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200. Jahrestag der Schlacht: Neun Dinge, die von Waterloo geblieben sind

Vor genau 200 Jahren verlor Napoleon Bonaparte gegen Engländer und Preußen die Schlacht von Waterloo - die Niederlage gilt als Inbegriff des Scheiterns. Was ist geblieben von dem Mythos? Neun überraschende Fakten.

Von Niels Kruse

Waterloo - Nachstellung der Schlacht in historischen Kostümen

In Waterloo, dem kleinen Örtchen bei Brüssel, stellen Enthusiasten die Schlacht historisch korrekt nach. Entsprechend laut ist der Kanonendonner

  1. Die legendäre Schlacht bei Waterloo hieß nicht immer so, beziehungsweise überall. In Frankreich gibt es auch die Bezeichnung "Bataille de Mont Saint-Jean" (nach einem Gutshof in der Nähe Waterloos), in weiten Teilen Deutschlands war es bis vor 50, 60 Jahren noch üblich, sie als "Schlacht bei Belle-Alliance" zu bezeichnen (nach dem Gasthaus, in dem Napoleon sein Hauptquartier eingerichtet hatte).
  2. In vielen deutschen Städten gab und gibt es Belle-Alliance-Straßen und Plätze, die im Laufe der letzten Jahrzehnte aber zivileren Namen wichen. In Berlin etwa wurde 1947 aus der Bellealliancestraße der jetzige Mehringdamm. In Hamburg dagegen geht die Bellealliancestraße im Stadtteil Eimsbüttel in die Waterloostraße über.
  3. Die Bezeichnung "Schlacht von Waterloo" wurde vom englischen Heerführer Wellington geprägt, der mithilfe der Preußen Napoleons Armee schlug. Er hatte in dem Örtchen sein Hauptquartier. Der Name setzte sich im Laufe der Jahrhunderte auch international durch.
  4. Waterloo liegt wenige Kilometer südlich von Brüssel, hat rund 30.000 Einwohner und ist mittlerweile ein beliebter Wohnort für wohlhabende Brüssler und Ausländer.
  5. Der Name Waterloo bedeutet in etwa "Wasserwald" und wird nicht englisch mit "u", sondern mit langem "o" am Ende ausgesprochen.
  6. Waterloo hat es gleich in zwei berühmte Songs geschafft: In Abbbas ersten Superhit und Grand-Prix-de-la-Chanson-Siegertitel "Waterloo" (ein Liebeslied, das die Schlacht als Sinnbild von Aufgabe und Niederlage benutzt) sowie in "Waterloo Sunset" von den Kinks (in dem der Londoner Bahnhof Waterloo besungen wird). Außerdem hieß ein österreichisches Schlagerduo Waterloo und Robinson (die 1979 den Hit " Do you remember Marianne" hatten).
  7. Der siegreiche Herzog von Wellington wurde für seine militärische Leistung (die Gegend gehörte damals noch zu den Niederlanden) zum "Fürst von Waterloo" ernannt.
  8. Die Nachfahren der drei Waterloo-Generäle Bonaparte, Blücher und Wellington haben sich erstmals persönlich getroffen. Im Gutshof Hougoumont, unweit des Schlachtfelds, gaben sich am Vortag des 200. Jahrestags Prinz Charles Bonaparte, der Fürst von Blücher und der Herzog von Wellington die Hand.
  9. Was wäre, wenn Napoleon die Schlacht bei Waterloo gewonnen hätte, beschäftigt auch seriöse Forscher. Obwohl die Antwort Spekulation ist, sind sich viele darin einig, dass der Franzose seinen Siegeszug fortgesetzt und mindestens weite Teile Deutschland (zurück-)erobert hätte. Etwa Bremen und Lübeck. Radikale Denker waren schon im 19. Jahrhundert sicher: Ohne die Niederlage bei Waterloo wäre Napoleon sogar bis nach China gekommen. Und Großbritannien wäre nie zu dem Imperium geworden, das es einmal war.

Eine Reportage über die Nachstellung der Schlacht von Waterloo lesen Sie im neuen stern