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stern vor Ort: Nachtgestalten

Nix da nur Fußball und Sonnenschein! Wenn es Nacht wird über Portugal, kann es auch andere gute Gründe geben, Turnschuhe zu tragen. Weiß stern-Redakteur Bernd Volland.

Bernd Volland

Ist ja nicht so, dass nur die Engländer gefährlich werden können hier in Portugal, umsichprügelnderweise nach dem Genuss von 16 Bier pro Hirnhälfte. Oder der Totti wegen Tröpfcheninfektion. Nein, auch mit den Portugiesen kann es unangenehm sein, man glaubt es nicht, ist aber so, manchmal, mit manchen. Schlendert man zum Beispiel in Porto nach dem Spiel die hellbeleuchtete Straße entlang, telefoniert in die Heimat, Hamburg, wo alles so sicher ist: Man spricht mit der Freundin, eher privat und so. Kommen einem drei Jungs entgegen, schlaksig, nackter Oberkörper, und fragen nach einer Zigarette. "Nix Zigarette", sagt man, "Intimsphäre!, verdammt nochmal", denkt man, und geht weiter.

"Patsch"! Das Aufprallen einer fremden Hand in der eigenen Gesichtshälfte, ist ein Indiz für das Enstehen unbequemer Stimmung, hat man gelernt und beschließt, jetzt nicht in diese dunkle Gasse abzubiegen, in welcher der Mietwagen steht. Dieser Gedanke wird bestätigt durch ein zweites Patsch, sowie die Tatsache, dass das Festkrallen einer fremden Hand am eigenen Mobiltelefon als Zeichen recht freier Auslegung der Eigentumsverhältnisse zu deuten ist.

Woraus zu schließen ist, dass es gut ist, gerade Turnschuhe zu tragen. Und diese schleunigst zur Tankstelle gegenüber zu bewegen. Hasenfuß, sagen Sie? Das soll jetzt bitte keiner denken, immerhin hat man noch Handy, Geldbörse und Leben. Und außerdem von vier fürsorglichen Portugiesinnen an der Tankstelle die Lektion erteilt bekommen, dass dieses Volk doch eher großartig ist. Und die dunklen Ausnahmen? Die wird man, versprochen!, beim nächsten Mal so richtig auseinandernehmen. Hat man beschlossen. Im Hotel vor dem Einschlafen, schwarzer Gürtel in Karate und so.

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