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Abgeltungssteuer: So retten Sie Ihre Kursgewinne

Fondssparer und Aktionäre sind die Verlierer der Abgeltungssteuer. Wer den bisherigen Vorteil steuerfreier Kursgewinne noch retten will, muss bis zum Jahresende handeln. Allerdings gilt dabei auch: Vorsicht beim Steuerschlussverkauf.

Von Frank Donovitz und Joachim Reuter

Des einen Freud ist des anderen Leid: So wie die Abgeltungssteuer Zinssparen attraktiver macht, vermiest sie Anlage in Aktien. Bisher waren Kursgewinne nach einem Jahr Besitz steuerfrei. Bei Aktien, die nach dem 31. Dezember gekauft werden, zieht der Fiskus auch beim Verkauf nach Jahresfrist ein Viertel der Wertsteigerung ab. Damit nicht genug. Bislang sind Erträge aus Aktien - die Dividenden - nur zur Hälfte steuerpflichtig (Halbeinkünfteverfahren). Das gilt ab Januar nicht mehr. Aktionäre müssen Dividenden dann voll versteuern, allerdings zum Abgeltungssatz von 25 Prozent.

Lesen Sie in der FAQ-Liste über die Folgen im Einzelnen.

Aktien und Aktienfonds

Vor allem langfristig orientierte Aktienanleger und Aktienfondssparer, immerhin knapp zwölf Millionen Deutsche, sind gekniffen: Bei langfristigen Aktienanlagen entstehen zwei Drittel der Rendite aus der Kursentwicklung, der kleinere Teil stammt aus den Dividenden.

Verlustverrechnung wird beschränkt

Das wirkt sich so aus: Wer noch bis Jahresende 20.000 Euro in einen Aktienfonds investiert, kann bei einer jährlichen Wertentwicklung von durchschnittlich acht Prozent in 20 Jahren mit einem Depotwert von rund 93.000 Euro rechnen. Wer sich erst nach Silvester entscheidet, hat nach 20 Jahren rund 13.000 Euro weniger auf dem Konto - durch Steinbrücks neue Steuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer mit eingerechnet.

Auch die Verrechnung von Verlusten wird beschränkt: Gewinne mit einzelnen Aktien können nur noch mit Verlusten aus anderen Aktiengeschäften verrechnet werden. Profite aus Aktienfonds sind nicht länger mit Verlusten aus der Direktanlage in Aktien ausgleichbar, sondern nur mit Verlusten aus Anlagen in Investmentfonds, Anleihen oder Zertifikaten.

Genauen Kosten prüfen

Weil die Aktienfondssparer zu den klaren Verlierern der Abgeltungssteuer gehören werden, ist es kein Wunder, dass Berater in Banken, Sparkassen und Wohnzimmern derzeit ihre Kunden geradezu bedrängen, dieses Jahr noch einmal Fondsanteile zu kaufen, dann gaaanz lange liegen zu lassen und schließlich - irgendwann - steuerfrei wieder zu Geld zu machen. Mit Gewinn, versteht sich. Doch Vorsicht! Viele Angebote sind teuer. An ihnen verdienen vor allem die Berater und die Investmentgesellschaften. Fondssparer handeln also besser nach der Devise: Drum prüfe, wer sich ewig bindet.

Dachfonds I

Die Kundenberater an den Bank- und Sparkassenschaltern preisen derzeit vor allem Dachfonds als Patentmittel gegen die Abgeltungssteuer an. Zu den 700 Fonds sollen bis Jahresende noch einmal so viele hinzukommen. Sie investieren die Kundengelder in mehrere Einzelfonds. So sollen Risiken gestreut, Chancen erhöht und steuerpflichtige Umschichtungen vermieden werden. Laut Werbung packt man am besten sein gesamtes Vermögen hinein, denn ein Fonds soll das ganze Depot ersetzen - unter seinem Dach wird das Geld sowohl in Fonds mit Aktien und Anleihen sowie mitunter auch mit Immobilien verteilt.

Bisher magere Bilanz

Viel Gerede, wenig dahinter: Dachfonds gibt es schon seit vielen Jahren - und ihre Bilanz ist meist mager. Sie sind typischerweise teuer, undurchsichtig und renditeschwach. Die Wertentwicklung aktienorientierter Dachfonds erreichte im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre gerade 0,8, in den letzten fünf Jahren 4,8 Prozent jährlich. Verglichen mit Einzelfonds, die weltweit in Aktien investieren, sind die Dachfonds-Profite eher dürftig. Zumal, wenn man sie mit den besten Aktienfonds am Markt vergleicht: Diese erreichten in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt sogar zweistellige Wertzuwächse (siehe Tabelle).

Dachfonds II

Fast alle Anbieter von Dachfonds haben gut gemanagte, international anlegende Aktienfonds im Programm, die sich langfristig als das bessere Investment erweisen dürften. Auch Indexfonds sind eine Alternative. Sie bilden Aktienindices wie den Dax-Index für die 30 größten deutschen Börsenfirmen oder den Eurostoxx-Index für Aktien aus Euroland nach. Indexfonds werden kostengünstig, also ohne Ausgabeaufschlag, an der Börse gekauft und haben sehr niedrige Verwaltungskosten (siehe Tabelle).

Risko: Auflösung

Außerdem bedenkenswert: Gerade viele neue, aber auch manche alte Dachfonds, die weniger als 20 Millionen Euro Kundengelder verwalten, sind stets von der Auflösung bedroht - allein aus Kostengründen. Spätestens in einem solchen Fall geht das Steuervermeidungskalkül nicht mehr auf. Das alles gilt übrigens auch für sogenannte Misch-, Garantie- oder Lebenszyklus-Fonds, die in der jüngsten Zeit auf den Markt gekommen sind: Ob sie den Kunden gute Erträge bringen, ist völlig ungewiss, beeindruckend sind meist nur Kosten.

