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"Die Stunde Null" "Ein beinhartes Geschäft": Fritz-Kola-Gründer über Stress mit Corona und Coca-Cola

Fritz-Kola-Chef Mirco Wolf Wiegert
Mirco Wolf Wiegert ist Mit-Gründer und Chef von Fritz-Kola
© Christian Charisius/DPA / Picture Alliance
Jahrelang ging es für Fritz-Kola mit frechen Kampagnen nach oben, doch die Pandemie sorgte für massive Einbrüche. Jetzt fährt die Hamburger Firma die Produktion wieder hoch. Mitgründer Mirco Wolf Wiegert erzählt im Podcast von dem Ausnahmejahr – und seinen Plänen für die Zukunft.

Nur noch 20 Prozent der Umsätze – so schlimm war es vor einem Jahr für Fritz-Kola, das erfolgsverwöhnte Getränkeunternehmen aus Hamburg. Nun öffnen Cafés und Restaurants wieder, und Fritz-Kola fährt seit Wochen hoch, um die Nachfrage zu bedienen. "Bei uns herrscht seit Anfang März wieder Hochbetrieb", berichtete Mirco Wolf Wiegert im Podcast "Die Stunde Null". Die Mitarbeiter seien zurück aus der Kurzarbeit und wieder "im vollen Modus". "Uns fehlt noch so ein bisschen das große Get together, das gemeinsame Feiern und irgendwie sich auch erleben. Die Stimmung ist gut, aber nicht überschwänglich." 

Die Corona-Pandemie sei seine "erste große, wirklich fette Krise" gewesen, sagte Wiegert, er habe sie anfangs nicht kommen sehen. 2020 sei ein desaströses Jahr gewesen, ebenso wie für viele Partner in der Gastronomie.

Wiegert hatte Fritz Kola 2002 mit Lorenz Hampl gegründet. Für die Idee kündigten sie ihre Bausparverträge in Höhe von 7000 Euro, die ersten Colas wurde in dem Partykeller eines Hamburger Studentenwohnheims getestet. Später starteten sie mit Hilfe eines Abfüllbetriebes die erste Produktion. Die Marke wuchs erfolgreich, trotz der Übermacht von Coca-Cola und Pepsi. Heute hat die Fritz-Kulturgüter GmbH 270 Mitarbeiter, der Umsatz wurde vor Corona auf gut 50 Millionen Euro geschätzt. 

Neben dem Krisenmanagement war es elementar, die Unternehmenskultur nicht zu verlieren. Nach so vielen Monaten im Homeoffice, sagte Wiegert, nehme in vielen Unternehmen die Loyalität ab, das sei auch bei Fritz-Kola möglich. "Sobald wir uns wieder physisch treffen können, werden als erstes die Leute zusammengetrommelt zum gemeinsamen Austauschen, zum Anfassen, Kennenlernen, einfach zum gemeinsamen Erleben, um den Moment zu genießen", verspricht er. 

Social-Media-Fehde mit Coca-Cola

Zur DNA der Hamburger gehört auch die Provokation – seit Jahren macht Fritz-Kola mit Sprüchen und Kampagnen auf sich aufmerksam. Etwa im Herbst, als auf einem Plakat Donald Trump mit der neuen Null-Zucker-Colaflasche zu sehen war, darunter der Spruch: "Zwei Nullen. Eine schmeckt." Es gab viel Gegenwind. Politische Themen blieben "ein dünnes Eis", räumt Wiegert ein, aber: "Haltung bedeutet auch mal, Kunden zu verlieren."

Eine Fehde in sozialen Netzwerken liefert sich Fritz-Kola derzeit mit Coca-Cola. Dabei geht es um die Nachhaltigkeit der Mehrwegflaschen gegenüber Plastikflaschen. Auf Plakaten sind Zombies zu sehen, die aus Ein-Liter-Plastikflaschen trinken. "Cola oder Limonaden verkaufen ist ein beinhartes Geschäft", sagt Wiegert. Jeden Tag kämen neue Produkte auf dem Markt. "Entweder wir machen gute Arbeit, sind relevant für unsere Kunden und haben dann auch Erfolg. Oder wir sind wieder raus." 

Was ist das Geheimnis ihres Erfolges? "Dass wir durchgehalten haben", sagt Wiegert. "Lange waren wir sehr klein, mussten jeden Tag um jeden Euro kämpfen."

Hören Sie außerdem in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Ob Wiegert sich vorstellen könnte, das Unternehmen zu verkaufen
  • Warum er einen Coach genommen hat und jetzt eine Autobiografie schreibt
  • Ob das Rezept von Fritz-Kola so gut behütet ist wie diejenige von Coca-Cola

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