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LEICHTATHLETIK: Kanada: Keine Lust auf Leichtathletik

Die Weltelite der Leichtathletik trifft sich ab Freitag im Kanadischen Edmonton zu den Weltmeisterschaften - und keinen interessiert¿s.

Die Weltelite der Leichtathletik trifft sich ab Freitag im Kanadischen Edmonton zu den Weltmeisterschaften - und keinen interessiert¿s. Das größte Sportereignis des Jahres erregt im Gastgeberland Kanada nur wenig Aufsehen. In der etwa 700 000 Einwohner zählenden Metropole der Provinz Alberta ist von WM-Fieber noch nicht viel zu spüren. Plakate oder Fahnen, die auf das Ereignis hinweisen, sucht man in der City vergeblich. Die Zeitungen des Landes schreiben viel über Tennis, Eishockey und Golf - die Leichtathletik ist eher ein Randthema.

Olympia-Trauma

Auch der Ticketverkauf läuft schleppend, selbst für die Eröffnungsfeier sind noch Karten zu haben. Der Grund für die verhaltene Resonanz könnte darin liegen, dass auch die Erwartungen gering sind. Denn in Edmonton, der »Stadt der Champions«, wird dem 74 Athleten starken Gastgeber-Team nach dem Trauma von Sydney nur wenig zugetraut. Bei den Olympischen Spielen hatten Kanadas Leichtathleten keine einzige Medaille gewonnen.

Kaum Medaillenhoffnungen

Den heroischen Beinamen hat sich die Stadt in den 80er Jahren zugelegt, als Eishockey-Star Wayne Gretzky die Edmonton Oilers vier Mal zum Gewinn des Stanley-Cups führte und sich dieses Siegergefühl auf die Einwohner übertrug. Die kanadische Leichtathletik-Mannschaft ist davon jedoch meilenweit entfernt. Sprint-Altmeister Bruny Surin, in Sevilla WM-Zweiter hinter Weltrekordler Maurice Greene, hatte wegen fehlender Form lange eine Startabsage erwogen. Ex-Weltrekordler Donovan Bailey ist schon lange nicht mehr unter 10 Sekunden gelaufen. Der Olympiasieger von 1996 wird vor heimischem Publikum sein letztes Rennen bestreiten.

Bis zu 20 000 Plätze frei

WM-Gastgeber sind bei den bisherigen sieben Titelkämpfen nur einmal ganz leer ausgegangen. 1995 blieb das schwedische Team in Göteborg ohne Edelmetall. Dies wollen die Kanadier um jeden Preis vermeiden. »Wir wollen unbedingt einige Medaillen gewinnen«, sagte Cheftrainer Les Gramantik. Die Hoffnungen ruhen dabei in erster Linie auf Mark Boswell, 1999 Vize-Weltmeister im Hochsprung. »Wir müssen versuchen, möglichst viele Athleten in die Finals zu bekommen. Dann helfen die Zuschauer«, erwartet Gramantik. Doch auch da gilt das Prinzip Hoffnung: Für einige der zehn Wettkampftage sind jeweils noch 20 000 Karten, also rund ein Drittel der Stadionkapazität, zu haben.

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