreuzfahrtschiffen berüchtigten Noro-Virus erkrankt. Wie die US-Gesundheitsbehörden mitteilten, hätten 276 der insgesamt 1652 Passagiere sowie 28 Crewmitglieder des weltbekannten Luxusdampfers in den vergangenen Tagen unter den Symptomen gelitten. Mitarbeiter der US-Gesundheitsbehörden waren am Freitag in Mexiko an Bord des Schiffes gegangen, um die Krankheitsfälle zu untersuchen. Mittlerweile hat die "Queen Elizabeth 2" vor San Francisco angelegt. Die Besatzung habe die Säuberungen und Desinfizierungen an Bord verstärkt. Ein Sprecher der Cunard Line, der das Schiff gehört, teilte der Nachrichtenagentur Reuters mit, alle bis auf sechs der Erkrankten hätten sich bereits wieder erholt.

Noro-Virus ist hochgradig ansteckend

Das Noro-Virus verursacht Erbrechen und Durchfall. Die Erkrankung selbst ist zwar nicht besonders gefährlich und klingt nach zwei bis drei Tagen wieder ab, aber hoch ansteckend. Besonders gefährdet sind die Bewohner sowie das Personal von Gemeinschaftseinrichtungen aller Art. "Schiffe sind prädestiniert für den Ausbruch des Virus", bestätigt eine Expertin des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Ausgangspunkt sind Stuhlgang oder Erbrochenes, die indirekte Übertragung findet beim Händeschütteln statt, beim Husten an der Bar oder durchs Berühren von Türklinken oder Buffet-Tabletts. Noroviren sind hoch ansteckend, weil sie auf praktisch jeder Oberfläche tagelang überleben können.

Erst im letzten Monat war ein Schiff von der Epidemie betroffen. Mehr als 700 Menschen auf der "Freedom Of The Seas", dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt, waren erkrankt. Das Schiff musste komplett desinfiziert werden und konnte die folgende Kreuzfahrt erst zwei Tage verspätet antreten. Auch in Deutschland ist das Noro-Virus an Bord eines Kreuzfahrtschiffes bereits aufgetreten. Im August 2002 musste die "MS Berlin" ihre Tour durch die Ostsee abbrechen und in den Kieler Hafen zurückkehren, weil 200 Passagiere sich angesteckt hatten. Dem mit spezieller Flagge versehenen Ostsee-Liner wurde eine Außenposition im Hafen zugewiesen und eine Flächendesinfektion auf dem gesamten Schiff durchgeführt. Außerdem wurden alle nicht verpackten frischen Lebensmittel an Bord vorsichtshalber entsorgt. Zwei Passagiere durften wegen noch bestehender Gefahr des Erbrechens nicht den Öffentlichen Nahverkehr benutzen und wurden mit dem Auto nach Hause gebracht.

Ausbruch trotz strikter Hygiene

Das Auftreten des Virus hat nicht unbedingt etwas mit zu wenig Hygiene an Bord zu tun. Gerade in den USA gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die die Verbreitung des Virus verhindern sollen. Das amerikanische "Center for Desease Control" (CDC), eine staatliche Einrichtung ähnlich der deutschen Gesundheitsämter, hat eine spezielle Hygiene-Verordnung für Kreuzfahrtschiffe herausgegeben. Dazu gehört die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften für das Personal sowie die Aufstellung von Desinfektionsmittel in den Restaurants, um auch die Passagiere in die Schutzmaßnahmen einzubeziehen. Trotz peinlich genauer Einhaltung der Vorschriften kann es zu einem Ausbruch der Krankheit kommen.

Jens Maier mit Reuters

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