Gipfelstürmer DAX klettert auf 12-Monats-Hoch


So stark war der Deutsche Aktienindex schon seit 12 Monaten nicht mehr: 3648 Punkte zeigte das Börsenbarometer Mittwoch nachmittag. Finanzwerte und die SAP-Aktie hatten sich dafür ordentlich ins Zeug gelegt.

Kräftige Kursgewinne der Finanzwerte und der SAP-Aktie haben den Deutschen Aktienindex DAX am Mittwoch auf ein 12-Monats-Hoch getrieben. Das Börsenbarometer stieg am Nachmittag um 2,27 Prozent auf 3648 Punkte. Auf diesem Niveau hatte der Titel zuletzt Anfang September vergangenen Jahres gestanden. Der MDAX rückte um 1,29 Prozent auf 4171 Zähler vor. Der TecDAX gewann 2,94 Prozent auf 560 Punkte.

"Die ordentlichen Umsätze sprechen für eine gewisse Nachhaltigkeit des Kursaufschwungs", sagte Aktienhändler Oliver Opgen-Rhein von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Zudem habe der Index bei 3615 Punkten den langfristigen Abwärtstrend überwunden. Ein anderer Marktbeobachter verwies zudem auf die zuletzt meist positiven Konjunkturdaten aus den USA und der Eurozone.

Auch in USA und Japan Grund zur Freude

Im Verlauf des letzten Tages hatten bereits die amerikanische und die japanische Börse Erfolge gemeldet. Die New Yorker Aktienkurse waren Dienstag insbesondere dank der Technologiewerte kräftig gestiegen und erreichten das höchsten Kursniveau seit Mitte vergangenen Jahres. Börsianer sprachen von einem wachsenden Optimismus. Allerdings warnten sie auch dafür, zu viel in die Rallye hinein zu interpretieren. In diesem Sogwasser stiegen Technologie-Aktien auch in Japan. Der Nikkei-Index schaffte am Mittwoch einen Schlussstand über der Marke von 10.700 Punkten.

Bankenwerte gefragt

Gefragt waren in Deutschland dagegen vor allem die Bankenwerte. Die HVB-Aktie zog um 7,63 Prozent auf 16,65 Euro an. Die Investmentbank UBS hatte den Titel zum Kauf empfohlen und das Kursziel von 15 auf 18 Euro erhöht. Zudem peilen die Münchner für 2003 einen Abbau der Kosten um 10 Prozent an. Der Kurs der Deutschen-Bank-Aktie stieg um 5,04 Prozent auf 57,06 Euro. Händler verwiesen auf positive Nachrichten. Der Umbau des größten deutschen Finanzhauses habe bereits zu einer massiven Kostensenkung und Ertragssteigerung geführt, sagte Vorstandssprecher Josef Ackermann auf der Handelsblatt-Jahrestagung 'Banken im Umbruch' in Frankfurt. Commerzbank-Titel rückten um 4,02 Prozent auf 13,45 Euro vor.

SAP-Aktien stiegen nach positiven Analystenkommentaren um 5,40 Prozent auf 119,35 Euro. Morgan Stanley hatte die Aktie des Software-Herstellers auf 'Übergewichten' hochgestuft. Auch CSFB setzte den Titel hoch.

Hoffnung auf Erholung im Reisegeschäft

Die Aktie des Reiseunternehmens TUI setzte sich mit plus 8,27 Prozent auf 16,75 Euro an die DAX-Spitze. Von einem "Nachholbedarf im Vergleich zu den meisten anderen DAX-Werten" sprach Per-Ola Hellgren, Analyst von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Das Ende der Lungenkrankheit Sars und Anzeichen einer weltweiten konjunkturelle Erholung schürten Hoffnungen auf steigende Buchungszahlen im Reisegeschäft.

mobilcom-Titel legten im TecDAX um 6,40 Prozent auf 10,97 Euro zu. Es gebe Gerüchte, dass die Swisscom AG mobilcom für eine Milliarde Euro übernehmen wolle, sagte ein Händler. Die Schweizer Telekomgesellschaft und mobilcom lehnten einen Kommentar dazu ab.

Am Rentenmarkt sank der REX um 0,08 Prozent auf 116,71 Punkte. Der Bund Future gewann 0,2 Prozent auf 112,80 Punkte. Die Umlaufrendite stieg auf 4,09 (Dienstag: 4,08) Prozent. Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0783 (Dienstag: 1,0849) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9274 (0,9217) Euro.

Elektronischer Abendhandel stirbt

Die Deutsche Börse schränkt den umstrittenen Abendhandel ein. Vom 3. November 2003 an ist das elektronische Handelssystem Xetra nur noch von 09.00 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet statt wie zuvor bis 20.00 Uhr. Dies kündigte die Betreiberin der Frankfurter Wertpapierbörse am Mittwoch in Frankfurt an. Auf dem Parkett können Anleger dagegen weiterhin bis 20.00 Uhr ihre Wertpapiergeschäfte tätigen. Seit der Flaute an den Aktienmärkten hatten insbesondere die Banken gefordert, das magere Geschäft in den Abendstunden einzuschränken.

Mit der Entscheidung werde dem Wunsch der Anleger Rechnung getragen, sich an die Zeiten der anderen europäischen Aktienmärkte anzupassen, begründete die Deutsche Börse AG die Entscheidung. Die Verkürzung soll zunächst für ein Jahr gelten. In sechs Monaten soll überprüft werden, ob dieser Zeitraum verlängert wird. An dem ebenfalls umstrittenen Feierhandel werde dagegen festgehalten, sagte eine Sprecherin.


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