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Wintersport: Kaputter Reißverschluss zerstört Schlierenzauers Traum

Während die Deutschen beim Skifliegen in Tauplitz mal wieder vergeblich darauf warteten, dass endlich mal der Knopf aufgeht, hatte Gregor Schlierenzauer plötzlich seinen Reißverschluss in der Hand und wurde in Führung liegend von der Materialkontrolle disqualifiziert.

Zwei Siege an einem Tag waren das Ziel des Gregor Schlierenzauer beim von Windkapriolen überschatteten Skiflug-Weltcup in Tauplitz gewesen, doch am Ende stand der Vierschanzentourneesieger mit leeren Händen da.

Ein mit 184,5 Metern zu kurz geratener Versuch beim nach einem Durchgang abgebrochenen ersten Springen brachte ihm nur Platz sieben, im zweiten kostete ihn ein kaputter Anzug den erhofften Sieg.

Dabei hatte Schlierenzauer angreifen wollen, war mit jeder Menge Wut im Bauch auf die Schanze gegangen und hatte sich mit 203,5 Metern nach dem ersten Durchgang ganz oben platziert. Und auch im zweiten legte er mit 186 Metern einen guten Satz hin, der für den Sieg gereicht hätte, wenn, ja wenn kurz vor dem Sprung nicht der Reißverschluss seines Anzuges gerissen wäre.

"Ich habe meinen Sprunganzug geschlossen und gleich gemerkt, dass sich da etwas gelöst hat", erklärte er laut kurier.at. Die ÖSV-Betreuer versuchten mit Klebeband und Sicherheitsnadeln zu retten, was zu retten war. Doch im Container der Materialkontrolle wurde ihm dann mitgeteilt, dass der Anzug regelwidrig sei und er somit disqualifiziert würde.

FIS-Regeln sind eindeutig 

Laut FIS-Regel wird jeder Sprunganzug vor dem Wettbewerb auf Luftdurchlässigkeit geprüft, verplompt und darf hinterher nicht mehr modifiziert werden. Mit offenem Reißverschluss zu springen ist aufgrund des daraus entstehenden Auftriebes zudem ebenfalls verboten.

So hatte Schliri in beiden Springen seine Chancen auf den Sieg eingebüßt und musste zusehen, wie sich erst Robert Kranjec, dann Anders Bardal über die Spitze des Podiums freuten. Im ersten Springen hatte Kranjec mit einem Flug auf 206 Meter die Konkurrenz düpiert und Thomas Morgenstern sowie Bardal auf die Plätze verwiesen, im zweiten landete der Norweger vor Daiki Ito und Kamil Stoch. Schlierenzauer verpasste nach der Disqualifikation nicht nur seinen 39. Weltcup-Sieg, sondern auch das Gelbe Trikot des Weltcup-Spitzenreiters.

Deutsche mit viel Luft nach oben

Auch nicht optimal lief es für die DSV-Adler. Severin Freund als Neunter und Richard Freitag auf Rang zehn bescherten den DSV-Adlern zwar zwei Top-Ten-Plätze, der erhoffte Höhenflug blieb jedoch aus. "Für mehr hat es einfach nicht gereicht. Wenn man ganz vorne mitmischen will, muss man einiges besser machen. Wir müssen sehen, dass wir uns bis zur WM Schritt für Schritt heranpirschen“, bilanzierte Bundestrainer Werner Schuster nach den zwei Wettbewerben innerhalb von gut fünf Stunden.

Immerhin freute sich Robert Freitag, dass er im ersten Durchgang mit der persönlichen Bestweite von 201,5 Meter erstmals die magische 200-Meter-Marke überflog. "Der erste 200er ist immer etwas Besonderes. Es fühlt sich wahnsinnig an, solange in der Luft zu sein. Ich hatte eigentlich nicht geplant, das hier zu schaffen. Aber dann hatte ich das Gefühl, es kann ganz gut werden. Nur die Landung muss ich noch ein wenig üben“, sagte der Sachse.

Freund hadert mit Bedingungen

Sein Zimmerkollege Freund haderte dagegen mit den schwierigen Bedingungen im Finale, als er schon bei 173,5 Metern landete. "Das war definitiv mein bester Sprung. Wenn dann nicht mehr rauskommt, weiß man Bescheid. Wenn der Wind von hinten bläst, wird es halt zäh“, meinte der 23-Jährige. Zuvor war er auf 192,5 Meter gesegelt. "Severin hat immer noch leichte technische Probleme“, stellte Schuster fest.

Andreas Wank, der im ersten Versuch mit exakt 200 Metern wie Freitag erstmals die magische Grenze überflogen hatte, fiel im Finale mit 151 Metern noch auf Platz 20 zurück. "Für die jungen Athleten, die noch nicht so oft geflogen sind, war es ein schwieriges Wochenende. Ihnen hat die Zeit gefehlt, sich einzuspringen», erklärte Schuster.

Schon am Samstag hatte das Wetter die Hauptrolle übernommen. Wegen starken Windes und heftigen Schneefalls ging nichts, weshalb die 54 Teilnehmer am Sonntag gleich zweimal im Wettkampf ranmussten. Beim in einem Durchgang nachgeholten Wettbewerb vom Vortag landete Freund mit 191,5 Meter auf Rang zwölf.

sportal.de / sportal

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