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Interview mit Andreas Biermann "Schwäche zeigen ist im Sport unpassend"


Andreas Biermann hat sich das Leben genommen. Seit 2009 sprach der Ex-Fußballprofi offen über seine Depression, auch mit dem stern. Das Interview zeigt einen Mann, der wieder Mut gefasst hatte.

Es war eine Nachricht, die die Fußballwelt erschütterte: Ex-Fußball-Profi Andreas Biermann nahm sich am vergangenen Freitag das Leben. Biermann litt seit mehr als zehn Jahren an Depressionen, er wurde 33 Jahre alt. Nach dem Suizid des früheren Nationaltorwarts Robert Enke hatte der Sportler seine Krankheit im November 2009 öffentlich gemacht.

Im darauffolgenden Jahr öffnete sich Biermann auch dem stern in einem Video-Porträt. "Man sitzt nicht da und weint die ganze Zeit, sondern man ist ein ganz normaler Mensch mit schweren Phasen", sagt er darin. "Und wenn man dann noch schafft für andere gut auszusehen, hat keiner eine Chance irgendwas zu sehen."

Die Tragödie voraussehen konnte auch zu diesem Zeitpunkt niemand. Im Gegenteil: Das Video zeigt einen Mann, der nach langer Therapie wieder Mut gefasst zu haben scheint: "Die Veröffentlichung soll zeigen, dass eine stationäre Behandlung nichts Negatives ist", so Biermann. "Ich versuche jetzt mich selbst zu finden und Selbstwertgefühl aufzubauen, dass ich erhobenen Hauptes durchs Leben gehen kann."

Die Profikarriere scheitert

Auch über das Thema Suizid spricht Biermann offen. Er erzählt von seinem langen und beschwerlichen Leidensweg mit drei öffentlich gemachten Selbstmordversuchen. "In meinen Gedanken habe ich immer gedacht, Fußball bin ich. Das war quasi mein Leben." Doch aus der dauerhaften Karriere als Profi-Fußballer wurde nichts. Nur zeitweise spielte er für die Clubs von St. Pauli und Union Berlin.

"Alles, was mit Schwäche zeigen zu tun hat, ist im Sport unpassend", sagt Biermann. Auch sein Mut wird am Ende nicht honoriert. In seiner 2011 veröffentlichten Autobiografie "Rote Karte Depression" gibt er zu, sein Bekenntnis bereut zu haben, weil er deshalb seinen Job verlor und nicht die erhoffte Unterstützung fand.

kbl

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