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Korruptionsvorwürfe: Macher unter Verdacht

Zwei einflussreiche Männer aus Oberhof stehen im Mittelpunkt staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen: Wolfgang Filbrich, 58, Leiter des Olympiastützpunktes in Oberhof und Organisationschef des Biathlon-Weltcups, und Bürgermeister Thomas Schulz, 44.

von Thomas Purschke

Filbrich wird verdächtigt, Bestechungsgelder angenommen zu haben. Am 15. Mai 2008 wurden sein Privathaus in Gossel sowie Büros im Wintersportzentrum Oberhof von Fahndern des Landeskriminalamtes Thüringen durchsucht. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass im Jahr 2005 Zuwendungen des Stuttgarter Architekturbüros Deyle im Zusammenhang mit der Bewerbung um Planung und Bau der Skilanglaufhalle in Oberhof an Filbrich geflossen sind.

Fest steht, dass Filbrich bereits von 1996 bis 1999 einen Beratervertrag mit der Firmengruppe Deyle hatte, der mit etwa 90.000 Mark vergütet gewesen sein soll. Filbrich räumt Zahlungen ein: "Ich hatte einen Beratervertrag, in dem meine Tätigkeit beschrieben wurde. Der damalige Bürgermeister hat diese Beratertätigkeit genehmigt. Mein Honorar habe ich ordnungsgemäß versteuert." Welche Beratungsleistungen Filbrich gegenüber Deyle erbracht hat, will er nicht sagen. "Da die Beratungsleistungen mit den Sportanlagen von Oberhof nichts zu tun hatten, sehe ich keinen Grund, Dinge zu kommentieren, die schon zehn Jahre zurückliegen."

Gegen Filbrichs heutigen Dienstvorgesetzten, den seit Sommer 2006 amtierenden Bürgermeister von Oberhof, Thomas Schulz (Freie Wähler), geht die Staatsanwaltschaft Erfurt ebenfalls vor. Es geht um den Vorwurf des Betrugs und der Beihilfe zur Untreue. Elektrikermeister Schulz war mit seiner Firma am Neubau des Biathlonstadions und der Sanierung der Rennrodelbahn beteiligt. Schulz soll falsch abgerechnet haben. Das Landgericht Meiningen sprach den Bürgermeister im Oktober 2008 frei. Die Staatsanwaltschaft hat Revision eingelegt und zieht nun vor den Bundesgerichtshof. Zudem läuft noch ein Ermittlungsverfahren gegen Schulz, in dem ihm Untreue in vier Fällen vorgeworfen wird. Schulz bestreitet die Anschuldigungen.

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