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Anlageempfehlungen: Wohin die Kurse laufen

Das neue Jahr verspricht für Investoren so ertragreich zu werden wie das alte. Acht Finanzexperten geben im stern ihre Anlageempfehlungen für 2007.

Bei Volkswagen und Deutscher Telekom fliegen die Chefs, bei Daimler-Chrysler und Siemens ermitteln Staatsanwälte und Börsenaufsicht, bei Eon fällt der Strom aus - eine schlechte Nachricht aus Deutschlands Konzernen jagt die andere. Doch die Börsianer scheint das nicht zu kümmern: Der deutsche Aktienindex Dax hat trotzdem einen zweistelligen Jahresgewinn eingefahren. Das Kursbarometer ist auf dem höchsten Stand seit fünfeinhalb Jahren. Der amerikanische Dow-Jones-Index erreicht mit gut 12000 Punkten sogar ein neues Allzeithoch. Die meisten Aktienmärkte der Welt liegen dick im Plus.

An vielen deutschen Anlegern geht die Börsenparty jedoch vorbei. Allein im ersten Halbjahr 2006 verkauften knapp eine Million Investoren ihre Aktien und Aktienfonds. War das vorschnell? Lohnt sich jetzt vielleicht sogar wieder der Einstieg? Der stern wagt einen Blick auf das Geldjahr 2007:

Aktien Die Chancen für weiter steigende Kurse stehen nicht schlecht. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen brummt die deutsche Wirtschaft. Die Firmen erzielen Rekordgewinne und investieren wieder mehr, die Baukonjunktur springt an, und auch die Verbraucher zeigen Lust am Konsum.

Trotz steigender Mehrwertsteuer wird das Wirtschaftswachstum nach Meinung der Ökonomen auch 2007 anhalten. Denn die Weltwirtschaft läuft auf Hochtouren und wird laut Internationalem Währungsfonds im nächsten Jahr um fünf Prozent zulegen - Exportweltmeister Deutschland dürfte davon profitieren. Ein weiteres Argument spricht für ein Börsenengagement vor allem auf dem Heimatmarkt: Die deutschen Aktien sind im internationalen Vergleich immer noch günstig bewertet. Von Euphorie, die die Kurse in absurde Höhen treibt, ist bisher nichts zu spüren. Ausländische Investoren setzen bereits seit längerem auf deutsche Titel, ihre Engagements dürften für weiter steigende Notierungen an der Frankfurter Börse sorgen.

Die Kursrisiken lauern andernorts, vorrangig in den USA. In New York sind die Kurse in den vergangenen Monaten deutlich schneller gestiegen. Viele der Käufe waren mit Krediten finanziert. Von den vergleichsweise teuren amerikanischen Aktien sollten Anleger daher lieber die Finger lassen.

Zinsen Analysten sagen für Europa und Amerika in den kommenden zwölf Monaten unterschiedliche Zinsentwicklungen voraus. Für die Euro-Zone wird mit einem Anstieg der Leitzinsen von derzeit 3,25 auf etwa 3,5 Prozent gerechnet. Was Tagesgeld-Sparer freut, dürfte Häuslebauern eher Sorgen bereiten: Kredite werden in Euro-Land dann teurer.

Geduld brauchen die Anleger mit Euro-Rentenfonds: Steigende Zinsen drücken den Wert der niedriger verzinsten Papiere in Fonds.

Für Amerika glauben renommierte US-Ökonomen wie Rajeev Dhawan an den umgekehrten Trend. "Um eine Rezession abzuwenden, wird die Notenbank etwa ab März beginnen, die Zinsen, heute bei 5,25 Prozent, zu senken. Bis Ende 2007 um etwa 0,75 Prozent", sagt der Professor der Georgia State University in Atlanta, 2005 als treffsicherster Prognostiker der USA ausgezeichnet. Käme es so, stiegen die Kurse amerikanischer Rentenfonds. Fallende Zinsen könnten die Kurse von US-Aktien dagegen wieder über Gebühr aufblähen, weil schlechter verzinstes Geld auf den Markt strömt und lukrativere Anlageformen sucht.

Immobilien Die mageren Jahre für Immobilienfonds-Anleger sind vorbei. Die Wertentwicklung überwiegend in Deutschland investierter Fonds hat sich auf knapp drei Prozent berappelt, globale Gewerbeimmobilien-Portfolios brachten es zuletzt sogar auf mehr als sechs Prozent. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die gute Weltkonjunktur auch im kommenden Jahr die Mieteinnahmen von Immobilien stützen wird - wenn auch nicht überall gleich stark. "Asien hat gegenüber Nordamerika und Europa die Nase vorn", sagt Philipp Vorndran, Investment-Stratege der Schweizer Großbank Credit Suisse. "Aber Europa und auch Deutschland holen auf." Selbst wenn nur drei der acht vom stern befragten Anlageexperten Immobilien in ihren Empfehlungen haben (siehe Fotostrecke "Geldanlage 2007"): Wer vergleichsweise schwankungsarme Zugaben für sein Depot sucht, ist mit Immobilienfonds gut bedient.

Frank Donovitz, Joachim Reuter / print