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ALLFINANZ: Allianz schreibt höchsten Quartalsverlust ihrer Geschichte

Ein Zusammenspiel von Abschreibungen, Dresdner Bank, Asbest und Flut reißen ein Loch von 2,5 Milliarden Euro in die Bilanz. Jetzt wird ein rotes Jahresergebnis befürchtet.

Mit einem unerwartet hohen Verlust von 2,5 Milliarden Euro hat der Allianz-Konzern das schlechteste Quartals-Ergebnis seiner Unternehmensgeschichte präsentiert. Auch für das Gesamtjahr drohen erstmals rote Zahlen. Vorstandschef Henning Schulte-Noelle streute in München aber Hoffnung: »Wir dürften damit den Tiefpunkt hinter uns haben.«

Zu viele Sonderbelastungen

Den Einbruch im dritten Quartal erklärte er mit einer Häufung von Sonderbelastungen. Dazu gehörten Abschreibungen auf Wertpapierbestände in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, Rückstellungen für Asbestschäden bei der US-Tochter Fireman's Fund über 762 Millionen Euro, die Flutkatastrophe mit 664 Millionen Euro, der Einbruch an den Kapitalmärkten und eine höhere Risikovorsorge bei der Dresdner Bank. Die Verluste der Dresdner Bank, vor allem aus dem Investmentbanking, drückten das Ergebnis der Allianz im dritten Quartal um insgesamt 972 Millionen Euro nach unten.

Jahresverlust wahrscheinlich

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres rutschte der Versicherungsriese mit einem Minus von 924 Millionen Euro tief in die roten Zahlen. Für das Gesamtjahr deutet vieles darauf hin, dass die Allianz einen Verlust ausweisen muss. Im vierten Quartal sei zwar mit einem deutlich besseren Ergebnis zu rechnen. Ob aber die Gewinnschwelle im vierten Quartal erreicht werde, hänge entscheidend von der Entwicklung der Kapitalmärkte und vom Ausbleiben von Naturkatastrophen ab, erklärte das Unternehmen.

Dafür operatives Ergebnis besser

Auf der anderen Seite sei das operative Ergebnis in den ersten neun Monaten deutlich verbessert worden. Die Prämieneinnahmen im Versicherungsgeschäft seien um 11,9 auf 61,5 Milliarden Euro gestiegen. Das Verhältnis von Einnahmen zu Kosten und Aufwendungen sei deutlicher als erwartet verbessert worden. Die Dresdner Bank habe ihren Verwaltungsaufwand um 10,7 Prozent gesenkt.

2003 »nachhaltige Ergebnisverbesserung« erwartet

Jetzt wird jedes Geschäftsfeld und jede Region auf den Prüfstand gestellt. »Wir durchforsten unser Portfolio und nutzen gleichzeitig jede Chance, um unseren Marktanteil auszubauen«, sagte Schulte-Noelle. Die Allianz bereite sich auf eine längere Periode der Unsicherheit und Unberechenbarkeit bei Konjunktur und Kapitalmärkten vor. Die Gruppe stelle sich so auf, dass sie auch bei »flachen Kapitalmärkten« profitabel arbeiten könne. Im Geschäftsjahr 2003 sei mit einer »nachhaltigen Ergebnisverbesserung« zu rechnen. »Wir haben die Talsohle durchschritten.«

Dann kam die Flut

Die meisten Analysten hatten für das dritte Quartal nur mit einem Verlust von 1,7 Milliarden Euro gerechnet. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres, in das die Terroranschläge auf das Welt-Trade-Center in New York fielen, hatte die Allianz 46 Millionen Euro Verlust gemacht. Für das laufende Jahr hatte Schulte-Noelle zunächst eine Verdoppelung des Jahresgewinns auf drei Milliarden Euro vorhergesagt, diese Prognose aber schon vor der Flut zurück genommen.

Auch Dresdner belastete

Die Dresdner Bank wies für das dritte Quartal einen Verlust nach Steuern von nur 174 Millionen Euro nach Steuern aus, weil sie an die Allianz übertragene Anteile als Veräußerungsgewinn verbuchen konnte. Die Risikovorsorge stieg in den ersten neun Monaten um ein Drittel auf 1,807 Milliarden Euro, das Handelsergebnis sank um 41 Prozent auf 824 Millionen, der Provisionsüberschuss um 17 Prozent auf 2.430 Millionen und der Zinsüberschuss um 21 Prozent auf 2.455 Millionen Euro.

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