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Autobanken: Zinsen mit Turbo

Autokonzerne geben nicht nur günstige Kredite beim Fahrzeugkauf - mit attraktiven Geldanlage-Angeboten werden sie auch zur Konkurrenz für Banken.

Vorsprung durch Technik - flotte Werbesprüche ist man von den Automobilherstellern gewöhnt. Doch die Branche will auch auf einem anderen Feld vorn dabei sein: beim Geschäft mit dem Geld. Volkswagen, BMW und Daimler-Chrysler besitzen eine Vollbanklizenz - ihre Finanzangebote gehen weit über schlichte Fahrzeugfinanzierung hinaus. Sie locken mit attraktiven Konditionen bei Tages- und Festgeld und nehmen den Geschäftsbanken und ihren Fondsgesellschaften immer mehr Kunden weg.

Die vor elf Monaten

gestartete Daimler-Chrysler-Bank konnte 2,8 Milliarden Euro bei 110.000 neu gewonnenen Kunden einsammeln. Auf der Überholspur ist auch die seit 1990 operierende Volkswagen-Bank. Sie hat sich auf den dritten Platz unter allen deutschen Direktbanken vorgearbeitet, in Polen ist das Institut bereits die zweitgrößte Direktbank. Noch in diesem Jahr wollen die Wolfsburger ins Kreditgeschäft mit Firmenkunden einsteigen und damit in die Lücke springen, die private Großbanken mit ihrer Zurückhaltung bei der Finanzierung des Mittelstandes hinterlassen.

Für Privatkunden bietet die Volkswagen-Bank besonders viel: Sie ist die einzige Auto-Bank mit einem Komplettangebot inklusive Girokonto, mit dem auch Überweisungen möglich sind. BMW und Daimler-Chrysler bieten keine Hausbank-Alternative, dafür aber höhere Tagesgeldzinsen als die Wolfsburger.

Erfolgreich sind

die Auto-Banken, weil sie - wie alle Direktbanken - kein teures Filialnetz unterhalten und günstige Zinsen als Lockmittel einsetzen: Mit 2,5 bis drei Prozent beim Tagesgeld kann die Geschäftsbanken-Konkurrenz nicht mithalten. Angesichts des aktuell niedrigen Zinsniveaus in Deutschland scheinen die Autohäuser auf den ersten Blick mit ihren attraktiven Angeboten kaum etwas verdienen zu können. Dennoch lohnt sich das Geschäft: Mit den Kundengeldern refinanzieren sie ihre Autokredite - je mehr sie an Einlagen einsammeln, desto kostengünstiger können sie den Autokauf auf Pump gestalten. Wie erfolgreich das Geschäft ist, zeigt das Beispiel Volkswagen-Bank: Sie überwies im vergangenen Jahr einen Gewinn von 415 Millionen Euro an das Mutterhaus, das waren 16 Prozent des gesamten Konzerngewinns.

Den Lockruf der Rendite stimmen die Auto-Banken aus einem weiteren Grunde an. Mit den Geld-Vorteilen soll die Kundentreue gestärkt - und der Verkauf von Neuwagen angekurbelt werden. Hier spielen die Banken den Motor: Mit ihren Kampfkonditionen gewinnen sie auch Kunden, die noch keinen Mercedes, BMW, Audi oder VW fahren. Wer auf hohe Zinsen scharf ist, so das Kalkül, den kann man vielleicht auch für einen Kombi oder ein Cabrio begeistern. Und günstigen Kredit gibt's dazu: Mit effektiven Jahreszinsen von teilweise unter einem Prozent können die Geschäftsbanken und Sparkassen kaum konkurrieren.

Der Autokauf auf Pump lohnt sich

Service

Angebote zur Fahrzeugfinanzierung hat fast jeder Autokonzern. Doch nur Volkswagen, BMW und Daimler-Chrysler dürfen Geldanlage-Geschäfte betreiben. Man muss kein Fahrzeug des jeweiligen Konzerns fahren, um Kunde zu werden. Filialen gibt es nicht, der Kontakt läuft via Telefon oder Computer. Allein die Volkswagen-Bank ist mit Girokonten in drei Varianten eine echte Alternative zur Hausbank. Die beiden Konkurrenten eignen sich nur für Spar- und Finanzierungsgeschäfte.

Zinsen

Beim Tagesgeld geben die Geschäftsbanken kaum Zinsen, dagegen bietet BMW drei Prozent. Zum Vergleich: Bei der Direktbank DiBa gibt es auch hohe Zinsen - und einen Voll-Service inklusive Girokonto. Beim Festgeld liegen die Auto-Banken mit ihren Angeboten im Mittelfeld.

Autofinanzierung

VW und Daimler-Chrysler finanzieren nur Neuwagen aus dem eigenen Konzern, BMW auch fremde Modelle. Bei Gebrauchten sind alle großzügig. Die Angebote sind unschlagbar: Bei einem effektiven Jahreszins von unter einem Prozent lohnt es sich nicht, das Auto mit dem Ersparten zu bezahlen. Das Geld besser aufs Tagesgeldkonto bringen.

Fonds

Bei der Volkswagen-Bank kann man sämtliche in Deutschland zugelassenen Fonds kaufen - viele zu reduziertem Ausgabeaufschlag, wenn sie übers Internet erworben werden. BMW hat fünf eigens für die Bank aufgelegte Dachfonds im Programm. Bei Daimler-Chrysler gibt es einen mit der Gesellschaft Invesco entwickelten Fonds mit Wertsicherung.

Joachim Reuter / print