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Gefälschte Lebensmittel: Affenfleisch und Dünger im Zucker: Foodwatch fordert Konsequenzen

10.000 Tonnen gefälschter Lebensmittel und eine Million Liter gepanschter Getränke: Europol und Interpol sorgen mit einem Rekordfund für Aufsehen. Nun fordern Verbraucherschützer strengere Gesetze und mehr Kontrollen.

Italienische Beamte stellten 85 Tonnen mit Kupfersulfat gefärbter Oliven sicher. Die ungarischen Kollegen entdeckten zwei Tonnen Entenfleisch, das als Gänseleber verkauft werden sollte.

Italienische Beamte stellten 85 Tonnen mit Kupfersulfat gefärbter Oliven sicher. Die ungarischen Kollegen entdeckten zwei Tonnen Entenfleisch, das als Gänseleber verkauft werden sollte.

Nach dem Fund von Rekordmengen gefälschter Lebensmittel in über 50 Ländern fordert die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch eine strengere Ahndung. Handelskonzerne und Hersteller müssten "per Gesetz zu detaillierten Eigenkontrollen ihrer Produkte verpflichtet werden", erklärte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode am Donnerstag. Damit solle sichergestellt werden, dass die Lebensmittel weder falsch deklariert noch gesundheitsgefährdend sind. Bei Verstößen müssten Firmen mit am Gewinn orientierten Unternehmensstrafen haften, so Bode weiter.

Europol hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass Polizei und Zoll von November 2015 bis Februar 2016 in 57 Ländern mehr als 10.000 Tonnen und eine Million Liter gefälschter Lebensmittel sichergestellt hätten. Gefunden wurden zum Beispiel gefärbte Oliven, mit Kunstdünger verlängerter Zucker und gepanschter Alkohol. Die Waren könnten mit hohen Gesundheitsrisiken verbunden sein, hieß es. "Alle Arten von überall auf der Welt werden gefälscht", hieß es in dem Bericht.

Affenfleisch, Heuschrecken und Raupen

Gefälscht waren auch Sardinen in Bolivien, Schokolade in Ungarn oder Süßigkeiten für Kinder in Rumänien. Billiges Entenfleisch wurde als teure Gänseleber angeboten. Am Brüsseler Flughafen Zaventem entdeckte der Zoll mehrere Kilo Affenfleisch, in Frankreich stellten die Beamten elf Kilo Heuschrecken und 20 Kilo Raupen sicher.

Rücksichtslos wurde den Angaben zufolge auch ungenießbarer Fisch als hochwertig ausgezeichnet oder bei Diätprodukten das Haltbarkeitsdatum gefälscht. In Thailand verhinderten Ermittler etwa den Verkauf von 30 Tonnen Büffel- und Rindfleisch aus Indien. Es war zum Verzehr ungeeignet, sollte aber in Supermärkten verkauft werden.

Foodwatch-Chef verwies am Donnerstag auch auf den Pferdefleischskandal, der 2013 ans Licht kam. Dabei wurde billiges Pferdefleisch als Rindfleisch ausgegeben und verkauft. Spätestens seitdem wisse man, dass kriminelle Netzwerke beim Fälschen von Lebensmitteln im großen Stil aktiv seien.

bak/DPA