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Bargeldlos: Nulltarif soll Kreditkarte aus Tief holen

Bis vor wenigen Jahren galt es als chic, mit Kreditkarte und seinem "guten Namen" zu bezahlen. Das änderte sich mit dem Siegeszug der ec-Karte. Aber die Kreditkartenunternehmen geben nicht auf.

Den meisten Bürgern reicht das Bankkärtchen inzwischen aus. Außerdem ist es viel billiger zu haben, als die meist gebührenpflichtigen Kreditkarten. Auch beim Handel wird in der Flaute gespart. Immer mehr Geschäfte nehmen keine Kreditkarten mehr an, weil diese ihren Umsatz um ein bis drei Prozent schmälern. Den Ausweg aus der Flaute soll nun die Gratis-Kreditkarte bringen - eine Neuerung, von der zumindest Verbraucher profitieren können.

Karstadt ist Vorreiter

Vorreiter der Nulltarif-Welle ist der Handelsriese Karstadt zusammen mit der Quelle Bank und dem Kreditkartenunternehmen MasterCard. Nach dem Vorbild altgedienter Verbände wie dem ADAC oder Fußballfanclubs brachte der Warenhauskonzern im vergangenen Jahr mit Partnern eine eigene Plastikkarte auf den Markt.

Vorteil: Keine Jahresgebühr

Ihr Vorteil im Vergleich zu allen bisherigen Angeboten: Sie kostet keinen Cent Jahresgebühr - unabhängig davon, ob der Besitzer damit große Einkäufe tätigt, ob er sie im In- oder Ausland einsetzt oder ob sie weitgehend ungenutzt im Geldbeutel stecken bleibt. Die Leistungen lassen sich an denen der Mitbewerber messen: Bei Einsatz im Euroland fallen keine Kosten an, im übrigen Ausland ein Prozent Gebühr. Extras dürfen bei der MasterCard-Sparversion nicht erwartet werden.

Visa folgt

Mit einer ähnlichen Strategie versucht nun auch die Kartenfirma Visa zusammen mit dem Internet-Auktionshaus "ebay" und der Citibank neue Kunden zu gewinnen. Das Kärtchen ist - wie auch die "Esprit Visa Card" - allerdings erst ab 3.000 Euro Einkaufsumsatz im Jahr zum Nulltarif zu haben. Erreicht der Besitzer nicht die vorgegebene Summe, wird ihm ein Jahresbeitrag von 20 Euro in Rechnung gestellt.

Karstadt hat die Nase vorn

Bisher hat Karstadt MasterCard im Rennen um neue Kunden die Nase vorn. Weit über eine Dreiviertel Million Exemplare der Karte wurden bislang in Deutschland ausgegeben, wie Andreas Keppler von der Gesellschaft für Zahlungssysteme in Bad Vilbel berichtet. „Das Kostenlos-Konzept hat in dieser wirtschaftlich schwierigen Situation bei den Endkunden einzigartig eingeschlagen“, erläutert der Fachmann für Kundenkarten.

Massensendungen ärgerten Konsumentenschützer

Verbraucherverbände beurteilten das Projekt zunächst kritischer. Weil der Kaufhausriese anfänglich den eigenen Kundenstamm nutzte und seine Kreditkarten unangefordert in Massensendungen verschickte, stieß der Vertriebsweg auf Ablehnung. Mittlerweile bekommt jedermann die Karte auf Antrag ausgestellt.

"Pfiffige Idee"

Nach eingehender Prüfung kommt Stiftung Warentest in Berlin nun zum Schluss: Die Karte "ist in Ordnung". Wer bisher Jahresgebühren zahlen musste, könne das neue Angebot "Gewinn bringend nutzen". "Das ist eine pfiffige Idee", meint auch Maren Geisler vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin.

Betrag wird erst später abgebucht

Für Kunden gilt bei Kreditkartenzahlung grundsätzlich: Der Betrag wird im Gegensatz zur Zahlung mit ec-Karte nicht sofort vom Konto abgebucht. In der Regel wird es erst bei der nächsten Monatsabrechnung belastet.

EC-Karten halten Vormachtstellung

Ob Gratis-Karten allerdings die Vormachtstellung der ec-Karten in Deutschland nachhaltig aufbrechen können, bleibt fraglich. Bei Händlern und Gastronomen dürfte die ec-Karte auch weiterhin Favorit bleiben. Ihr Einsatz kommt die Unternehmer nämlich längst nicht so teuer zu stehen wie die Kreditkartenzahlung, für die sie Gebühren an die Banken abführen müssen.