Nordische Kombination Entscheidung vom Winde verweht


Erstmals ist bei Olympia in Turin eine Konkurrenz abgebrochen und die Medaillen-Entscheidung verschoben worden. Wegen zu starker Winde musste das Springen im Teamwettbewerb der Nordischen Kombinierer gestoppt werden.

Beim Griff nach Gold sind Deutschlands Nordische Kombinierer vorerst vom stürmischen Wind in den Bergen von Pragelato gestoppt worden. Das zur Halbzeit des Springens in Führung liegende DSV-Quartett konnte nicht das erhoffte Edelmetall in Empfang nehmen, weil die Team-Konkurrenz wegen der schlechten Bedingungen nach dem ersten Durchgang abgebrochen und auf Donnerstag verschoben werden musste. "Wir sind uns alle einig, dass wir kein Glücksspiel brauchen und dies die fairste Entscheidung war", kommentierte Einzel-Olympiasieger Georg Hettich.

Am Donnerstag wird das Springen von der Großschanze um 9.00 Uhr mit dem zweiten Durchgang fortgesetzt. Die abschließende 4 x 5- Kilometer-Staffel wurde von der Jury für 15.00 Uhr angesetzt. Während die deutsche Mannschaft damit ihre hervorragende Ausgangsposition behält und die erstmalige Verschiebung einer Medaillen-Entscheidung bei den Olympischen Winterspielen in Turin gelassen hinnahm, mussten die wegen Krankheit fehlenden Norweger ihre Hoffnungen auf eine zweite Chance aufgeben. Bei einer Neuansetzung hätte der Weltmeister starten dürfen.

"Er hat einen Lauf"

Das DSV-Quartett mit Hettich, Jens Gaiser, Björn Kircheisen und Ronny Ackermann liegt nach dem ersten Durchgang mit 464,5 Punkten vor Österreich (453,4), Russland (450,1) und Finnland (444,7) auf Gold- Kurs. Der Fortsetzung sieht Bundestrainer Hermann Weinbuch daher gelassen entgegen, denn seine Schützlinge präsentierten sich nervenstark und in ausgezeichneter Form. "Wir sind gut drauf und stabil genug, mit jeder Situation zurecht zu kommen", sagte Weinbuch nach dem Geduldsspiel.

Olympia-Debütant Gaiser sprang 125 Meter, Kircheisen und Ackermann kamen jeweils auf 126 Meter. "Ronny hat das gemacht, was er bringen kann. Zumal er keinen guten Wind hatte. Es geht aufwärts bei ihm", lobte Weinbuch den Doppel-Weltmeister aus Dermbach, der mit komplett neuem Material zu alter Stärke zurückgefunden hat. Als Schlussspringer setzte Hettich dann 130,5 Meter drauf. "Er hat einen Lauf", stellte Weinbuch fest.

"Wenn es weiter geht, sind wir wieder top motiviert"

Hettich ließ sich auch nicht davon beeindrucken, dass er wegen der drehenden Winde mehrere Male vom Anlaufbalken geholt wurde. "Das hat ganz schön Nerven gekostet. Die Füße schlafen ein, die Muskeln werden schlaff. Als es dann endlich losging, hatte ich brutal wenig Zeit und konnte nicht einmal mehr den Helm und die Brille richten. Unter diesen Bedingungen war es ein Top-Sprung", erklärte der Schonacher.

Danach ging nichts mehr. Nach einer ersten rund 45-minütigen Zwangspause wurde der gesamte Durchgang mit jeweils vier Springern aus zehn Ländern zunächst neu gestartet. Doch dann kam nach fünf Aktiven erneut Rotes Licht an der Schanze. "Das war gut, denn was wäre gewesen, wenn einer von uns bei irregulären Bedingungen einen kurzen Sprung erwischt hätte. Dann hätte uns die Halbzeit-Führung gar nichts genutzt", sagte Hettich.

Der Olympiasieger, der sich mit dieser Bezeichnung noch schwer tut, nutzte den freien Nachmittag gemeinsam mit seinen Teamkollegen zum Ski testen und für einen lockeren Lauf. Der Fortsetzung des Wettbewerbs sieht er zuversichtlich entgegen: "Wenn es weiter geht, sind wir wieder top motiviert. Wir brauchen uns nicht verrückt machen, denn wir sind gut in Schuss."

Eric Dobias und Gerald Fritsche/DPA DPA

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