Jena und Auerstedt Schwarzpulver und feiner Wein


Vor 200 Jahren stand Napoleons Armee den preußischen Truppen in Jena und Auerstedt gegenüber. Es folgte eine blutige Schlacht. Heute ist die Landschaft so lieblich als wäre nichts geschehen. Doch manche Spuren bleiben.

"Wer von Anfang an weiß, wohin er geht, der kommt nicht weit." Eine Rechtfertigung Orientierungsloser? Oder die Aufforderung, sich in unbekannte Abenteuer zu stürzen? Weit gefehlt. Der Ausspruch wird Napoleon Bonaparte (1769-1821) zugeschrieben. Das jedenfalls hat Mario Schiek herausgefunden. Und schon bekommen die Worte historisches Gewicht. Aber vielleicht sollte man nicht weiter über den philosophischen Gehalt nachdenken, sondern sich einfach der fachkundigen Führung des promovierten Historikers anvertrauen.

Schiek entführt in seiner thüringischen Heimat zu historisch-kulinarischen Weinwanderungen. Vom Dichterfürsten Friedrich Schiller ist bekannt, dass er den Wein liebte. Aber natürlich war auch ein nüchtern denkender Stratege wie Napoleon einem guten Tropfen nicht abgeneigt. So lässt sich auf seinen Spuren nicht nur zum diesjährigen 200. Jubiläum der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt die liebliche Landschaft rund um das blutige Schlachtfeld von 1806 genussvoll erkunden.

Wanderweg der Marschälle

Bis heute sind zahlreiche Spuren der damaligen Ereignisse in der Region zu finden: Gebäude und Gedenksteine, die über Truppenstärke und Schlachtverlauf informieren. Nicht zuletzt zieht der Napoleonwanderweg, der den historischen Truppenbewegungen folgt, Jahr für Jahr viele Besucher in den Freistaat. Die Teilstrecken tragen die Namen der wichtigsten französischen und preußischen Befehlshaber wie der Marschälle Ney und Bernadotte sowie der Generäle Tauentzien und Blücher. Das Rendezvous mit der Geschichte boomt. Einen wahren Ansturm erlebt die Region, wenn alle fünf Jahre die Niederlage der Preußen in Szene gesetzt wird.

Auch Mitte Oktober des deutsch-französischen Jahres 2006 werden mehr als 1000 Mitglieder militärhistorischer Vereine aus zehn europäischen Staaten in originalgetreuen Uniformen die Schlacht nachstellen. Ohne Schwarzpulver und Säbelgerassel, eher auf die feinsinnige Art verläuft die Begegnung mit Napoleon im Gefolge Schieks. Wie nebenbei lenkt er Schritte und Gaumen zu sechs wichtigen Stationen im Leben des Kaisers der Franzosen und würzt diese mit unterhaltsamen und wissenswerten Informationen.

Vom Militärgelände zum Naturschutzgebiet

Die Napoleonstraße verbindet die historischen Schlachtfelder von Jena und Auerstedt. In Jena beginnend, führt sie über Cospeda. Hier beginnt auch Schiek, unverwechselbar am napoleonischen Dreispitz zu erkennen, seine Wanderung für Geist und Sinne.

Keinen halben Kilometer vom Cospedaer "Museum 1806" entfernt steht der Napoleonstein auf der Spitze des Landgrafenberges. Das Cospedaer Plateau war in DDR-Zeiten der Öffentlichkeit nicht zugänglich und diente als militärisches Übungsgelände. Als die sowjetischen Panzer verschwunden waren, wurde es zum Naturschutzgebiet "Windknollen". Mit Halbtrockenrasen und zahlreichen Kleingewässern ein idealer Lebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Napoleons Lieblingswein

Die höchste Erhebung auf dem Schlachtfeld war der Dornberg zwischen Krippendorf und Closewitz, von wo aus das gesamte Schlachtgebiet in Richtung Norden und Westen überblickt werden konnte. Heute hat der Besucher einen spektakulären Blick auf das mittlere Saaletal und die traditionsreiche Universitätsstadt Jena. Entstanden aus einer alten Weinbauernsiedlung, wurde sie 1236 als Stadt beurkundet. Das Saale-Unstrut-Tal gilt als das nördlichste Qualitätswein-Anbaugebiet. Bei der Wanderung wird ein sächsischer Riesling aus Meißen genauso verkostet wie ein Rotwein aus der Appellation Ajacco auf Korsika, Napoleons Geburtsstadt.

Die Wanderung gipfelt schließlich in einem französischen Menü, das aus einem Stück Corsica besteht, köstlichem Schafsmilchkäse, der auf Korsika nach alter Tradition hergestellt wird, einem in Pinnot Noir zubereiteten Burgundergulasch und einem Dessert. Benebelt sind Schieks Gäste dann weniger vom Schwarzpulverrauch als vom süffigen, portweinähnlichen Vin de Constance. Von dem berühmten Süßwein, der zu Napoleons Lieblingsweinen gehörte, werden pro Jahr nur 25.000 Flaschen produziert. Auch korsische Winzersprüche führt Schiek ins Feld: "Wer immer Wasser trinkt, wird Frösche im Bauch haben." Oder: "Man findet einen Wein gut, wenn keiner mehr da ist."

Cornelia Höhling/DDP DDP

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