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200 Jahre nach Waterloo: Der bizarre Krieg um eine Gedenkmünze

Belgien wollte den Sieg über Napoleon mit einer Gedenkmünze feiern. Paris tobte und verbot den Jubeltaler. Aber die listigen Belgier fanden einen Weg.

Von Gernot Kramper

Poster für den Verkauf der Münze.

Poster für den Verkauf der Münze.

Vor 200 Jahren wurde Napoleon bei Waterloo endgültig besiegt. Der Kaiser musste abdanken und wurde nach St. Helena verbannt. Ganz Europa atmete auf. Eigentlich ein Grund zur Freude, war der Korse doch ein wüster Gewaltherrscher. So oder so ähnlich dachte man jedenfalls in Belgien, dem Land, in dem sich die Schlacht ereignete, und wollte das freudige Ereignis mit einem eigens geprägten Jubel-Taler feiern. Gedacht war an eine 2-Euro-Münze. 180.000 Stück wurden bereits geprägt.

Das war eine offene Kriegerklärung an Paris. Dort hat man die nationale Schmach von 1815 noch nicht vergessen. Napoleon, ein Gewaltherrscher? Sicher es gab ein paar Kriege und ein paar Tote. Doch immerhin brachte Napoleon den rückständigen Europäern die Aufklärung, die Hausnummern, den Rechtsverkehr und ein anständiges Gesetzbuch. Dass die kleinen Nachbarn den Fall der französischen Adler auf den belgischen Matsch-Acker nun mit einer Münze feiern wollten, konnte die französische Regierung nicht verwinden. Zumal auf dem Münze ein triumphierender Löwe auf dem Hügel thronte, vor dem 1815 die Alte Garde verblutete.

Die Union in Gefahr

Sie nutzte ihre Möglichkeiten in der EU, um den Belgiern den Verkauf der Münzen zu verbieten. Paris trug vor, eine Münze, die diese Demütigung verherrliche, würde die Einheit Europas gefährden. Die fürchterliche 2-Euro-Münze könnte in Frankreich unabsehbare Reaktionen hervorrufen. Kurzum: Eine Gefahr für die Union.

Damit war die 2-Euro-Münze tot. Doch so leicht ließen sich die kleinen Nachbarn nicht einschüchtern. Sie entdeckten eine Lücke im Regelwerk, die es allen Mitgliedsländern erlaubt, Münzen ohne Mitsprache anderer Länder zu prägen, solange sie ungewöhnliche Werte zeigen. Einziges Problem: Gesetzliches Zahlungsmittel sind diese Münzen nur im Land, das sie ausgegeben hat. So wurde die 2,5-Euro-Gedenkmünze geboren. Selbst die Bestände konnten die Belgier wieder auffüllen: Bis jetzt wurden 70.000 Münzen geprägt.

Mit 2,5 Euro tricksten die Belgier Paris aus.

Mit 2,5 Euro tricksten die Belgier Paris aus.

Johan Van Overtveldt, der belgische Finanzminister, betonte, die Münzen seien nicht dafür gedacht, Paris zu provozieren. Tatsächlich gäbe es für die europäische Integration wichtigere Probleme als die Münze. Aber er sagte auch: "Es gibt keine Schlacht in der neueren Geschichte, die so bedeutend ist, wie die von Waterloo, oder die das Bewusstsein der Welt so gefangen genommen habe."

Abzuwarten bleibt, wie Paris es nun verhindern will, dass Schlacht-Touristen die Münze nach Frankreich schmuggeln.


Das Video stammt aus dem Film "Waterloo" und zeigt den Höhepunkt der Schlacht.

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