Falk-Prozess Einer der letzten Internet-Stars kommt vor Gericht


Am Freitag ist es fast genau 18 Monate her, dass Millionenerbe Alexander Falk zum letzten Mal aus einem Privatjet stieg. Seitdem ist eine neun Quadratmeter große Zelle das Zuhause des einstigen Internet-Stars. Jetzt beginnt der Mammut-Prozess.

Ab Freitag wird Stadtplan-Erbe Alexander Falk vor dem Landgericht der Stadt Hamburg darum kämpfen, dass er als freier Mann in den Elbvorort Blankenese zurückkehren darf. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Kursmanipulation, Betrug und Steuerhinterziehung vor. Den Ermittlern zufolge soll der 35-Jährige im Jahr 2000 bei seinem Internetunternehmen Ision den Umsatz manipuliert haben. Nur dadurch sei es möglich gewesen, das Unternehmen, das Internetauftritte erstellte, für einen dreistelligen Millionenbetrag an die britische Firma Energis zu verkaufen. Beide Firmen gingen später pleite. Falk wird schwerer Betrug in Tateinheit mit Beihilfe zur unrichtigen Darstellung der Verhältnisse einer Kapitalgesellschaft, Verstoß gegen das Aktiengesetz (Kursmanipulation) sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen. Von fünf weiteren Angeklagten gilt der 40 Jahre alte Maarten R. der Staatsanwaltschaft als zweiter Haupttäter, die anderen stehen wegen Beihilfe oder Tatbeteiligung vor Gericht. Als Schaden nennt die Anklage mindestens rund 47 Millionen Euro.

Falk glaubte an das Internet

Falk galt im Jahr 2000 als einer der Stars des Neuen Marktes. Sein Vater hatte den gleichnamigen Stadtplan-Verlag gegründet, den Falk 1995 erbte als er 26 Jahre alt war. Der junge Mann verkaufte das Unternehmen für rund 25 Millionen Euro an Bertelsmann, er hielt Stadtpläne auf Papier für überholt und glaubte an das Internet. Er investierte in die Schweizer Holding Distefora, den Internet-Dienstleister Ision, später sogar in die Frankfurter Traditionsbank Hornblower Fischer.

Im Jahr 2000 - der Internetboom ging zu Ende, die Kurse an der Börse fielen - beschloss Falk, sich von Ision zu trennen. Im September 2000 wurde laut Anklagebehörde dann der Betrugsplan gefasst. Der Umsatz der verlustträchtigen Ision sollte mit Scheingeschäften in die Höhe getrieben werden, so der Vorwurf der Ermittler. Dabei gibt es aber offenbar große Unterschiede zwischen Anklage und Verteidigung bei der Frage, welche Umsätze echte Geschäfte oder Scheingeschäfte waren.

Juristisches Neuland

Der Prozess ist zunächst für ein halbes Jahr geplant. Es handelt sich laut Gericht um das größte Wirtschaftsverfahren, das Hamburg je erlebt hat. Die Beweise umfassen 700 Ordner. Die sechs Angeklagten werden von 13 Anwälten vertreten, darunter Stars der Verteidigerszene wie der Monika Weimar-Anwalt Gerhard Strate.

In dem Verfahren betritt das Gericht juristisches Neuland: Zum ersten Mal werden nämlich die zivilrechtlichen Ansprüche an Falk und die anderen gleich mitverhandelt. Bisher ist es so, dass etwa Betrugsopfer erst nach einem Strafprozess ihre Ansprüche zivilrechtlich durchsetzen konnten. Nun sitzen zwei Anwälte aus Frankfurt gleich mit im Prozess. Nachfolger des britischen Ision-Käufers Energis haben auf 763 Millionen Euro Schadenersatz geklagt. Die Anwälte können zum Beispiel Zeugen befragen oder Anträge stellen.

Zuletzt hatte Falk versucht, angesichts der langen Untersuchungshaft gegen Kaution frei zu kommen. Das Landgericht wollte ihn gegen 2,5 Millionen Euro Kaution und strenge Auflagen freilassen, aber das Oberlandesgericht hob den Beschluss auf und begründete das mit Fluchtgefahr. Vorher hatte Falk allerdings einen juristischen Teilerfolg erzielt, als das Gericht auf seinen Antrag zwei Richter für befangen erklärte.

Claus-Peter Tiemann, AP AP

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