Boris Becker "Keine Gegner mehr in unserem Alter"


Boris Becker tritt wieder in seinem "Wohnzimmer" an: Diesmal allerdings im Senioren-Doppel mit Partner Eric Jelen. Zum Start in Wimbledon erzählt der dreimalige Sieger, wie es dazu kam und wie er die Chancen der deutschen Spieler einschätzt.

Wann kam Ihnen die Idee, in Wimbledon im Senioren-Doppel mit Eric Jelen erstmals seit Ihrem Rücktritt 1999 wieder aufzuschlagen?

Boris Becker: "Wir haben im Januar in Miami gemeinsam eine Trainingswoche eingelegt und kamen dort auf den Gedanken, gemeinsam in Wimbledon aufzuschlagen."

Sie spielen mit Eric Jelen im Doppel. Auf welche Gegner freuen Sie sich am meisten?

Becker: "In unserem Alter gibt es keine Gegner mehr, nur Freunde, mit denen man Tennis spielen darf."

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren letzten Auftritt auf dem "Heiligen Rasen" 1999 im Achtelfinale gegen Patrick Rafter?

Becker: "Wir mussten drei Tage auf dieses Spiel warten, weil es die ganze Zeit geregnet hat. Und in dieser Zeit konnte ich mich schon mit meinem Abschied anfreunden, da ich wusste, dass ich gegen Patrick Rafter keine Chance mehr hatte. Meine Zeit war vorbei."

Nach Ihrem Sieg gegen Thomas Muster beim Turnier in Hamburg mussten Sie sich am rechten Knöchel operieren lassen. Ist alles wieder in Ordnung?

Becker: "Das werden wir sehen. Die Operation verlief gut. Ich bin seit einer Woche wieder im Training und hoffe, dass alles hält."

Wegen der Fußball-WM konnten Sie im Vorjahr nur zeitweise für die BBC kommentieren. Sind Sie in diesem Jahr wieder Fulltime im Einsatz?

Becker: "Ja. Und darauf freue ich mich sehr. Letztes Jahr hat mir etwas gefehlt."

Kommentieren Sie auch für das deutsche Fernsehen?

Becker: "Nein, nur für die BBC in England."

Ihr "Wohnzimmer" ist wegen des Umbaus in diesem Jahr ein Torso. Empfinden Sie Wehmut?

Becker: "Nein, keine Wehmut. Von 2009 an hat Wimbledon ein Dach über dem Center Court und irgendwann müssen sie ja mit den Bauarbeiten beginnen."

Wer ist in Ihrem Doppel der Chef auf dem Rasen?

Becker: "Das Geheimnis im Doppel ist, den richtigen Partner zu haben. Und da bin ich mir bei Eric Jelen sicher. Er kontrolliert die Vorhandseite und ich die Rückhandseite."

Wann haben Sie zuletzt miteinander gespielt?

Becker: "Wir sind die ganze Zeit im Training und spielen oft miteinander."

Thomas Haas ist an der Schulter verletzt und konnte in den vergangenen sieben Wochen kaum trainieren. Nicolas Kiefer schlägt nach über einem Jahr Pause wieder auf. Was erwarten Sie von Kiwi?

Becker: "Ich hoffe, dass er wieder hundertprozentig gesund ist, weil nur dann ist er ein ernst zu nehmender Tennisspieler."

Und was erwarten Sie von den anderen Spielern, Kohlschreiber etwa oder Mayer oder auch Ihrem Namensvetter Benjamin Becker?

Becker: "Ich glaube, dass von den Genannten Kohlschreiber die größte Chance hat, in die zweite Runde zu kommen."

Ein Satz zum Top-Favoriten Roger Federer. Oder ist Rafael Nadal nach seinem Sieg in Roland Garros diesmal mehr als ein Außenseiter?

Becker: "Federer ist nach wie vor der Top-Favorit. Da müsste schon viel schief laufen, damit Roger Federer seinen fünften Titel in Wimbledon nicht gewinnt."

Interview: Andreas Bellinger/DPA DPA

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