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Energie sparen: Sparen beim Fahren

Es ist erstaunlich einfach. Mit ein paar simplen Tricks kann jeder seinen Spritverbrauch senken. Unsere Autorin kam auf Anhieb mit 20 Prozent weniger aus - und schneller war sie auch noch.

Von Stéphanie Souron

Der Ausflug in die Lüneburger Heide dauert nur eine Viertelstunde. Er führt durch verkehrsberuhigte Zonen, über Landstraßen und durch kleine Dörfer mit reetgedeckten Häusern. Die Landschaft ist norddeutsch flach, nur manchmal erhebt sich ein sanfter Hügel. Ich sitze am Steuer eines Mittelklassewagens und fahre wie immer: bei 50 km/h im dritten Gang, ab 60 km/h im vierten. Den fünften nehme ich ab 90 km/h. Und weil dieser Wagen sogar einen sechsten Gang hat, benutze ich auch den.

Den Motor an der Ampel aufheulen zu lassen ist nicht meine Art. Alles in allem finde ich meine Fahrweise unauffällig und sparsam. Dennoch kommen wir zügig voran. Nach 15 Minuten endet die Fahrt dort, wo sie begonnen hat: auf dem Gelände des Fahrsicherheitszentrums des ADAC in Lüneburg. "Na ja, nicht schlecht", sagt Gerd Schulz und zieht die Augenbrauen hoch. "Aber das kriegen wir noch besser hin."

Schulz, 45, ist mein Fahrlehrer bei diesem Spritsparkurs. Er soll mir zeigen, wie sich meine Fahrweise so verändern lässt, dass weniger Benzin verbraucht wird. Der Kursus dauert zweimal 15 Minuten, mit einer kleinen Theorieeinheit dazwischen. Ein Computer zeichnet während der Fahrt Geschwindigkeit, Spritverbrauch, Drehzahl und CO2-Ausstoß auf. "Und danach üben Sie das bitte auch im Alltag", sagt Schulz.

Der vierte oder fünfte für die Stadt

Denn er findet, dass ich oft einen zu niedrigen Gang einlege. "Als Faustregel gilt: bei 30 km/h im dritten, bei 40 km/h im vierten, bei 50 km/h im fünften Gang." Absaufen wie früher würden die modernen Motoren längst nicht mehr. Je niedriger die Drehzahl, desto weniger Benzin wird verbraucht. "Der optimale Gang für die Stadt ist der vierte oder der fünfte", sagt Schulz.

Im Grunde ähnelt spritsparendes Autofahren der Fortbewegung auf dem Fahrrad. Weil sich jeder Tritt dort unmittelbar in den Beinen bemerkbar macht, versuchen kluge Radler von jeher, möglichst kräftesparend vorwärtszukommen: Sie pumpen ihre Reifen ausreichend auf, schalten früh, und wenn es bergab geht, lassen sie das Rad einfach rollen. "Das gilt auch für Autos", sagt Schulz. "Den Schwung nutzen und gleiten. Und möglichst wenig bremsen, denn dabei wird Energie verschwendet."

Klingt alles logisch, nun folgt der Praxistest. Auf der zweiten Fahrt gilt es, das eben Gelernte anzuwenden. Schulz gibt die Gänge im Stakkato vor: "Erster, zweiter, vierter." Das Überspringen eines Ganges ist ungewohnt. "So sind wir aber rascher und länger im höheren Gang", sagt der Fahrlehrer. "Und da vorn ist eine Tempo-30-Zone. Sie können jetzt schon runter vom Gas und es rollen lassen." Das Schild mit der Geschwindigkeitsbegrenzung ist noch etwa 100 Meter entfernt, ich hätte ihm noch keine Aufmerksamkeit geschenkt. Doch auch vorausschauendes Fahren gehört zu den Inhalten, die man im Spritsparkurs lernt.

Sparsamer und schneller

Diese kleinen Tricks zeigen ihre größte Wirkung im Stadtverkehr. Auf der Autobahn hingegen kann nur Sprit sparen, wer insgesamt langsamer fährt oder den Abstand zum Vordermann vergrößert, um unnötiges Bremsen durch zu dichtes Auffahren zu vermeiden.

Den Kurs buchen vor allem Firmen für ihre Außendienstmitarbeiter. "Wenn man bei 40.000 Kilometern im Jahr zehn Prozent Sprit sparen kann, macht das rund 400 Euro aus", rechnet Schulz vor.

Das viele Schalten ist zwar lästig, macht sich aber dank geringerer Drehzahl bezahlt: Nach Auswertung der Computerdaten habe ich fast 20 Prozent weniger verbraucht. Hochgerechnet auf 100 Kilometer betrug mein Durchschnittsverbrauch auf der ersten Fahrt 6,8 Liter, bei der zweiten nur noch 5,58. Außerdem habe ich laut Computerprotokoll 400 Gramm CO2 weniger in die Luft geblasen. Schon nicht schlecht. Aber das Beste ist: Schneller waren wir auch - auf der rund zwölf Kilometer langen Strecke habe ich eine Minute gewonnen.

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