Solche Schlussverkaufsangebote lohnen sich garantiert nur für die Anbieter und Verkäufer. Deshalb: Finger weg!

Zertifikate

Bisher waren diese Wertpapiere das Steuersparprodukt Nummer eins. Jetzt sind sie entzaubert. Denn für Zertifikate hat das Zeitalter der Abgeltungssteuer schon am 15. März 2008 begonnen. Papiere, die seither gekauft wurden (oder werden) und nach dem 30. Juni 2009 wieder verkauft werden, unterliegen bereits der neuen Besteuerung. Zertifikate sind sogenannte Schuldverschreibungen von Banken und nicht ohne Risiko. Geht die Bank pleite - wie jüngst das US-Investmenthaus Lehman -, verliert der Zertifikate-Anleger im Unterschied zum Fondssparer sein gesamtes Geld. Zudem erhalten Zertifikate-Inhaber in aller Regel keine Ausschüttungen aus Zinsen, Dividenden oder Mieten. Der Profit soll sich allein aus der Kurssteigerung ergeben - künftig aber minus 25 Prozent.

Bedauerlich ist das für manche Rohstoff-Papiere. Bisher konnten Kleinanleger mit Zertifikaten etwa auf Gold oder Agrarrohstoffe vergleichsweise günstig und direkt an deren Preisentwicklung teilhaben. Solche Investments können die Risikostreuung im Wertpapierdepot verbessern. Das gilt zwar auch weiterhin, jedoch mit einem Viertel weniger Ertrag. Für Gold bleibt ein Ausweg: der Kauf von Barren oder Münzen. Denn dann bleibt der Verkaufsgewinn nach einem Jahr steuerfrei - wie auch bei Kunstwerken oder Antiquitäten.

Vermögenswirksame Leistungen

Kniffelig wird ab Januar die Rechnung für Fonds-Sparpläne. Vier Millionen Arbeitnehmer sparen mit Unterstützung ihres Arbeitgebers regelmäßig in Aktienfonds. Wer sechs Jahre lang die vermögenswirksamen Leistungen (VL) von 40 Euro monatlich in einen VL-Aktienfonds eingezahlt hat, konnte sich nach einem Jahr Wartezeit bislang über einen durchschnittlichen Depotwert von rund 4000 Euro freuen. Die gesamte Wertentwicklung von durchschnittlich acht Prozent jährlich gab es steuerfrei. Mit den staatlichen Zulagen wurden sogar Renditen von mehr als zehn Prozent im Jahr erreicht. Ein sehr gutes Geschäft - besonders für zulagenberechtigte Geringverdiener.

Auch hier schlägt die Steuer zu

Dieses gute Geschäft verschlechtert sich ab Januar 2009 deutlich. Für jeden Fondsanteilskauf nach dem 31. Dezember wird die Bank oder Fondsgesellschaft künftig beim Verkauf berechnen, ob der Anleger einen Gewinn oder einen Verlust gemacht hat. Von der Summe der Käufe mit Gewinn wird die Summe der Verlustgeschäfte abgezogen. Kommt dabei ein Plus heraus, wird davon 25 Prozent Steuer abgezogen.

Ein Rechenbeispiel: Ein Aktienfonds-Sparer hat mit seinen vermögenswirksamen Leistungen binnen sechs Jahren deutlich mehr Käufe mit Gewinn als Verlustgeschäfte gemacht. Der Wertzuwachs von rund 1200 Euro (4000 Euro Depotwert minus 2880 Euro eigene Einzahlung) ist dann abgeltungssteuerpflichtig. Der Gewinn sinkt um 300 Euro auf gut 3700 Euro.

Alternative: Banksparplan

Für Gering- und Mittelverdiener mag sich diese Geldanlage immer noch rechnen, da sie auch staatliche Zulagen erhalten. Haushalte hingegen, die ihren Sparerpauschbetrag ausgeschöpft haben, sollten künftig andere Varianten des VLSparens prüfen. Wer ab dem kommenden Jahr 40 Euro monatlich in einen VLBanksparplan zum Beispiel bei der INGDiba investiert, erhält nach Kosten und Abgeltungssteuer immerhin 3177,33 Euro ausgezahlt (jährlicher Festzins 3,25 Prozent, sechs Jahre Einzahlung, ein Jahr Wartezeit). Das ist zwar weniger als beim Aktiensparen - aber auch ohne jedes Risiko.

Fazit

Wer trotz aktueller Finanzkrise langfristig sein Vermögen mit Aktien und Aktienfonds mehren möchte, sollte noch in diesem Jahr kaufen. So lässt sich die Steuerfreiheit von Verkaufsgewinnen nach einem Jahr Besitz dauerhaft sichern. Für Kleinanleger sind erfolgreiche, weltweit investierende Aktienfonds geeignet, die seit mindestens fünf Jahren zu kaufen sind.

Tipp für Einmalanlagen: Der Kauf der Fondsanteile über die Börse spart den Ausgabeaufschlag.

Tipp für Sparpläne: Nur noch bis zum Jahresende einzahlen und die Fondsanteile auf dem Depot-Konto stehen lassen. Sie bleiben von der Abgeltungssteuer verschont. Zum 1. Januar 2009 ein zweites Depot- Konto eröffnen und neu gekaufte Anteile darauf verbuchen. Dann sind die Papiere mit und ohne Abgeltungssteuerabzug klar getrennt.

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Von:

Joachim Reuter und Frank Donovitz