Altersvorsorge Was von der Rente übrig bleibt


Sind die Jungen wieder einmal die Gekniffenen? Dass ihre Rente in Zukunft geringer sein wird als die der heutigen Pensionäre, ist den meisten bewusst. Es könnte aber noch dicker kommen.
Von Joachim Reuter

Kürzlich warnte der Präsident der Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, dass die Rente für die jüngeren Arbeitnehmer zum Verlustgeschäft werden könnte. Der Grund: Sie zahlen mehr Beiträge in die Rentenversicherung ein, als sie am Schluss herausbekommen. Das könnte zum Verfassungsproblem werden. Doch der Wirtschaftsweise Bert Rürup widerspricht dieser Behauptung.

Zwei Lager, zwei Meinungen

"Alle Berechnungen der Nachhaltigkeits-Kommission, des Sachverständigenrates oder des Sozialbeirates zeigen, dass die Beitragsrendite der Versicherten in der Zukunft zwar sinken, aber nicht ins Negativ rutschen wird", sagte Rürup gegenüber stern.de. Einige Versicherte trifft der Rentenschwund aber besonders. Rürup: "Die niedrigste Rendite haben männliche Singles. Aber auch junge Männer, zum Beispiel des Geburtsjahrgangs 1980, können langfristig noch mit einer Rendite von mehr als zwei Prozent rechnen."

Das sieht der Rentenexperte Meinhard Miegel ganz anders. Der Leiter des Deutschen Instituts für Altersvorsorge hat berechnet, dass die heute 35-Jährigen schon bei der Rente draufzahlen, während bei den 55-Jährigen immerhin noch eine Rendite von einem Prozent übrig bleibt. Miegels Berechnungen hatte Verfassungsrechtler Papier als Grundlage für seinen Warnhinweis genommen.

Trickserei mit der Inflation

Wie aber kommt es zu den Differenzen bei den Rentenberechnungen von Bert Rürup und Meinhard Miegel? Miegels Institut für Altersvorsorge, das von der Deutschen Bank und deren Versicherungstochter Deutscher Herold finanziert wird, rechnet die Inflation mit ein. Diese schleichende Geldentwertung knabbert schließlich auch an der späteren Rente. Klingt ehrlich, hat aber ein Geschmäckle: Kein einziger privater Lebens- oder Rentenversicherer wendet diese Berechnungsart in den Modellrechnungen für seine Kunden an. Die Finanzbranche fordert somit von der gesetzlichen Rentenversicherung eine Transparenz, die sie bei ihren eigenen Produkten nicht leistet.

Die von anderen Interessen unabhängige Stiftung Warentest kommt in ihrem Heft "Finanztest" (5/2006) jüngst zu anderen Ergebnissen als Meinhard Miegel. Die Versicherten erhalten auch künftig mehr Rente, als sie an Beiträgen eingezahlt haben, lautet das Fazit der Warentest-Berechnungen. Allerdings werden die Renditen für jüngere Jahrgänge tatsächlich drastisch sinken. Demnach kommen Arbeitnehmer des Jahrgangs 1945, die 40 Jahre lang Beiträge gezahlt haben, auf eine Rendite von 4,4 Prozent, der Jahrgang 1965 nur noch auf 3,1 Prozent - beide Renditeberechnungen beziehen sich dabei auf den eigenen Beitragsanteil, den der Arbeitnehmer in die Rentenversicherung einzahlt.

Und einmal kommen die Frauen besser weg: Weil sie im Durchschnitt älter werden und entsprechend länger Rente beziehen, liegt die Rendite in der Beispielrechnung bei 4,9 Prozent (Jahrgang 1945) beziehungsweise 3,5 Prozent (Jahrgang 1965).


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