HOME

Pünktlichkeitstatistik jetzt monatlich: Bahn lässt sich in die Karten schauen

Mehr Klarheit für Reisende: Die Deutsche Bahn will künftig jeden Monat ihre Verspätungen publik machen. Damit reagiert sie auf jahrelange Kritik an ihrer Informationspolitik.

Wir wollen uns messen lassen an unserer tatsächlichen Leistung", kündigte Bahnchef Rüdiger Grube am Donnerstag bei der Vorstellung der Bahn-Halbjahresbilanz an. Künftig will die Bahn nach Fern- und Nahverkehr die bundesweiten Zahlen zu den verspäteten Zügen auf ihrer Internetseite von September an veröffentlichen. Vorstandsmitglied Ulrich Homburg sagte, dies solle jeweils Mitte des Monats für den Vormonat geschehen.

Bisher hatte die Deutsche Bahn keine genauen Zahlen veröffentlicht und stets versucht die Probleme mit der Pünktlichkeit herunterzuspielen. Mehr als 90 Prozent der Züge kämen pünktlich ans Ziel - so die Auskunft der Bahn-Sprecher. Diese Aussagen basierten allerdings auf Durchschnittswerten für ein Jahr. Den Sinneswandel der Bahn bezeichnete der Verkehrsclub Deutschland (VCD) als guten Schritt. Es sei der richtige Weg, ehrlich zu sagen, wo die Bahn bei der Pünktlichkeit stehe.

Noch nicht verraten wollte Bahnchef Grube, ob das Unternehmen angesichts steigender Energie- und Personalkosten zum Fahrplanwechsel im Dezember die Fahrpreise anzuheben gedenkt. Das werde wie immer in Herbst entschieden. Im vergangenen Jahr hatte die Bahn die Preise im Regionalverkehr um 1,9 Prozent angehoben, im Fernverkehr aber auf eine Erhöhung verzichtet.

Bahn-Bilanz: Gute Zahlen, aber alte Probleme

Der Konzernumsatz stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010 um 2,8 Milliarden auf 18,9 Milliarden Euro - ein Plus von 17 Prozent. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) lobte die "positive Halbjahresbilanz". Die Zahlen spiegelten die hohe Ertragskraft des Unternehmens wider. "Diese Gewinne müssen wieder investiert werden: in Kundenorientierung, Qualität und Zuverlässigkeit".

Der chronische Mangel an Fahrzeugen bremst den Elan Grubes, der den Inlandsmarkt zum Kerngeschäft der Bahn erklärt hat. Etwas Linderung sollten 16 neue ICE bringen, von denen die ersten Ende dieses Jahres ausgeliefert werden sollten. Doch beim Hersteller Siemens klemmt es, der Einsatz verzögert sich vermutlich um zwei Jahre.

Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg beruhigte aber am Donnerstag, die Investitionen in Werkstätten und Wagen machten sich bezahlt. "Wir werden in den kommenden Wintermonaten rund 15 ICE mehr zur Verfügung haben als im vorigen Jahr", sagte er. So dürfte die Bahn wieder etwas mehr Reserve haben, wenn Eis und Schnee zu Zugausfällen führen sollte. Bei der notleidenden Berliner S-Bahn will man Ende des Jahres zum regulären Fahrplan zurückkehren. Er sei "vorsichtig zuversichtlich", dass das gelinge, sagte Homburg, auch wenn dann noch nicht alle S-Bahnen in voller Länge fahren dürften.

tib/DPA / DPA

Wissenscommunity