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"Napoleon": Die «Mutter aller Koproduktionen»

Der ZDF-Vierteiler über das Leben Napoleons, mit internationalen Top-Schauspielern gespickt, fand große Zuschauerresonanz.

Historische Verfilmungen sind eine großartige Visitenkarte für die meisten Fernsehsender. Vor allem die öffentlich- rechtlichen TV-Anstalten versuchen derzeit, sich mit Geschichtsstoffen von der Konkurrenz abzusetzen. Das ZDF-Projekt über ads Leben Napoleons mit Christian Clavier in der Hauptrolle, Gerard Depardieu, John Malkovich sowie den Deutschen Marie Bäumer, Sebastian Koch und Heino Ferch in weiteren Rollen fand großen Zuspruch.

Mit rund 40 Millionen Euro Kosten gehört «Napoleon» zu den teuersten Produktionen der Fernsehgeschichte. Von deutscher Seite ist die Kirch Media beteiligt, die schon Monate vor ihrer Insolvenz in das Projekt einstieg. Das ZDF steuerte fünf Millionen Euro bei. Diese Kraftanstrengung ist nach den Worten von Fernsehspielchef Hans Janke wichtig gewesen: «Fernsehen bewegt sich zwangsläufig in gewissen alltäglichen Niederungen», sagt er. «Da müssen wir manchmal den Gang ganz nach oben wagen. Das strahlt dann auf alles Übrige aus.» Gedreht wurde mit 20.000 Komparsen in sieben Ländern einschließlich der napoleonischen Verbannungsinseln Elba und St. Helena.

Der Vierteiler schildert das Leben des französischen Feldherrn von den Anfängen seiner Militärkarriere bis zu seinem Tod 1821 im Exil auf der Atlantik-Insel St. Helena. Die «Mutter aller Koproduktionen» ist nach den Auskunft von Regisseur Yves Simoneau nicht nur die umfassendste Geschichte über den Korsen Napoleon Bonaparte, der ganz Europa eroberte und wieder abgeben musste, in Film und Fernsehen erzählt wird. Es handele sich auch um einen «vielschichtigen» Napoleon, dessen Schwächen und Frauen genau so ausführlich behandelt würden wie seine militärischen Leistungen. Außer Frankreich und Deutschland mischen noch TV-Firmen aus Spanien, Italien, Ungarn und Österreich an der Mammutproduktion mit.

Auch Gérard Depardieu hat sich nicht nur als Schauspieler - er spielt den Polizeiminister Joseph Fouché - eingebracht, sondern als Mit-Produzent. Selber Napoleon zu spielen wäre nichts für ihn gewesen, sagt der 53-jährige Lebemann. In die Hauptrolle ist daher «Asterix»-Darsteller Christian Clavier geschlüpft, der so wie Napoleon 1,68 Meter misst. Weil Koproduktionen - um jeden der Teilnehmerländer gerecht zu werden - auch international besetzt werden müssen, hat Deutschland unter anderem mit Marie Bäumer (als Napoleons Schwester Caroline) und Heino Ferch (als Marquis de Coulaincourt) zwei seiner talentiertesten Schauspieler in die TV- Materialschlacht geschickt.

Die meisten Darsteller bietet Ungarn auf. Denn die Armee hat für den Dreh an der Donau eine vierstellige Zahl von Soldaten abgestellt. Sie durchkämpften noch einmal die Schlachten bei Austerlitz und das für Napoleon vernichtende Waterloo. Der Feldherr wird im Film bis zu seinem Sterbebett begleitet - erstmals an Originalschauplätzen in dessen Exil auf St. Helena. Das Risiko, der Film könne zu einem finanziellen Flop geraten, ist offenbar gering. Von der Kirch Media hieß es bereits während der Dreharbeiten, die 40 Millionen Euro Kosten seien «fast vollständig» durch Auslandsverkäufe refinanziert.