HOME

Drama bei den Commonwealth Games: Marathonläufer kollabiert und alle knipsen, statt zu helfen - warum?

Dramatische Szenen bei den Commonwealth Games in Australien: Der Marathonläufer Callum Hawkins liegt gerade in Führung, als er kollabiert. Er stürzt, rappelt sich auf, stürzt wieder - bis er bei seinem letzten Sturz mit dem Kopf aufprallt und liegen bleibt.

Der Läufer Schotte Callum ist bei den Commonwealth Games kurz vor dem Ziel zusammengebrochen

Der Schotte Callum ist bei den Commonwealth Games kurz vor dem Ziel zusammengebrochen

DPA

Der Marathonlauf der Commonwealth Games in Australien hat ein dramatische Ende genommen: Rund zwei Kilometer vor dem Ziel bricht der Schotte Callum Hawkins zusammen. Der Sieg ist zum Greifen nahe, als sein Körper bei Temperaturen von 30 Grad nicht mehr mitmacht. Fernsehaufnahmen zeigen, wie er taumelt, gegen das Brückengeländer stößt, sich aber doch immer wieder hochzieht und den Lauf fortzusetzen versucht. Drei Minuten lang kämpft Hawkins - bis er bei seinem letzten Sturz mit dem Kopf gegen das Brückengeländer prallt und nicht mehr aufstehen kann. 

Die Szenen, die danach folgen, sind für viele genauso verstörend, wie der verzweifelte Kampf von Hawkins: Während er auf dem Boden liegt, stehen die Zuschauer tatenlos hinter der Absperrung und nehmen Fotos auf. Auch von Sanitätern fehlt jede Spur. Niemand scheint, Hilfe holen oder leisten zu wollen. 

Unterdessen überholt der Australier Michael Shelley trotz seines großen Rückstands Hawkins, wird später zum Sieger. Der Schotte liegt immer noch auf dem glühenden Asphalt. Es vergehen zwei weitere Minuten, bis endlich Hilfe eintrifft und der 25-Jährige mit der Ambulanz ins Krankenhaus gefahren wird.

Regeln sehen Eingreifen erst nach Bitte des Läufers vor

Aber warum dauerte es so lange? Nach Angaben der Organisatoren verweigerte Hawkings zunächst jede Hilfe. Nach den Regeln des Marathons werden Läufer nämlich automatisch disqualifiziert, wenn sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Hawkins hatte offenbar noch die Hoffnung, den Lauf zu Ende zu bringen. Die Sanitäter griffen also erst ein, als er sich geschlagen gab.

"Die internationalen Regeln sehen eindeutig vor, dass ein Athlet sich selbst erst für unfähig, das Rennen fortzusetzen, erklären muss, bevor er medizinische Hilfe bekommen kann", kommentierte der schottische Vorsitzende von Commonwealth Games, Paul Bush, den Vorfall. Im Gespräch mit der BBC gab er jedoch zu, dass man eventuell früher hätte eingreifen müssen. "Als er das zweite Mal zu Boden ging, hätten wir wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit auf ihn richten sollen." Außerdem sei es an der Zeit, gewisse Regeln vielleicht zu überdenken. "Es ist an der Zeit, zu schauen, welche Lehren für zukünftige Marathons auf der ganzen Welt gezogen werden können", so Bush.

Hawkins Betreuer teilte unterdessen mit, dass der Schotte in "keiner ernsten Lage" gewesen sei und das Krankenhaus wieder verlassen habe. 

Weltrekord: Frau läuft kompletten Marathon in High Heels
ivi
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity