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Diego Maradona: Comeback als Fernsehmoderator

Als Moderator seiner eigenen Fernsehshow ist Diego Maradona ein unglaubliches Comeback in Argentinien gelungen. Nach einer Magenverkleinerung hat er in nur sechs Monaten 50 Kilogramm abgespeckt und sogar dem Kokain abgeschworen.

In seinem Showspektakel, einer Mischung aus Prominententalk, Sportmagazin und Fernsehmesse, feiert er seine Gäste - und natürlich vor allem sich selbst. Es ist eine stolze Hommage an das größte Sportidol, das Argentinien je verehrt hat. Und anderseits ist es der Rettungsring für den nach jahrelangen Eskapaden fast schon Tod gesagten.

"Olé olé olé olé - Diego olé" skandieren die Gäste im Publikum. Es ist zehn Uhr in der "Nacht der Nummer 10" - eine Anspielung auf Maradonas Trikotnummer. Ein kurzer Wangenkuss an Tochter Dalma, das Metalltor öffnet sich und Maradona betritt die von gelbem Licht durchflutete Arena. Ganz Argentinien richtet die Augen auf den schlanken Moderator in lässiger Lederjacke, der sich so leichtfüßig im Fernsehstudio bewegt, als sei es ein Fußballstadion.

Leben voller Skandale

Augenblicke später singt ein Chor der aus den besten Fußballern des Landes besteht. Sie wollten "Diego für immer sehen" und werfen ihm ihre Trikots zu. Mit Mühe schafft es Maradona sie zu fangen und versichert gerührt, "das ist die schönste aller Überraschungen". Seine dunklen Augen funkeln. Szenen wie diese gibt es jeden Montag im argentinischen Fernsehen. Die Argentinier sind froh, ihn gesund zu sehen. Denn Skandale und Eskapaden durchziehen Maradonas Leben wie ein roter Faden.

In Punta del Este erlitt Maradona 2000 einen Herzinfarkt, der auf Kokainkonsum zurückgeführt wurde. Daraufhin ließ sich der übergewichtige und verschuldete Ex-Fußballer auf Kuba behandeln und begann dort auch eine Entziehungskur. 2004 der nächste Schock: Maradona rang in einer Klinik in Buenos Aires erneut mit dem Tod. Eine ganze Nation bangte mit dem Goldjungen von 1986. "Seit eineinhalb Jahren nehme ich keine Drogen mehr. Ich will nie mehr der Diego sein, der ich mal war", beteuert er heute.

Familien-Show

Von 123 Kilogramm speckte er auf 73 ab, und die argentinische und internationale Prominenz gibt sich ein Stelldichein, um Maradona die Hand zu schütteln. Ob auf weißer Couch, auf Leinwänden oder auf zahlreichen Bildschirmen, überall im Studio ist sein Gesicht zu sehen. Alles konzentriert sich auf ihn und seine Familie. Denn die Show ähnelt einem Familienunternehmen: Tochter Dalma in der Produktion, Tochter Gianina als persönliche Assistentin und die Eltern im Publikum, immer zu einem Küsschen bereit.

Mit Emotionen wird bei der "Nacht der 10" nie gespart. Seit der ersten Ausstrahlung Mitte August zeigt die dramaturgische Handschrift den gefühlvollen Diego, den nationalen Patrioten.

"König trifft Gott"

In der ersten Sendung besuchte der brasilianische Erzrivale Pelé Maradona. Der "König trifft Gott" titelte die argentinische Presse. Es wurde die erwartete Versöhnung der beiden, und Pelé gestand mit zitternder Stimme, sich um seinen drogenabhängigen Sohn zu sorgen. Dann setzte Maradona die Beziehung zu seiner Ex-Frau Claudia dem grellen Scheinwerferlicht aus. Ihr, die im Studio immer neben der Kamera steht, widmete er ein Liebeslied. Vor Millionen Zuschauern ging er langsam auf sie zu und küsste sie auf die Wange. Wie gern würde Argentinien die beiden in der letzten Sendung wieder zusammen sehen.

"Gott sei Dank, er ist zurück", sagt ein Junge in der ersten Reihe. Diego läuft ein paar Meter weiter in Sportkleidung auf das Mini-Fußballfeld und tut das, wofür er geliebt wird. Die Partie um halb eins kündigt das Ende der "Nacht mit der 10" an, und Diego hat wieder die Zuschauer in Argentinien fasziniert.

Mit der Gage und den Werbeeinnahmen will er seine Schulden "bis auf den letzten Centavo zurückzahlen." Doch seine Fans sorgen sich bereits. Noch bis Januar 2006 wird er zwischen zwei Fernsehshows, zwischen Argentinien und Italien hin und her pendeln. Außerdem ist er Vize-Sportdirektor seines Lieblingsclubs "Boca Juniors", für den er auch mehrere Jahre gespielt hat. Wie lange hält er das durch, fragen sich viele.

Matthias Ebert/DPA

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