Börsen 2008 "Ein Jahr zwischen Euphorie und Panik"

Für den deutschen Leitindex Dax war es ein erfolgreiches Jahr - trotz Kreditkrise, Rekordpreise beim Öl und einer drohenden Rezession in den USA. Experten zufolge könnte der Höhenflug weitergehen. Eines steht aber schon fest: Wer die Gewinner und Verlierer des bald vergangenen Jahres sind.

Den vielen Hiobsbotschaften zufolge hätte es kein gutes Jahr für Aktionäre sein dürfen: Kreditkrise, Rekord-Ölpreis und das Schreckgespenst einer Rezession in den USA trieben Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn. Doch der deutsche Leitindex Dax gewann seit Jahresbeginn rund 20 Prozent. Damit übertrumpfte er locker den amerikanischen Dow-Jones, der aber trotz der US-Turbulenzen immerhin noch auf gut 7 Prozent plus kam. Für 2008 sind die meisten Experten optimistisch, dass die Rekordjagd zumindest an den deutschen Börsen weitergeht. Und selbst für die USA erwarten die Fachleute überwiegend deutliche Aktiengewinne.

Dax erholte sich nach Kreditkrise

"Das war ein Jahr zwischen Euphorie und Panik", bilanziert die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Gertrud Traud. Am 1. Juni kletterte der Dax erstmals seit März 2000 über die 8.000er-Marke, nur sechs Wochen später wurde der sieben Jahre alte Rekord eingestellt und der Index sprang zeitweise gar über 8.150 Punkte. Dann schickte die Krise auf dem US-Häusermarkt weltweit die Börsen auf Talfahrt, Händler berichteten von "Panikverkäufen", Angst vor einem Crash machte sich breit. Doch der Dax erholte sich relativ rasch - auch dank brummender deutscher Konjunktur und starkem Export, der Auto- und Maschinenbauern gute Gewinne bescherte.

Anleger, die trotz der heftigen Schwankungen die Nerven behielten, konnten denn auch erneut kräftig an der Börse verdienen: Wer Anfang des Jahres 1.000 Euro in einen Korb aus den 30 Dax-Werten investierte, hatte Mitte Dezember fast 1.200 Euro in seinem Depot. Deutsche Aktien seien nach wie vor gut bewertet, sagt die Commerzbank, "weshalb der derzeit vorherrschende Pessimismus die Kurse kaum nach unten drücken konnte". Zum Jahresende näherte sich der Dax wieder der 8.000er-Marke.

Techniktitel und Energiebranche vorne

Wer in diesem Jahr dagegen auf die US-Märkte setze, brauchte wegen der krassen Turbulenzen dort weit bessere Nerven. Anleger mussten sich trotz eines Rekordhochs Anfang Oktober von 14.164,50 Punkten am Ende mit klar niedrigeren Gewinnen zufriedengeben. Gar massive Verluste kassierte, wer zu lange auf den Finanzsektor setzte, der bislang mehr als 15 Prozent an Wert verlor. Die krisengeplagte größte US-Bank Citigroup brach sogar um fast die Hälfte ein.

Mit am besten schnitt die Energiebranche wegen des hohen Ölpreises ab. Auch Techniktitel lagen in den USA vorn: Der technologielastige NASDAQ-Index legte seit Januar um fast 10 Prozent zu. Der breite S&P-500-Index dagegen schaffte gerade mal knapp vier Prozent plus. Unter dem Strich setzte sich damit der 2002 begonnene Aufwärtstrend in den USA fort - wenn auch deutlich langsamer.

Nach der Berg- und Talfahrt 2007 geht die Commerzbank für das nächste Jahr von einem stabileren Klima an den Börsen aus: Der Dax dürfte "bei abnehmendem Pessimismus bereits im ersten Halbjahr wieder deutlich zulegen". Laut einer repräsentativen TNS-Infratest-Umfrage im Auftrag der Börsen Hamburg-Hannover erwarten mehr als 70 Prozent der Anleger, dass der Dax im nächsten Jahr um bis zu zehn Prozent steigt, mindestens aber sein Niveau halten kann. Die Helaba sieht den Dax Mitte 2008 bei 8.600 Punkten.

Abschreibungen wegen Finanzkrise noch immer nicht klar

Auch für die US-Börsen rechnen die meisten Experten trotz der Rezessions- und Inflationsgefahr mit spürbarem Aufwind. Im Schnitt erwarten Wall Street-Analysten laut einer Umfrage des renommierten Magazins "Barron's" ein Plus des S&P-Index von rund 10 Prozent. Für die 30 Werte im Dow-Jones sieht Citigroup-Aktienstratege Tobias Levkovich ebenfalls einen zweistelligen Anstieg auf 15.100 Punkte. Eine schlechtere US-Konjunktur in 2008 sei in den heutigen Kursen schon eingepreist. Manche an der Wall Street sind da skeptischer und erinnern, dass die meisten Fachleute zu Beginn des Kreditschlamassels das Ausmaß auch weit unterschätzten.

Voraussetzung für kräftige Börsengewinne ist nach Einschätzung von DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater, dass sich "die Finanzkrise im ersten Halbjahr 2008 allmählich herauswächst". Dazu müsse feststehen, wie hoch die Abschreibungen bei Banken tatsächlich sind. Dann werde auch das Vertrauen in die US-Wirtschaft zurückkehren, der US-Dollar wieder gestützt und damit der Höhenflug des Euro gestoppt, der vielen Ökonomen, Unternehmern und Notenbankern 2007 zunehmend Sorgen machte.

Von Jörn Bender und Roland Freund, DPA DPA

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