EM-Kultspot Wie Nike die Stars tanzen ließ


Die Europameisterschaft 2008 ist auch ein Wettbewerb der Werbung. Fast jede Marke setzt zur EM eigens kreierte TV-Spots ein, die mal mehr, mal weniger geglückt, mit dem Thema Fußball spielen. Doch kaum einer ist so gelungen wie der Streifen von Nike, der den Aufstieg eines Fußballers aus einer atemberaubenden Ich-Perspektive zeigt.

So hat man Fußball im Fernsehen noch nie gesehen: Hautnah bis zum ausgeschlagenen Zahn rückt die Kamera dem anonymen Spieler auf dem Leib, verfolgt seine Karriere vom einfachen Nachwuchskicker in der Provinz über die Reservebank von Arsenal London bis in die Champions League und die holländische Nationalmannschaft – harte Fouls, üble Niederlagen und Erbrechen beim Training ebenso eingeschlossen, wie schneller Ruhm und bildhübsche Freundinnen.

Das Ganze ist – natürlich – ein Fake, ein ebenso aufwändig wie innovativ produzierter Werbespot, mit dem Nike seine Kompetenz in Sachen Fußball demonstrieren möchte. Und zieht man den Show-Charakter des Spots und die etwas zu üppig geratene Verklärung des Fußballerberufs ab, bleibt ein dramaturgisch und filmisch hervorragend umgesetztes Spektakel.

Für die Produktion des Spots ließ der US-Sportartikelhersteller sein firmeneigenes, prominentes Werbe-Personal gleich in Mannschaftsstärke antanzen: Cristiano Ronaldo, Cesc Fabregas, Ronaldinho, Wayne Rooney, Ruud van Nistelrooy, Zlatan Ibrahimovic, Marco Materazzi, Rafael Marquez sowie Arsenal-London-Coach Arsène Wenger. Dazu leistete sich man sich üppige Computeranimationen, teures Kameraequipment und einen Star-Regisseur.

Denn umgesetzt hat den Spot kein Geringer als Guy Ritchie. Der (Noch-) Ehemann von Madonna und Regisseur von Kinofilmen wie „Snatch“ und „Bube, Dame, König, grAs“ hatte für die Inszenierung eines Fußballertraums ein üppiges Budget zur Verfügung, über dessen Höhe Nike eisern schweigt.

Im Vergleich zu vielen anderen teuren Werbe-Investitionen war das Geld für den Spot unter dem Motto „Erreich' Dein nächstes Level“ allerdings gut angelegt. Im Internet ist der Nike-Streifen schon Kult, ebenso erfolgreich ist er bei Kritikern und Branchenexperten.

Nur einen kleinen Schönheitsfehler hat der Spot – zumindest aus Nike-Sicht. Bei der echten EM scheiterten die vom Konzern gesponsorten Teams aus Holland und Portugal, obwohl wegen ihrer Spielweise hoch gelobt, schon im Viertelfinale. Da wird das nächste Level wohl erst 2010 erreicht.

rk

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