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Tierfreunde gerührt: Drama um Dressur-Pferd - Reiterin trifft schwerwiegende Entscheidung

Die Geschichte rührt Tierfreunde in aller Welt: Die niederländische Dressur-Reiterin bricht ihre Olympia-Kür ab, weil sie ihr Pferd schützen will.

Adelinde Cornelissen auf Parzival

Adelinde Cornelissen auf Parzival

Es muss ein ziemlicher Schreck für Adelinde Cornelissen gewesen sein. Als sie Dienstag vergangener Woche um sechs Uhr morgens zur Box ihres Pferdes Parzival kommt, ist die rechte Seite seines Kopfes stark geschwollen. Dabei will sie doch einen Tag später auf Parzival in der Dressur um eine olympische Medaille mitreiten. Doch Parzival hat über 40 Grad Fieber. Sonst ist alles normal: Das Pferd sieht nicht krank aus, es frisst und trinkt.

So zumindest schildert die niederländische Dressurreiterin Cornelissen die Situation auf ihrer Facebook-Seite. Nach Untersuchungen des Pferdes vermuten die Tierärzte, Parzival könnte von einem Insekt oder einer Spinne gestochen worden sein. Um das Gift aus dem Körper des Tieres zu bekommen, geben sie ihm viel Flüssigkeit. Eine Blutuntersuchung, Röntgen des Kiefers und ein Ultraschall zeigen keine Auffälligkeiten. Am Nachmittag ist das Fieber auf 38,4 Grad Celsius gefallen.

Fit genug für einen Olympia-Start?

Cornelissen bleibt über Nacht bei Parzival, schaut jede Stunde nach ihm und findet auch dazwischen keinen Schlaf. Am Mittwochmorgen hat Parzival kein Fieber mehr und die Schwellung ist deutlich zurückgegangen. Doch ist er fit genug für einen Olympia-Start? Die internationale Reiter-Vereinigung FEI lehnt einen Tausch von Startzeiten innerhalb des niederländischen Teams ab, so Cornelissen. Am Donnerstag statt am Mittwoch zu starten, ist also keine Option.

Obwohl die FEI-Tierärzte grünes Licht für den Start des Pferdes geben, merkt Cornelissen bei den ersten Lektionen im Dressurviereck: Parzival ist fit, aber nicht so kraftvoll wie sonst. Also trifft sie ihre Entscheidung: "Mein Kumpel, mein Freund, das Pferd, das sein ganzes Leben alles für mich gegeben hat, hat das nicht verdient", schreibt Cornelissen auf Facebook. Um Parzival zu schützen, gibt sie kurz nach Beginn ihrer Übung auf..

Die Geschichte rührt Tierfreunde in aller Welt. Unter Cornelissens Post gibt es inzwischen mehr als 7000 Kommentare - die allermeistenmeisten loben die Entscheidung, die die Reiterin getroffen hat. Für den vielen Zuspruch hat Cornelissen sich inzwischen in einem zweiten Post bedankt. "Vielen Dank für all Eure Nachrichten", schreibt sie. "Überwältigend!" Es seien auch viele Fragen gekommen, wie es Parzival nun gehe. Um ihre Follower zu beruhigen, postet sie gleich mehrere Fotos des Pferdes auf einer Koppel. "Sieht für mich so aus, als fühle Parzi sich wohl!" Das Pferd habe auch keinen Haarriss gehabt - was anscheinend einige User vermutet hatten. Für Cornelissen aber ist eines das Wichtigste: "Parzi ist wieder fröhlich und gesund!"

Doch wie es scheint, hat die Geschichte für Cornelissen noch ein Nachspiel. Wie die Fachzeitschrift "Reiterrevue" in ihrer Online-Ausgabe berichtet, will die US-amerikanische Dressurrichterin Colleen Kelly die Niederländerin verklagen. Auf ihrer Website kündigt Kelly an, dass sie Cornelissen persönlich wegen Tiermissbrauchs verklagen werde. Im Internet gebe es genügend Beweismaterial, das jedem zugänglich sei, schreibt Kelly.

tkr

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