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"Ohne mich wärst du kein Star": Der irre Angreifer von damals pöbelt gegen Fackelträger Lima

Bei den Olympischen Spielen 2004 entriss er Marathonläufer Vanderlei de Lima die Goldmedaille. Und offenbar ist Neil Horan immer noch genauso irre. Der "New York Times" erzählte er, wie er die Eröffnungsfeier verfolgt hat.

Neil Horan und Vanderlei de Lima

Neil Horans Attacke kostete Vanderlei de Lima 2004 den Olympiasieg, in Rio durfte der Brasilianer das olympische Feuer entzünden

Es war der große Moment der Eröffnungsfeier: Als Vanderlei de Lima am Freitagabend als letzter Fackelläufer das olympische Feuer entzündete, strahlte er über das ganze Gesicht. Vergessen in diesem Moment der unglaubliche Eklat von Athen 2004, als der Marathonläufer in Führung liegend von einem irren Zuschauer attackiert wurde - und schließlich nur Bronze holte.

Einer aber ist offenbar unverbesserlich: Neil Horan, der Angreifer von damals, gab der "New York Times" nun ein Interview, das von wenig Einsicht zeugt. Der 69-jährige irische Priester habe die Eröffnungsfeier in seiner Londoner Wohnung verfolgt. Dass de Lima die Ehre zuteil wurde, das olympische Feuer zu entzünden, gefiel Horan überhaupt nicht. "Als ich ihn mit meinen eigenen Augen gesehen habe, wurde ich wirklich wütend", sagte Horan der US-Zeitung. "Ich sah Vanderlei und dachte, 'Ohne mich wärst du nicht annähernd so ein Star geworden'." 

"Einiges von dem, was ich sage, ist nicht sehr mitfühlend gegenüber Vanderlei", sagte Horan. "Wie auch mein Herr Christus sehr verletzend sein konnte, wenn nötig, mit dem was er sagte. Ich fühle mich so, als ob ich hier keine Wahl hätte."

Ein notorischer Unruhestifter

Neil Horan war bereits 2003 mit einem religiösen Plakat auf die Formel-1-Strecke von Silverstone gelaufen. Beim olympischen Marathon 2004 stürmte er auf die Straße und drängte de Lima von der Strecke ab. De Lima verlor einen großen Teil seines Vorsprungs und wurde später noch von zwei Läufern überholt. Horan wurde zu zwölf Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt.

"Es ist sehr traurig, dass er nie auf meine Entschuldigungen reagiert hat", sagte Horan der "New York Times". "Ich würde mich gerne mit ihm und seiner Familie treffen. Aber absolut keine Antwort. Ich verfluche ihn dafür. Er hat schrecklich versagt, was grundlegendes Benehmen wie menschlichen Anstand und Höflichkeit angeht."

Krude Worte eines kruden Mannes. Sie können Vanderlei de Lima heute egal sein. Er hat zwar die Goldmedaille nicht gewonnen, aber ist bis heute in Brasilien ein Olympiasieger der Herzen.

bak

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