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Anleger: Wie ein Erdbeben

Management-Chaos und ein Immobilienskandal: Viele Deka-Fonds haben ihren guten Ruf verspekuliert.

Als vor fünf Jahren die vier roten Buch staben "Deka" auf einen 186 Meter hohen Büroturm in der Frankfurter Innenstadt montiert wurden, schien in der Finanzwelt alles möglich zu sein. Die Sparkassen mit ihren rund 50 Millionen Kunden hatten es geschafft, mit den ganz Großen der Geldwelt gleichzuziehen. Das "Trianon" überragt sogar die Türme der Deutschen Bank um rund 30 Meter. Gut fünf Millionen Sparer vertrauen ihr Geld den Fonds der Deka-Gruppe an. Das Finanzhaus belegt mit rund 130 Milliarden Euro Anlegerkapital Platz zwei in Deutschland. Doch seit Monaten macht die Deka wegen ihrer Fonds und deren Management Negativschlagzeilen. Und nachdem vergangene Woche Michael A. Koch, 47, verhaftet worden ist, geht unter Mitarbeitern und Anlegern die Angst um. Koch war bis Ende August Mitgeschäftsführer der Deka-Immobilienfonds. Er wurde fristlos entlassen. Ihm wird Beteiligung an Schiebereien bei Gebäude-Deals vorgeworfen. Mit Koch sind mittlerweile rund 50 weitere Manager, unter ihnen auch ein früherer Spitzenmann einer Deutsche-Bank-Tochter, ins Visier der Staatsanwälte geraten. Ermittelt wird wegen überzogener Sachgeschenke und hoch bezahlter Beraterverträge ohne Gegenleistung. Unter Verdacht stehen Immobilienmanager bei Banken und Fonds, außerdem Baufirmen, Makler, Juristen und Architekten. Die Frankfurter Soko "Korruption" vermutet ein regelrechtes "Netzwerk" von Gaunern. So hätten sich die Bestecher ihren "Aufwand" stets mit frisierten Rechnungen beim Bestochenen zurückgeholt.

Die Deka-Gruppe hat rund 18 Milliarden Euro in Gewerbe-Immobilien investiert. Die Verhaftung eines führenden Managers kommt da einem Erdbeben gleich. Die bange Frage lautet: Wurden Anleger geschädigt? Das werde "intern geprüft", heißt es dazu von der Deka. Man stehe mit den Frankfurter Ermittlern "in Kontakt". Auch die Bundesaufsicht für Investmentfonds in Bonn hat sich eingeschaltet. Nach allem, was bisher bekannt geworden ist, erscheint ein Schaden für Anleger zumindest nicht unwahrscheinlich. Die Kundschaft ist ohnehin nervös. Denn viele Deka-Investments in Immobilien oder Aktien hielten dem Vergleich mit den Ergebnissen der Konkurrenz nicht stand. Auch deshalb sank 2003 der Zufluss an Kundengeldern netto um 34 Prozent. Zum Beispiel der DekaFonds für deutsche Aktien, in dem rund vier Milliarden Euro verwaltet werden: Der Fonds schaffte in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von rund zehn Prozent. Das Problem: Die durchschnittliche Wertentwicklung deutscher Aktien betrug im gleichen Zeitraum etwa 17 Prozent. Damit rangiert der DekaFonds nunmehr im hintersten Viertel aller Deutschland-Aktienfonds. Noch stärker zerbröselte es den Fond DekaSpezial, der weltweit in Aktien investiert. Um rund 15 Prozent stiegen die Kurse an den Weltbörsen im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate. Gerechnet in US-Dollar. In Euro waren es gut fünf Prozent. DekaSpezial-Anleger verbuchten in diesem Zeitraum aber nicht mal ein Prozent Plus. Die Folge: Analysten stuften den Fonds herunter, Investoren ergriffen die Flucht.

Die Beispiele sind keine gezielt gewählten Ausreißer: Nicht einmal zehn Prozent aller Deka-Aktienfonds schafften es laut einer Studie der Frankfurter Analysefirma Feri Trust über weite Strecken in den vergangenen zwei Jahren den vergleichbaren Marktdurchschnitt zu übertreffen. Das bedeutet: Ein für Anleger viel kostengünstigeres Aktienindex-Zertifikat hätte gegenüber 90 Prozent aller Deka-Offerten mehr Rendite abgeworfen. Natürlich ist Deka-Geschäftsführer Wolfgang Leoni mit diesen Ergebnissen "unzufrieden". Sein Ziel sei es, "für das Jahr 2005 beziehungsweise 2006" die Fonds in das obere Viertel aller Angebote zu bringen. Die Suche nach Schuldigen für die Probleme im Aktiengeschäft ist schwierig. Denn bei der Deka werden die Fonds nicht mehr von einem Manager verantwortet, wie in der Branche üblich, sondern von so genannten arbeitsteiligen Teams, die sich bei ihren Kauf- oder Verkaufsentscheidungen auf Computeranalysen stützen. Also raus aus Deka-Fonds? Nicht unbedingt. Manche Fachleute halten die neue Deka-Arbeitsweise langfristig sogar für erfolgversprechend. Deshalb ist ein verlustreicher Verkauf von Anteilen nicht für jeden Sparer die richtige Maßnahme. Nur: Geduld muss man als Deka-Kunde wohl mehr denn je mitbringen. Das Management-Desaster ausbaden müssen nun die Berater in den Sparkassen. Sie sind gegenüber zornigen Kunden in Erklärungsnot. Dutzende Sparkassen, besonders die großen, proben bereits den Radikalschnitt: Sie verkaufen seit einigen Monaten Fonds des US-Anbieters Fidelity. Insider vermuten, dass sei von den Amerikanern mit satten Provisionen teuer erkauft worden. Fidelity dementiert. So oder so - für die Deka ist dieses Kundengeld verloren.

Frank Donovitz / print
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