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Energiekrise: Das sozialistische Kuba hofft auf einen Ölboom

Mit einer der weltweit größten Bohrinseln hat der spanische Energiekonzern Repsol-YPF vor der kubanischen Nordwestküste die Erdölsuche aufgenommen.

Ziel ist es, reichhaltige Lagerstätten zu erschließen, die dort in Meerestiefen zwischen 1.000 und 3.000 Metern vermutet werden. Sollten sich die Erwartungen erfüllen, könnte Kuba nicht nur den eigenen Bedarf decken, sondern sogar Erdöl exportieren. Dies würde die wirtschaftlichen Perspektiven der sozialistischen Karibikinsel erheblich verbessern.

Wirtschaftskrise ist auch Energiekrise

Seit dem Zusammenbruch des früheren Ostblocks steckt Kuba in einer schweren Wirtschaftskrise, die zu einem guten Teil auch eine Energiekrise ist. Bis 1989 hatte die Insel von der Sowjetunion große Mengen Erdöl zu Niedrigpreisen erhalten. Der Wegfall dieser Lieferungen hatte drastische Einbrüche bei der Stromversorgung und im Transportwesen zur Folge. Auch die Zuckerproduktion sank rapide, weil es keinen Kraftstoff mehr für die Mähdrescher gab.

Schon seit den neunziger Jahren versucht Kuba daher, die eigene Förderung zu steigern. Angesichts akuten Kapitalmangels gestattete die kommunistische Regierung Firmen aus dem kapitalistischen Ausland, in Kuba zu schürfen. Mit den so genannten Risikoverträgen werden die Partner im Erfolgsfall an den Gewinnen beteiligt, bleiben aber auf ihren Kosten sitzen, wenn sie nichts finden. Bisher waren außer den Spaniern auch Unternehmen aus Frankreich, Großbritannien, Kanada und Brasilien im Einsatz. Firmen aus den USA dürfen sich wegen des von Washington verhängten Handelsembargos nicht in Kuba engagieren.

Drastische Rationierung

Dank verschiedener Funde an der kubanischen Nordküste konnte Kuba seine Förderung im vorigen Jahr auf 4,3 Millionen Tonnen steigern. Damit wurden nach offiziellen Angaben 50,3 Prozent des Verbrauchs gedeckt. Dies gelang aber nur, weil Energie weiter drastisch rationiert wird. In vielen Städten ist das Fahrrad das vorherrschende Fortbewegungsmittel, und zwischen den einzelnen Provinzen gibt es kaum Busse oder Bahnen. An den meist leeren Autobahnen stehen an Brücken und Zufahrten Scharen von Anhaltern, in der Hoffnung, von einem der wenigen Autos mitgenommen zu werden.

Der Golf von Mexiko ist für seinen Erdölreichtum bekannt, und viele Experten vermuten, dass es auch unter den zur kubanischen 200-Meilen-Zone gehörenden Gewässern große Vorkommen gibt. Repsol lässt sich die aus Norwegen stammende Bohrplattform täglich 195.000 US-Dollar (160.000 Euro) Miete kosten. Die kubanische Regierung hat das Seegebiet nordwestlich von Havanna in 59 Blocks aufgeteilt. Auch die kanadische Firma Sherritt International hat Presseberichten zufolge bereits einen Fördervertrag unterzeichnet.

Unabhängigkeit von Venezuela-Importen

Neue Funde würden Kuba zunächst von den Importen aus Venezuela unabhängiger machen. Der befreundete Präsident Hugo Chàvez liefert zwar Öl zu Vorzugspreisen, doch dürfte dieser zu Lasten Venezuelas gehende Handel im Falle eines Regierungswechsels in Caracas schnell beendet werden. Sollte aber das schwarze Gold im Golf von Mexiko sprudeln, könnte dies weiter reichende politische Auswirkungen haben. Branchenkenner vermuten, dass dann die US-Ölindustrie Druck auf ihre Regierung ausüben würde, das Kuba-Embargo aufzuheben. Denn die Kubaner haben die Firmen aus dem großen Nachbarland bereits eingeladen, sich ebenfalls an der Suche zu beteiligen.

Von Klaus Blume, dpa / DPA